| 00.00 Uhr

Wuppertaler Start-Up
E-Bike-Sharing: "Bisher macht das keiner"

Wuppertaler Start-Up: E-Bike-Sharing: "Bisher macht das keiner"
Hannah Jensen und Tobias Lochen möchten mit ihrem Start up, der sigo GmbH, mit Fahrrad-Sharing von E-Lastenrädern und E-Bikes das Transport- und Mobilitätsverhalten der Wuppertaler verändern. FOTO: sigo
Wuppertal. In Wuppertal geht im Sommer ein Pilotprojekt für E-Bike-Sharing an den Start, das bundesweiten Vorbildcharakter haben könnte. Ziel: Ein stadtweites Netz von Ausleih-Stationen für E-Fahrräder – und vor allem von E-Lastenräder. Das Ganze soll in Zukunft genauso funktionieren wie das längst etablierte Car-Sharing. Von Stefan Seitz

Hannah Jensen (25) und Tobias Lochen (31) sind beide als Studenten aus Siegen nach Wuppertal gekommen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und der Unternehmensgründungs-Experte haben schnell festgestellt, dass beide Städte einige Ähnlichkeiten haben: Eine Uni auf dem Berg, (zu) volle Busse sowie viele Höhen und Täler.

Worum geht's? Das E-Bike als echte Alternative zum Auto zu etablieren – und ein E-Lastenrad anzubieten, das eines Tages zum echten Alltagsgegenstand, nicht nur fürs Immer-mal-wieder-etwas-Transportieren genutzt wird. So wie früher ein Kombi "nur" ein Lastesel war, heute aber ein stylisches Auto ist.

Hannah Jensen und Tobias Lochen mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Mitte) bei der Aufnahme von sigo ins Start-up-Zentrum HOLM (House of Logistics and Mobility) in Frankfurt. FOTO: HOLM

Hannah Jensen und Tobias Lochen haben ihr Start up sigo GmbH genannt, zwei bundesweite Projektförderungen dafür bekommen – und können sich jetzt in Vollzeit auf die Zukunft konzentrieren. Ein erstes Investment bekamen sie von einem Wuppertaler Unternehmer, der das E-Bike-Sharing-Duo tatkräftig unterstützt. Gemeinsam mit einem deutschen Hersteller werden zurzeit ein spezielles E-Bike und ein ebensolches E-Lastenrad entwickelt, die beide die besonderen Voraussetzungen erfüllen, um tatsächlich tauglich fürs Bike-Sharing zu sein.

Gefragt sind Robustheit, Vandalismussicherheit und Leistungsstärke. Beim sigo-E-Bike wird der Akku diebstahlsicher im Rahmen untergebracht sein, beim E-Lastenrad unter dem Transportkasten. Aufwändige Displays, die oft gestohlen werden, soll es bei diesen Sharing-Bikes nicht geben.

Hannah Jensen: "Bei Nutzerbefragungen haben wir festgestellt, dass unterschiedliche Leistungsstufen gar nicht gebraucht werden. Bei unseren Rädern wird die volle Power sofort zur Verfügung stehen. Außer der Schaltung muss man sonst nichts berücksichtigen." Außerdem wird es starke (und diebstahlsichere) Bremsen sowie (das hat Seltenheitswert!) Rückbremslichter geben.

Die Zielgruppe ist eigentlich jeder denkbare Nutzer: Darum werden die sigo-Bikes zahlreiche Höhenverstellbarkeitsmöglichkeiten haben.
Der erste Pilotprojektschritt, der im Sommer geplant ist, sind zwei oder drei Stationen in Wuppertal. Sie werden voraussichtlich auf Privatgelände installiert, haben umgekehrt u-förmige Bügel, in die das Hinterrad eingeklinkt und verschlossen wird. Die Bügel sind ans Stromnetz gekoppelt, so dass der Akku sofort aufgeladen werden kann.

Die ersten Stationen werden nur E-Lastenräder bieten, denn für Hannah Jensen und Tobias Lochen geht es um die Frage, ob diese Räder (deren Kasten nicht zu groß sein wird, um das Fahren zu erleichtern) ganz selbstverständlich auch für normale Radfahrten und Radfahrer interessant sein können. Die Vision der Gründer für Wuppertal ist, immer etwa alle 300 Meter E-Bikes beziehungsweise E-Lastenräder bereitzustellen. Zum Vergleich: Mainz, wo es schon ein Normalfahrrad-Sharing gibt, hat gleich 700 Fahrräder angeschafft.

Wie funktioniert das Ausleihen? Per App oder Kundenkarte. Ein Schloss für unterwegs ist am Bike installiert. Kosten: 4,50 Euro für 90 Minuten, danach wird pro Stunde abgerechnet. Ein Tagesticket soll 25 Euro kosten. In Sachen Wartung, Pflege und Reparaturen ist geplant, mit lokalen Fahrradhändlern zu kooperieren. Schäden können von den Sharing-Kunden per App gemeldet werden

Fest steht für die sigo-Erfinder: Sie wollen ihr Start up ohne Subventionen ans Laufen bekommen – und in den "echten" Alltag der Menschen vordringen, um hier das regelmäßige Mobilitätsverhalten grundlegend zu verändern.

Hannah Jensen: "Wir planen von Jahr zu Jahr, sind sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Die Kombination des Sharings von E-Lastenrädern und E-Bikes jedenfalls ist bundesweit einmalig. Bisher macht das keiner."