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Walter Levin gestorben
Weltberühmte Geiger mit Wurzeln in Wuppertal

Walter Levin gestorben: Weltberühmte Geiger mit Wurzeln in Wuppertal
Oberkantor Hermann Zivi, fotografiert von seinem Enkel Walter Levin, Elberfeld 1937. FOTO: Archiv Begegnungsstätte Alte Synagoge
Wuppertal. Immer häufiger erreicht die Begegnungsstätte Alte Synagoge die Nachricht, dass wieder ein früherer Wuppertaler jüdischer Herkunft gestorben ist. Jetzt starb 92-jährig Walter Levin, der Gründer und erste Geiger des weltberühmten Lasalle-Streichquartetts.

Levin wurde als drittes Kind von Erna Zivi am 6. Dezember 1924 Berlin geboren, und diese war die Tochter von Hermann Zivi, Oberkantor der jüdischen Gemeinde zu Elberfeld. Erna erbte das musikalische Talent, studierte Musik und spielte die Orgel in der Elberfelder Synagoge, bevor sie den Kaufmann Alfred Levin heiratete und nach Berlin zog. Ihr Sohn Walter Lewin hat Ulrike Schrader bei einem eindrücklichen persönlichen Treffen in Basel vom Kennenlernen seiner Eltern erzählt: Sein Vater habe eine Frau gesucht, die dafür sorgt, dass immer Musik im Hause sei, und so habe er glücklicherweise seine Mutter gefunden.

Schon zu Walter Levins Bar Mizwa – als er also 13 Jahre alt wurde – hätten seine Eltern ihm eine komplette Ausgabe mit den Noten der Streichquartett-Literatur geschenkt. Bei solcher Leidenschaft war folgerichtig, dass es ihn in der Emigration in Palästina nicht hielt, sondern er unter günstigeren Verhältnissen in Amerika studieren musste. Nicht solistischer Violinvirtuose wollte er werden, sondern immer als Mitglied im Quartett diese anspruchsvollste Gattung der Kammermusik studieren, lernen, lehren und spielen.

Im Museum der Begegnungsstätte Alte Synagoge gibt es ein weiteres Bar-Mizwa-Geschenk zu sehen: Die Kamera, mit welcher der junge Walter Levin seinen Großvater Hermann Zivi auf dem Balkon in der Briller Straße fotografierte. Am 4. August 2017 ist Walter Levin in Chicago gestorben.

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