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"Wiedergeburt" der Kirche in Laaken
Die wachsende Gemeinde

"Wiedergeburt" der Kirche in Laaken: Die wachsende Gemeinde
Jiryis Arraf und Hilin Prick kümmern sich um die neue Gemeinde in Sankt Petrus. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. In einer Kirche findet seit drei Jahren wieder ein Gottesdienst statt. Die Sprache: Arabisch.

Es gab eine Zeit, da schien es so, als ob in Sankt Petrus nie wieder ein Gottesdienst gefeiert werden würde. Dabei hatte die katholische Kirche in Laaken schon einmal schwere Zeiten überlebt. In den 1970ern rutschte der Hang, auf dem St. Petrus steht, zur Straße ab. Damals errichtete man einen Neubau, der sich an den über 100 Jahre alten Kirchturm schmiegt. Aber was hilft gegen eine schrumpfende Gemeinde? Drei Jahre blieben die Glocken still.

In diesem Jahr wurden die Kerzen wieder entzündet. Die Kirche hat eine neue Gemeinde gefunden, die auf Arabisch Gottesdienst feiert und für die ihr Schutzpatron Sankt Petrus endlich wieder Fels sein kann.

In den Bänken sitzen Christen aus dem Iran, Irak aus Syrien – und mindestens ein Christ aus Israel. Jiryis Arraf lebt seit über 30 Jahren in Wuppertal und hat mit Unterstützung von Stadtdechant Dr. Bruno Kurth die erste arabisch- christliche Gemeinde in Wuppertal ins Leben gerufen. Zu den ersten Gottesdiensten kamen rund 50 Gläubige. Mittlerweile sind es über 150 Menschen geworden, die der byzantinischen Liturgie lauschen. "Wobei bei uns die Gemeinde lebendiger Teil des Gottesdienst ist", erzählt der Israeli. Die Menschen knien vor dem Altar nieder, um Gott lobzupreisen, und schreiten mit brennenden Kerzen in einer Prozession durch den Raum.

Stimmungsvoll und fröhlich beschreibt Roland Penk die Messe, an der er seit Einzug der arabischen Gemeinde sein Herz verloren hat. "Mir gefällt diese Art, Gott zu feiern, unheimlich gut", sagt der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende, der die arabischen Christen von Beginn an unterstützt.

Nach dem Gottesdienst geht die Gemeinde nicht auseinander. Jiryis Arraf und seine Lebensgefährtin Hilin Prick leisten dann ganz praktische Lebenshilfe. "Wir sitzen zusammen und sprechen über den Alltag. Arztbesuche, Wohnungssuche, Behördengänge – das beschäftigt unsere neuen Gemeindemitglieder, die oft erst im vergangenen Jahr nach Deutschland geflohen sind", sagt die Irakerin, die seit einem halben Jahr für die katholische Kirche offiziell als Integrationshelferin arbeitet. Ist es die Gemeinschaft oder die Kirche, die die Menschen anzieht? "Beides", sagt Jiryis Arraf, "das ist das Schöne an Gott."

An Heiligabend wird kein Licht in Sankt Petrus brennen. Die arabischen Christen verteilen sich dann auf die Gemeinden im ganzen Stadtgebiet, um dort jeder für sich für den wohl sehnlichsten Weihnachtswunsch zu beten. "Dass der Krieg aufhört", sagt der Christ aus Israel. "Und wir alle in Frieden miteinander leben."

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