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Online City Wuppertal
Online informieren, offline kaufen ...

Online City Wuppertal: Online informieren, offline kaufen ...
Sie stehen (von li.) hinter „talMarkt – Online City Wuppertal“, dem Trägerverein des Online-Portals: Roman Heimbold von der Atalanda GmbH, die den Auftritt technisch umsetzt, Peter Bothmann vom Boda-Weinhaus, der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Christiane ten Eicken, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist – sowie als weitere Vorstandsmitglieder Rolf Vollmerig, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, Markus Kuhnke, Inhaber des „Naschkatzenparadieses“ und Holger Hammes von der Stadtsparkasse. FOTO: Louisa Rohde
Wuppertal. Sie können und wollen keine Konkurrenz zu Amazon und eBay aufbauen. Ehrgeizig sind die Ziele dennoch, die die Macher von Online City Wuppertal für die nächste Phase ihres Pilotprojekts ins Auge fassen. Wir haben die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Die Voraussetzungen dafür, tatsächlich Erfolg zu haben, sind so schlecht nicht. Soeben konnte die Finanzierung für die nächste Stufe des bundesweiten Pilotprojekts sichergestellt werden. Damit stehen in den nächsten zwei Jahren 350.000 Euro zum weiteren Ausbau des Online-Portals zur Verfügung.

Wie ist Online City aufgebaut?
Unter atalanda.com/wuppertal findet man momentan 54 Geschäfte aus Wuppertal, die insgesamt über 873.000 Produkte anbieten. Die Waren können online bestellt werden und werden spätestens am nächsten Tag ausgeliefert oder können vor Ort abgeholt werden.

Gibt es Vorbilder?
Streng genommen nicht. Das Wuppertaler Projekt ist das erste Erfolg versprechende Modell in diesem Bereich. "Unsere ersten beiden Versuche in Hamburg und Salzburg funktionierten nicht", gibt Roman Heimbold zu, der mit seiner Firma Atalanda die Technik entwickelt hat. Doch in Wuppertal kam das Projekt gut an. Der Wuppertaler steht offensichtlich hinter seinem lokalen Einzelhandel, ist die ein wenig überraschende Erkenntnis der Online-City-Betreiber. Im Fahrwasser dieses Erfolgs sind jetzt zwölf weitere Städte auf den Zug aufgesprungen.

Warum wird es öffentlich gefördert?
Das Landeswirtschaftsministerium will mit diesem Projekt den digitalen und lokalen Einzelhandel "zusammendenken". So wie mit der Initiative 4.0 die Industrie auf ihrem Weg ins digitale Zeitalter unterstützt wird, sollen hier Programme auf die Handelsschiene übertragen werden. "Damit einher geht ein Pflichtenheft", erläutert der städtische Wirtschaftsförderungs-Chef Rolf Volmerig. Ein Bestandteil davon ist, dass Online City am Ende ohne öffentliche Förderung weiterexistieren kann.

Was wird alles angeboten?
Für eine vollständige Auflistung fehlt hier naturgemäß der Platz. Aber die Palette reicht von der Taucherbrille bis zum Stetson-Hut, von Pastellfarben bis zu Babyschuhen, von der Perlenkette bis zum Thüringer Curry-Ketchup. Allerdings sind von den 873.000 Produkten alleine über 800.000 Bücher. Volmerig: "Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren bei 1,5 Millionen Produkten zu landen."

Hat man überhaupt eine Chance gegen die Giganten im Internet-Handel?
In der Sortimentstiefe sicherlich nicht. Das ist auch nicht unser Ansatz. Wir schaffen einen lokalen Marktplatz, sagen die Online-City-Macher. Soll heißen, der Kunde erfährt, welche Artikel er in seiner Stadt mit all den damit verbundenen Annehmlichkeiten erwerben kann. Dabei soll auch die damit verbundene Suchmaschinensuche optimiert werden. "Der lokale Handel hat viele Jahre das Online-Geschäft als Feindbild gesehen", sagt Roman Heimbold: "Statt dessen kann man auch als lokaler Anbieter hervorragend vom Netz profitieren". Eine Entdeckung, die eigentlich nicht ganz neu ist. Schließlich hat man schon vor Jahren den ROPO-Effekt erkannt ...

Was ist der ROPO-Effekt?
Ein Phänomen, das englisch herzuleiten ist: Research Online, Purchase Offline. Übersetzt: Der Kunde informiert sich im Netz eingehend über ein spezielles Produkt, um es dann im örtlichen Laden zu kaufen. Also exakt das gegenteilige Verhalten, das der Handel immer wieder (nicht zu Unrecht) beklagt. Übrigens – statt ROPO bezeichnen Experten mittlerweile diese Besonderheit als "Wuppertal-Effekt".

Werden auch Umsätze außerhalb Wuppertals erzielt?
Durchaus. Für manche Händler ist dies ja bereits eine florierende Schiene. Peter Bothmann vom "Boda Weinhaus" betreibt seit 1998 auch Online-Handel, seit er im Urlaub in Kalifornien "infiziert" wurde: "Ich habe seither Kunden in Pirmasens und Hannover, aber durch das Online-City-Portal komme ich auch an den Kunden in Nächstebreck und Ronsdorf." Markus Kuhnke vom "Naschkatzenparadies" erzielt sogar 90 Prozent seines Online-Umsatzes mit "Auswärtigen". Aber er sagt: "Das wird sich noch gewaltig ändern. Außerdem kann ich ja im Laden nicht immer erkennen, wer wegen Online-City zu mir gekommen ist."

Wer zahlt den Versand?
Der Kunde. Allerdings nicht immer. In der Vorweihnachtszeit beispielsweise sponserte die Sparkasse die Versandkosten. Wie das Bankinstitut überhaupt ein großer Förderer von Online City ist. "Das bietet sich an", sagt Holger Hammes, "denn wir wickeln selbst ja auch immer mehr im digitalen Verkehr ab." Die Sparkasse bindet beispielsweise Online City in ihre "Treuwelt" mit ein und bietet dadurch dem Kunden Sondervorteile. Auch momentan läuft für drei Monate eine Aktion mit Gratisversand über DHL.

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