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Interview: Der Wuppertaler Winterdienst und seine Aufgaben
"Bei Blitzeis rutschen auch wir"

Interview: Der Wuppertaler Winterdienst und seine Aufgaben: "Bei Blitzeis rutschen auch wir"
Carsten Melech vor dem (noch) riesigen Wuppertaler Salzberg. FOTO: Max Höllwarth
Wuppertal. Am Montagmorgen hatte der Wuppertaler Winterdienst seine erste große Bewährungsprobe, die er bestand. Verantwortlich dafür, dass alles reibungslos läuft, ist Carsten Melech vom Eigenbetrieb Straßenreinigung Wuppertal (ESW). Mit ihm sprach Rundschau-Redakteurin Sabina Bartholomä.

Rundschau: Wie bereitet man sich auf so eine Wetterlage vor?

Melech: Wir haben einen Wetterdienst abonniert, der uns ständig darüber informiert, was in den nächsten Stunden kommt, wichtig sind dabei auch immer die Temperaturen, um Glatteis vorauszusehen. Die Trefferquote unseres Wetterdienstes ist sehr hoch. Am Mittag entschieden wir, ob die Mannschaft in Bereitschaft versetzt wird. Können wir die Wetterlage im Vorfeld gut einschätzen, beginnt der Winterdienst um 3.30 Uhr.

Rundschau: Was bedeutet Bereitschaft konkret?

Melech: Unsere Mitarbeiter können regulär nach Hause gehen und werden im Ernstfall angerufen. Innerhalb von 30 Minuten sind sie hier und gehen dann auf Tour. Eine Nachtschicht ist jedoch immer hier. Nach Feuerwehreinsätzen bei Minusgraden zum Beispiel sind wir auch gefragt.

Rundschau: Wie viele Fahrzeuge sind dann im Einsatz?

Melech: Wenn die gesamte Flotte ausfährt, sind 45 Streufahrzeuge draußen, dazu kommen der Gehwegwinterdienst und die Handkolonnen.

Rundschau: Welche Ecken der Stadt sind besonders gefährlich?

Melech: Ringelbusch, Markland, Cronenberger- und Ravensberger Straße, Dellbusch und Eckbusch.

Rundschau: Hat jeder Fahrer seine feste Tour?

Melech: Ja, alle kennen ihre Fahrstrecken. Zuerst kommen die Hauptstraßen und die Zufahrten zu den Krankenhäusern dran, dann das Liniennetz der WSW, mit denen wir ständig in Verbindung stehen. Besonders die Bergstrecken sind für die Gelenkbusse kritisch. Da muss oft zweimal geräumt und gestreut werden. Anschließend geht's in die Nebenstraßen.

Rundschau: Wie sieht es mit den Ausfallstraßen aus?

Melech: Dafür ist der Straßenbetrieb NRW verantwortlich, aber die konzentrieren sich natürlich zuerst auf die Autobahnen, so dass die Ausfallstraßen manchmal etwas zu kurz kommen. Aber wir sind auf einem guten Weg, gemeinsam eine Lösung zu finden. Einige Bereiche, wie etwa den Aprather Weg oder die Kohlfurth, streuen wir schon jetzt regelmäßig..

Rundschau: Wird erst gestreut, wenn das Eis da ist?

Melech: Nein, wir haben sehr gute Erfahrung mit der Präventivstreuung gemacht. Dann fahren wir abends raus, können so die Bildung von Blitzeis verhindern.

Rundschau: Wie hoch ist die Salzmenge, die auf die Straße kommt?

Melech: Jeder Wagen kann 4 bis 5 Tonnen Streusalz laden, je nach Dicke der Eis- oder Schneeschicht streuen wir 10 bis 15 Gramm pro Quadratmeter auf. Das kann man genau regulieren.

Rundschau: Sie streuen Salz, Privathaushalte dürfen das nicht. Gibt es eine echte Alternative zum Salz?

Melech: Meiner Meinung nach nicht. Auf den Gehwegen verwenden wir kein Salz, sondern Granulat, aber an gefährlichen Stellen wie Treppen oder Steigungen bringen wir auch Salz zum Einsatz. Außerdem muss Granulat im Frühjahr aufwendig entsorgt werden.

Rundschau: Was sind die größten Probleme beim Einsatz?

Melech: Bei Blitzeis rutschen auch wir. Und ungeduldige Autofahrer, die vorbei wollen. Aber wir dürfen nicht schneller fahren, denn sonst wird die vorgegebene Fläche nicht ordentlich abgestreut. Kummer bereiten uns auch immer wieder zugeparkte Straßen, wenn wir nicht durchkommen.

Rundschau: Sind im Winterdienst nur Herren im Einsatz?

Melech: Momentan sitzen nur Männer am Steuer. Der Grund dafür ist einfach: Wir haben keine Sozialräume für Frauen. Aber das wird sich ändern, denn wir bauen gerade an. Klar, dass dann auch das weibliche Geschlecht zum Zuge kommt.