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Gespräch zum Welt-Aids-Tag
„HIV ist wie Diabetes“

Gespräch zum Welt-Aids-Tag: „HIV ist wie Diabetes“
Symbolfoto. FOTO: Rundschau
Wuppertal. "Ich bin HIV-positiv, habt ihr Fragen?" Ein Gespräch mit Manfred S.* zum Welt-Aids-Tag. Mitte der 1980er Jahre infizierte er sich mit dem Virus. Von Hannah Florian

Ende der 1990er Jahre fing es plötzlich an. Manfred S. wurde krank. Er bekam Durchfall, hatte Entzündungen im ganzen Körper. Die Ärzte tippten auf eine Tropenkrankheit. Kurz zuvor war Manfred S. in Indien gewesen. Dann folgten Lähmungen, Hautausschlag und schließlich ein HIV-Test. Das Ergebnis: positiv. Der Immunstatus: sehr schlecht.

"Im ersten Moment dachte ich, ich hätte nur noch ein halbes Jahr zu leben", sagt Manfred S. Er wurde in ein Krankenhaus in Köln gebracht. Die Behandlung begann sofort, nach einen viertel Jahr ging es ihm besser.
Das ist fast 18 Jahre her. Mittlerweile ist Manfred S. 67 Jahre alt. Morgens und abends muss er Medikamente nehmen, die darf er nicht vergessen. Abgesehen davon führt er ein ganz normales Leben.

Eigentlich war Aids für den Wuppertaler nichts Unbekanntes. In seinem Umfeld gab es einige, die daran gestorben sind. Aber das war in den Achtzigern. Manfred S. war sich sicher, dass alle, die sich damals infiziert hatten, mittlerweile nicht mehr am Leben seien. Dass er einer von ihnen ist, hätte er nicht gedacht. Jahrelang hatte die Krankheit ohne Symptome in ihm geschlummert. "Das ist das Tückische", sagt er. "Es ging mir jahrelang gut – und plötzlich brach es aus. Ich hatte neurologische Ausfälle, darunter leide ich noch heute. Einige Stellen an meinen Beinen sind gefühllos."

Geheim hielt er seine Erkrankung nicht. Allen Freunden, die ihn damals im Krankenhaus besuchten, erzählte er davon. Die Reaktionen waren unterschiedlich. "Einige taten so, als hätte ich Krebs im Endstadium", erzählt Manfred S. Nicht sie trösteten ihn, sondern der HIV-Infizierte tröstete seine Freunde.

HIV ist wie Diabetes. So sieht es zumindest Manfred S. Wie ein Diabeteskranker muss er regelmäßig Medikamente einnehmen, damit es ihm gut geht. Abgesehen davon lebt er wie jeder andere auch, trifft sich mit Freunden und übte einen Beruf aus.

Mittlerweile ist der Wuppertaler Rentner. In seiner freien Zeit engagiert er sich in der Aids-Hilfe. "Ich bin HIV-positiv, habt ihr Fragen?", mit diesen Worten stellt er sich vor Wuppertaler Schulklassen und hilft zu verstehen, wie es ist, mit einer HIV-Infektion zu leben.

Mit 67 Jahren hat er genug Selbstbewusstsein gesammelt, um offen über seine Krankheit zu sprechen. Viele HIV-Patienten trauen sich das nicht. Aids ist nach wie vor etwas Unbekanntes, das Angst einflößt. "Dabei führen HIV-Infizierte oft ein ganz normales Leben." Sorgen macht Manfred S. aber, dass immer noch sehr viele Menschen selbst nicht wissen, dass sie mit HIV infiziert sind. Welche Folgen eine zu spät begonnene Therapie haben kann, sieht der Wuppertaler an seinen gefühllosen Beinen. Er wünscht sich deshalb, dass gerade Hausärzte genau wie auf die Grippe-Impfung auch auf regelmäßige Aids-Tests

*Manfred S. ist nicht der richtige Name unseres Gesprächspartners. Obwohl er offen mit seiner HIV-Infektion umgeht, möchte der Wuppertaler selbst entscheiden können, wem er davon erzählt.
Die Wuppertaler AIDS-Hilfe hat für alle Fragen stets ein offenes Ohr: montags, dienstags und donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr und 14 bis 16 Uhr in der Simonsstraße 26, ansonsten unter Telefon 45 00 03.

 

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