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Verfilmung des Jochen-Rausch-Romans
Ende anders – trotzdem stark

Verfilmung des Jochen-Rausch-Romans: Ende anders – trotzdem stark
Sein Gesicht prägt „Fremder Feind“ von Rick Ostermann: Ulrich Matthes als Arnold Stein. FOTO: WDR
Wuppertal. In der ARD lief "Fremder Feind", die Rick-Ostermann-Verfilmung des (Wuppertaler) Jochen-Rausch-Romanes "Krieg". Von Stefan Seitz

Als ich 2013 "Krieg" aus der Feder des Wuppertalers Jochen Rausch für die Rundschau rezensiert habe, war mir gleich klar: Das ist Filmstoff.

Jetzt hat Regisseur Rick Ostermann einen starken, stillen, intensiven 90-Minüter daraus gemacht, der wie das Buch ganz extrem von seiner Hauptperson lebt. Ulrich Matthes spielt Arnold Stein, der alles verliert – Sohn, Frau, fast auch sich selbst – und in den tief verschneiten Bergen gegen einen gesichtslosen, mit einem Bolzenschussgerät bewaffneten Feind kämpfen muss.

Der Film lebt fast ausschließlich von Matthes' wie expressionistisch aus Holz geschnitztem Gesicht, seinen atemberaubenden Augen und Blicken. So wortkarg wie Jochen Rauschs großartiger Text ist auch Matthes als Schauspieler. Idealbesetzung nennt man das. Barbara Auer als seine Frau gerät da fast in den Hintergrund. Großartig gelöst die Szene, als die Eltern vom Soldatentod des Sohnes in Afghanistan erfahren: Man sieht nur Vater, Mutter, Pfarrer und Bundeswehroffizier, man hört kein Wort – nur klassische Musik. Welch einen tränendrüsigen Dreck hätte ein US-Filmer, dessen Machwerk dann im Pay- oder Privat-TV gelaufen wäre, aus dieser Situation gemacht...

Ulrich Matthes mit Barbara Auer. FOTO: Schiwago Film

Rick Ostermann hat seinem Film einen anderen Namen gegeben als Jochen Rausch seinem Buch. Mit gutem Grund: Sowohl die "Liebes"-Geschichte in den Bergen, als auch das Schicksal des für diese Story wichtigen Hundes sowie das des unbekannten Bolzenschützen – und das ganze Ende überhaupt – sie alle sind nicht das, was der "Krieg"-Leser (schon) kennt. Rausch geht da einerseits mit viel mehr Herz, andererseits mit viel mehr Brutalität zur Sache als der Film es sich zutraut.

Wenn ich Jochen Rausch wäre, wäre ich deswegen ein bisschen sauer. Aber ich bin ja nicht Jochen Rausch. Und ein starkes Stück deutscher Fernseh-Kunst ist "Fremder Feind" auf jeden Fall.

In der ARD-Mediathek suchen oder auf eine Wiederholung warten. Lohnt sich! Ansonsten das Rausch-Buch kaufen. Lohnt sich noch mehr!