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Muslimischer Friedhof
Schlicht, einfach, ansprechend

Wuppertal. Die Planungen für den bundesweit ersten muslimischen Friedhof an der Krummacherstraße in der Varresbeck gehen in die nächste Runde: Die studentischen Vorschläge sind präsentiert und ein Masterplan nimmt langsam Gestalt an.

"Wir arbeiten uns vom Allgemeinen ins Spezielle", sagt der stellvertretende Vorsitzende des muslimischen Friedhofsträgervereins, Mohamed Abodahab, im Gespräch mit der Rundschau. Für die gestalterische Planung wurde von Anfang an der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der Bergischen Universität um Professor Klaus Overmeyer mit ins Boot geholt. In zwölf Zweiergruppen arbeiteten Studenten über das Wintersemester. Präsentiert wurden die Pläne am 7. Februar – einer Jury und der Öffentlichkeit. Die besten Vorschläge wurden sogar prämiert.

Laut Mohamed Abodahab sind die Pläne gestalterisch sowie funktional großartig, lassen sich allerdings nur schwierig umsetzen – aus wirtschaftlichen Gründen, denn immerhin muss das Ganze über Spendengelder finanziert werden.

Mittlerweile wurde der Auftrag an ein Wuppertaler Planungsbüro erteilt. Das soll die besten Ideen der Studenten herausfiltern und auf deren Basis in etwa sechs Wochen einen Masterplan vorstellen, damit im Herbst die Arbeiten beginnen können. Abodahab ist zufrieden: "Am Zeitplan hat sich nichts geändert, denn wegen des Naturschutzes darf vor Oktober kein Baum gefällt und kein Busch getrimmt werden. Schlicht und einfach soll es werden, aber natürlich trotzdem gestalterisch ansprechend", sagt er.

Ein kleiner Gebetsraum und eine Totengebetsüberdachung sind gewünscht – falls es das Budget hergibt. "Wichtig ist uns aber erst einmal die eigentliche Friedhofsfläche, damit Bestattungen nach muslimischen Glaubensgrundsätzen erfolgen können", erklärt der Vorsitzende des Interessenverbandes der 16 muslimischen Gemeinden in Wuppertal.

Konkrete Details möchte er vor der Veröffentlichung des Masterplans aber noch nicht preisgeben. Nur so viel sei gesagt: Der Friedhofsträgerverein werde auch weiterhin im engen Dialog mit den Anwohnern stehen, denn das Vertrauen, das man über die letzten Monate aufgebaut habe, möchte man nicht aufs Spiel setzen. Abodahab: "Es ist wichtig, dass der Masterplan eine akzeptable Lösung für alle Beteiligten bietet, nur so kann eine tolle Nachbarschaft gewährleistet bleiben."

Einer Eröffnung 2018 steht also hoffentlich nichts mehr im Wege. Mohamed Abodahab, von Beruf Bauingenieur, freut sich jedenfalls jetzt schon auf ein "Leben nach dem Friedhof": Das ehrenamtliche Engagement sei wie ein zweiter Vollzeitjob für ihn. Es ist aber auch eine Herzensangelegenheit, denn Deutschland heißt für ihn Heimat – und in seiner Heimat will man auch beerdigt werden. "Man redet immer von richtiger Integration und die geht über das Leben hinaus", findet der 42-Jährige, dessen Wurzeln in Ägypten liegen.

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