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Interview mit zwei Seilbahnprojekt-Kritikern
"Mit Koblenz nicht vergleichbar"

Interview mit zwei Seilbahnprojekt-Kritikern: "Mit Koblenz nicht vergleichbar"
Ralf Geisendörfer und Kai Koslowski von der „Initiative seilbahnfreies Wuppertal“. Nach dem Gespräch in den Rundschau-Räumen am Johannisberg konnten sie einen idealen Blick auf den Trassenverlauf nehmen – sie würde fast exakt über den beiden Köpfen verlaufen. FOTO: Rundschau
Wuppertal. Vor der Sommerpause hat der Stadtrat die Planungen für eine Seilbahn zu den Südhöhen zunächst einmal durchgewunken. Doch die Kritiker des Projekts geben nicht auf. Hendrik Walder sprach mit Ralf Geisendörfer und Kai Koslowski von der "Initiative Seilbahnfreies Wuppertal".

Rundschau: Was gibt Ihnen denn Hoffnung, die Seilbahn verhindern zu können?

Koslowski: Die Abstimmung im Rat brachte eine Mehrheit von nur 34:25 Stimmen. Kann man da von einhelliger Begeisterung für das Projekt sprechen? Wohl eher nicht..

Geisendörfer: Und sie war nicht geheim – mir sind aber bei der "GroKo" einige Ratsmitglieder bekannt, die sehr große Bauchschmerzen bei dem Thema haben und sich nur der Fraktionsdisziplin gebeugt haben.

Rundschau: Inhaltlich birgt Ihre Kritik aber eigentlich keine neuen Elemente?

Koslowski: Die Voraussetzungen haben sich ja auch nicht geändert. Nach wie vor ist der Ansatz verkehrt: Die Ursprungsidee war ja, die Uni mit einer Seilbahn anzubinden. Doch weil die nicht gefördert und finanziert würde, ist die Verlängerung nach Küllenhahn erfunden worden. Die aber ist überflüssig und würde mit gravierenden Einschränkungen im normalen Busverkehr eingekauft werden müssen.

Geisendörfer: Außerdem halten weder die aktuellen noch die der zu erwartenden Fahrgastzahlen einer Überprüfung stand.

Rundschau: Die sind aber doch von unabhängigen Instituten erhoben worden?

Koslowski: Aber wer weiß schon unter welchen Bedingungen und zu welchen Zeiten? Uns hat man diese Informationen jedenfalls vorenthalten. Schließlich ist die Zahl der Studenten, die montags morgens zu Semesterbeginn vom Bahnhof zur Uni wollen, eine andere, als die am Freitag Nachmittag in den Semesterferien. Die Seilbahn aber fährt durch.

Geisendörfer: Außerdem sind die Busse in keiner Weise überlastet. Die Gutachter der WSW haben an einem "normalen" Tag 3.500 Buseinstiege zur Uni und 3.000 Einstiege von der Uni ins Tal gezählt. Das können die Busse gut bewältigen, zumal sie fast die ganze Strecke eine eigene Spur haben.

Rundschau: Es gab politische Kräfte, die sprachen sich für einen Ratsbürgerentscheid zu diesem wichtigen Thema aus. Hätten Sie den auch befürwortet?

Geisendörfer: Nein, das sind Fragen, die nicht emotional beantwortet werden sollten, sondern nach seriösen fachlichen Erhebungen von der Politik. Für solche Entscheide haben wir unsere gewählten Parlamente, zu denen übrigens auch die Bezirksvertretungen gehören. Bei der BV Cronenberg ist der Grundsatzbeschluss deutlich abgelehnt worden. Das hat die Ratsmehrheit bislang aber nicht beeindruckt.

Koslowski: Wir haben unsere Argumente auch beim Hahnerberger Bürgerverein in einem proppenvollen Saal vorgestellt – dort war die Stimmung ganz schön aufgeheizt und ebenso dagegen.

Rundschau: Das aufwändig erstellte Bürgergutachten sprach sich aber dafür aus.

Koslowski: Ja, aber der Zeitpunkt für dieses Instrument war eine Frechheit – damals gab es noch keine belastbare Kostenberechnung.

Geisendörfer: Dabei ist die Kostenfrage doch entscheidend. Soll sich eine der am höchsten verschuldeten Städte tatsächlich einem solchen finanziellen Abenteuer aussetzen, nur um eine "charmante Idee", wie die WSW es nennen, zu verwirklichen?

Rundschau: Die Koblenzer sind ganz glücklich mit ihrer Seilbahn.

Koslowski: Aber unter völlig anderen Bedingungen. Sie führt über das Deutsche Eck, den Zusammenfluss von Mosel und Rhein hinauf auf die Festung Ehrenbreitstein – zwei absolute touristische Highlights. Das ist überhaupt nicht zu vergleichen.

Geisendörfer: Außerdem kostet dort eine Einzelfahrt 7,20 Euro, Studenten zahlen 4,40 Euro – in Wuppertal wäre die Fahrt in den üblichen Abo-Konditionen mitenthalten. Da gibt es keine zusätzlichen Einnahmen.

Rundschau: Glauben Sie, die Politik noch umstimmen zu können?

Geisendörfer: Wir sind ja immer im Gespräch mit den Parteien. Neulich waren wir bei der CDU. Zu Anfang habe ich denen gesagt, eigentlich bräuchten wir gar nicht mehr zu diskutieren, wir hätten nämlich das Grundstück für die Talstation gekauft. Was meinen Sie, wie die geguckt haben... (lacht ausdauernd)