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Interview: Ralf Engel zur Situation des Einzelhandels in der Elberfelder City
FOC: "Wir stochern völlig im Nebel"

Interview: Ralf Engel zur Situation des Einzelhandels in der Elberfelder City: FOC: "Wir stochern völlig im Nebel"
Ralf Engel, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands ist davon überzeugt, dass die Unsicherheit über die Zukunft des Factory-Outlet-Centers in der Bundesbahndirektion die Nachvermietung in der Elberfelder City lähmt. FOTO: Max Höllwarth
Wuppertal. Handel ist Wandel. Aber was sich derzeit in Elberfeld tut, überschreitet das Maß der Dinge ein wenig. Rundschau-Redaktionsleiter Hendrik Walder sprach mit Einzelhandelsverbands-Geschäftsführer Engel darüber, ob die B7-Sperrung auf Dauer für die City doch nicht zu verkraften ist.

Rundschau: Roland-Schuhe macht zu, Esprit daneben auch, das Lokal "Viermahl" hat geschlossen, Sickendieck ebenfalls, Landmarken am Wall tut sich schwer mit der Vermietung der unteren Etage. Sind das alles Spätfolgen der Döppersberg-Sperrung?

Engel: Ich glaube nicht. Die Sperrung war zwar kommunikativ schlecht vorbereitet. Und sie hat erkennbar zu einem Frequenzabfall in der Innenstadt geführt. Aber sie ist nicht die Ursache für die gegenwärtige Lage.

Rundschau: Man hat den Eindruck, viele potenzielle Mieter zögern, solange der Döppersberg noch nicht fertig ist?

Engel: Ja, viele warten momentan. Nach meiner Beobachtung aber vor allem darauf, was mit der Bundesbahndirektion passiert. Kommt das Outlet-Center dort hinein, und wenn ja, wann?

Rundschau: Und mit welchem Sortiment?

Engel: Das ist allerdings der Knackpunkt für viele. Dass die Politik möchte, dass das Outlet kommt, ist ja klar erkennbar. Aber der Handel in der City fragt sich, mit welchen Marken? Wird es Überschneidungen mit meinem Angebot geben? Wird nur Kleidung verkauft, die tatsächlich älter als ein Jahr ist, oder gibt es eigens für das Outlet produzierte Ware?

Rundschau: Das muss man dann sehen, denn beeinflussen kann man das doch nicht?

Engel: Oh doch! Man könnte so etwas detailliert in der Baugenehmigung festschreiben. Aber man hört ja überhaupt nichts. Wir stochern vollkommen im Nebel. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird bürgerbeteiligt. Aber der Handel wird völlig außen vor gelassen.

Rundschau: Das ist bei solchen Projekten mit privaten Partnern aber auch nicht anders zu lösen.

Engel: Das geht durchaus. In Lennep finden regelmäßige Treffen, sogar gemeinsame Workshops mit dem geplanten Outlet-Betreiber McArthurGlen statt. Man tauscht sich ständig aus, doch in Wuppertal haben wir seit über einem Jahr nichts mehr gehört. Ist ROS überhaupt noch der geplante Betreiber? Was hat er dort vor? Wir haben keinerlei Kontakt und, wie gesagt, wir stochern vollkommen im Nebel.

Rundschau: Und jetzt führt diese Konstellation dazu, dass nichts passiert, solange keine Klarheit über die FOC-Zukunft herrscht?

Engel: Nein, das darf es nicht. Es gibt die "Qualitätsoffensive 2025" mit Überlegungen zur Zukunft der City. Es muss etwas geschehen, denn neben den lokalen Problemen gibt es ja auch noch bundesweite Auswirkungen durch den Online-handel.

Rundschau: Wie kann denn ein Modell für die Zukunft aussehen?

Engel: Ich persönlich stelle mir eine funktionierende City der Zukunft als ein lebendiges Gebilde von Handel, Kultur und Gastronomie vor, das möglicherweise auch die Industrie mit einbezieht. Wir haben im Bergischen viele mittelständische Produzenten, die ihre Artikel durchaus in Innenstadtlagen attraktiv präsentieren könnten. Die bieten teilweise schon Werks- und Onlineverkäufe an. Was jedoch fehlt, sind Innenstadtkonzepte für diese Unternehmen.