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Bergisches Städtedreieck
Starker Standort mit Schwächen

Bergisches Städtedreieck: Starker Standort mit Schwächen
Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK. FOTO: www.malte-reiter.de
Wuppertal. Die IHK-Umfrage belegt Handlungsbedarf bei Steuern, Breitbandanbindung, Innenstadtentwicklung und Fachkräften.

In Schulnoten ausgedrückt, geben die Unternehmer im Bergischen Städtedreieck der Region eine 3 plus (2,7). Das ist das Ergebnis einer Standortumfrage, an der sich insgesamt 737 Betriebe aus Wuppertal, Solingen und Remscheid beteiligt haben. "Das ist ein guter, aber kein überragender Wert", betonte Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK, am Montag bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.

Die IHK hatte die Unternehmen in acht Themenfeldern (Standortkosten, Verkehr, Bildung und Arbeitsmarkt, Innovation und Hochschule, Standortklima, Standort­attraktivität, Flächenbedarf und Breitbandanbindung) zu insgesamt 31 Standortfaktoren befragt. "Dabei wollten wir nicht nur wissen, wie zufrieden die Betriebe mit den einzelnen Faktoren sind, sondern auch wie wichtig sie diese finden. Und genau dieser Ansatz hat uns jetzt sehr aufschlussreiche Ergebnisse geliefert", so Wenge.  

Besonders gut bewertet wurden beispielsweise die Studienangebote der Bergischen Universität sowie die Kooperation mit der Universität, auch wenn für viele Unternehmen diese Faktoren nicht so wichtig sind, weil sie keine eigene Forschung und Entwicklung betreiben und daher nicht in dem Maße auf akademische Nachwuchsfachkräfte angewiesen sind. Ähnlich verhält es sich mit der Flughafenanbindung, die ebenfalls gut bewertet, aber für viele Unternehmen von nicht so hoher Bedeutung ist. "Ganz im Gegensatz zur Gewerbesteuer: Sie wird als sehr wichtiger Standortfaktor genannt – gleichzeitig sind die Unternehmen aber extrem unzufrieden mit der Höhe", so Wenge. Ähnlich negativ werden die Höhe der Grundsteuer sowie die städtischen Abgaben und Gebühren bewertet. Überwiegend kritisiert wird von den Unternehmen außerdem die mangelnde Attraktivität der Innenstädte – insbesondere Sauberkeit und Sicherheitssituation seien unbefriedigend.

Interessanterweise sind die Bewertungen in allen drei Städte sehr ähnlich, mit einem Unterschied: In Solingen wird die Straßenanbindung deutlich negativer beurteilt als in Wuppertal und Remscheid. "Hier zeigt sich erneut, dass die Anbindung an die A3 nach wie vor unbefriedigend ist", erläutert Wenge. Die Verkehrsinfrastruktur wird auch insgesamt als besonders wichtig bewertet. Nur ein Standortfaktor wird als noch entscheidender eingeschätzt: die Breitbandanbindung. Auch zu ihren Zukunftsplänen wurden die Unternehmen befragt: Fast ein Drittel plant in den nächsten fünf Jahren eine Erweiterung. Das sei positiv, bedeute aber auch, dass entsprechende Flächen bereitgestellt werden müssen, so die IHK.

"Aus den Ergebnissen ergibt sich ein deutlicher Handlungsbedarf", so Wenge. "So darf es aus unserer Sicht keine weiteren Steuererhöhungen geben. Zudem muss die Sauberkeit und Sicherheitssituation verbessert werden und ein flächendeckender Ausbau der Breitbandversorgung vorangetrieben werden." Da die Unternehmen einen steigenden Bedarf an Fachkräften angegeben hätten, müsse auch die berufliche Bildung weiter gestärkt werden. "Hieran müssen Städte und Wirtschaft gemeinsam arbeiten", unterstreicht Wenge abschließend.