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Interview mit zwei Mitgliedern des Stadtjugendrats
"Mitzugestalten ist unser Ding"

Interview mit zwei Mitgliedern des Stadtjugendrats: "Mitzugestalten ist unser Ding"
Schwer beschäftigt: Als Nina Bossy zum Treffen ins Katzengold kam, saß Marlene Maiwald schon draußen und lernte für Klausuren. Sascha Stahn gesellte sich gern dazu. Im nächsten Jahr werden beide sich an ihr Abi wagen. FOTO: Wuppertaler Rundschau / Simone Bahrmann
Wuppertal. Er ist ein demokratisch gewähltes Parlament, seine Vertreter sind zwischen 14 und 21 Jahre alt und offizielle Mitglieder der Ausschüsse und der Bezirksvertretungen. Der Stadtjugendrat ist eine echte Chance, etwas zu verändern, finden Marlene Maiwald und Sascha Stahn. Redakteurin Nina Bossy spricht mit den Ratsmitgliedern über ihre Amtszeit und die Wahlen im Herbst.

Rundschau: Drei Jahre als Jugendlicher in der Wuppertaler Politik. Haben Sie Lust weiterzumachen?

Marlene Maiwald: Lust schon, aber ich mache nächstes Jahr Abi und weiß nicht, wo ich landen werde. Da ist ein Engagement auf drei Jahre schwierig.
Sascha Stahn: Ich lasse mich auch nicht noch einmal aufstellen, weil ich für jemand anderen den Platz frei machen möchte und es würde sich für das eine Jahr bis zum Abi nicht lohnen, jemandem diese tolle Möglichkeit zu nehmen. Fest steht für mich wirklich: Die letzten drei Jahre waren definitiv eine super Zeit.

Rundschau: Als Sie in den Stadtjugendrat kamen, waren Sie 15 und 16 Jahre alt. Hat man Sie und Ihre Anliegen ernst genommen?

Maiwald: Wir haben in allen Sitzungen Rederecht und sind offizielle Mitglieder der Gremien. Zwei Mal im Jahr setzen wir uns auch mit dem Oberbürgermeister zusammen, um unsere wichtigen Themen zu besprechen. Aber klar, in der Politik sind oft ältere Wuppertaler. Und ja, manche, haben uns vielleicht auch belächelt.
Stahn: Ja, Respekt muss man sich erarbeiten. Das ist uns aber gelungen. Etwas ganz entscheidendes fehlt dem Jugendrat, um auf Augenhöhe zu sein: Stimmrecht.
Maiwald: Das sehe ich auch so. Wir Jugendliche sind eine Gruppe der Gesellschaft, mit gleichwertigen Interessen. Und ein Sitz im Jugendrat ist ein demokratisch gewähltes Amt, es verdient seinen Stellenwert und demnach steht ihm auch ein Stimmrecht zu.

Rundschau:  Was sind die schönsten Erfolge, auf die der Rat zurückblicken kann?

Stahn: Wir hatten ganz zu Beginn unserer Amtszeit das tolle Projekt "7 Tage Action", bei dem wir jeden Tag mit Geflüchteten Programm organisiert haben.
Maiwald: Die Nacht der Jugendkultur, die übrigens am 29. September im LCB wieder gefeiert wird ...
Stahn: … und wir haben eine eigene Beratungsstelle eingerichtet.
Maiwald: Genau. Über dem CVJM haben wir eine Wohnung renoviert, die nun als Beratungsstelle für Jugendliche jeden Montag von 17 bis 19 Uhr geöffnet ist. Der neue Stadtjugendrat wird diese Wohnung und somit die Beratungsstelle übernehmen.

Rundschau: Der neue Stadtjugendrat wird im Herbst gewählt, im ganzen Stadtgebiet machen Plakate auf die Wahlen aufmerksam.

Maiwald: Und jeder Jugendliche bekommt vom Oberbürgermeister einen Brief nach Hause, der ihn darauf aufmerksam macht, dass er kandidieren oder sein Stimmrecht nutzen kann.

Rundschau: Wie hoch war 2015 die Wahlbeteiligung?

Maiwald: Vor drei Jahren lag sie leider nur bei etwa 3 Prozent. Aber wir gehen davon aus, dass sie dieses Mal höher sein wird. Der Aufstieg der AfD, die Veränderung in der politischen Landschaft, das bewegt auch junge Leute.
Stahn: Auch Jugendkultur und Stadtentwicklung interessiert junge Menschen. Sie haben leider oft nur den Eindruck, nichts bewegen zu können und machtlos zu sein. Aber genau dafür gibt es den Rat.
Maiwald: Statt zu meckern kann man anpacken. Das war übrigens für mich das schönste Erlebnis. Diese Euphorie und Energie, wenn junge Menschen zusammenkommen und etwas gemeinsam erreichen wollen.

Rundschau: Ich fange mal einen Satz an und Sie machen weiter. Wenn ich Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister wäre, würde ich …

Maiwald: … dafür sorgen, dass jeder gleichgestellt ist.
Stahn: Und dem, Jugendrat Stimmrecht geben.

Rundschau: Wenn ich Kanzlerin oder Kanzler wäre …

Maiwald: ... würde ich die Massentierhaltung abschaffen.
Stahn: Mehr Geld für Bildung statt für Verteidigung ausgeben, für soziale Gerechtigkeit sorgen.

Rundschau: Sie beide machen nächstes Jahr Abi. Bundeskanzler(in) – wäre das eine Vision?

Maiwald: Ich will reisen. Helfen und reisen, das macht mir Freude. Und die Welt zu sehen, ja, das ist mein Lebensziel.
Stahn: Der Jugendrat hat mich echt geprägt. Und ja, in die Politik zu gehen, dazu hätte ich wirklich Lust.

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