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Zukunft
Architekten entwickeln hölzerne Wohnheime

Zukunft: Architekten entwickeln hölzerne Wohnheime
Stephan auf der Brücken und seine Mitarbeiter Niclas Engelen und Tebessa Uebel sind sicher: „Ein Studierendenwohnheim aus natürlichem Baustoff, energieeffizient und geplant von ehemaligen Wuppertaler Studenten – das wär’s!“ Das Modell hängt schon an der Wand im Hintergrund. FOTO: Anna Woznicki
Wuppertal. Alles andere als auf dem Holzweg sind drei junge Architekten, die ein spektakuläres Projekt gegen die studentische Wohnungsnot an den Start bringen wollen. Und dafür "nur noch" einen Sponsor brauchen. Von Anna Woznicki

22.000 Studenten zählt die Wuppertaler Uni momentan. Dem gegenüber stehen 1.100 Wohnplätze. "Viel zu wenig", sagt nicht nur Architekt Stephan auf der Brücken. "Immerhin sind es 8.000 Studierende mehr als noch vor zehn Jahren." Der 35-Jährige weiß, wovon er spricht. Bis vor einigen Jahren war er selbst Student der Bergischen Universität, seit 2015 hat er sein eigenes Architekturbüro und eine Assistenzstelle an der Hochschule. "Ich selbst hatte Glück, weil ich mich damals nicht um eine Wohnung bemühen musste. Aber bei meinen Kommilitonen habe ich das natürlich mitbekommen: Guter und günstiger Wohnraum fehlt!"

Sein Beitrag: Ein Studierendenwohnheim in Holzmodulbauweise, das sich in nur wenigen Tagen realisieren lässt. Ein Jahr plant das junge Wuppertaler Architekturbüro bereits an dem Forschungsprojekt und arbeitet dabei mit interdisziplinären Partnern wie dem Hochschulsozialwerk der Universität, dem Fachbereich Architektur und der Stadtsparkasse zusammen. Das Besondere dabei: Die präzise Vorfertigung bis in den Millimeterbereich garantiert einen schnellen, unkomplizierten und vor allen Dingen vorhersehbaren Bauprozess.
Die insgesamt 14 Holzteile sollen, einmal aufgebaut, Platz für 34 Studenten bieten. Der viergeschossige Holzkomplex beinhaltet Fünfer- und Zweier-WGs sowie Einzelappartements.

Alle lichtdurchflutet mit bodentiefen Fenstern. Ein Grundstück ist schon reserviert. Was jetzt noch fehlt? "Wir sind immer noch auf der Suche nach einem Investor für dieses innovative Projekt", so Stephan auf der Brücken. "Die Vorteile für den Investor liegen auf der Hand: Es gibt keine vagen Kosten. Keine Lieferung, die nicht ankommt, kein Handwerksunternehmen, das insolvent geht, keine Verzögerungen. Alles ist detailliert geplant und kann innerhalb von drei Wochen komplett realisiert werden. Die Wände werden mit allen Leitungen an Ort und Stelle hochgezogen. "Dazu kommt noch, dass das Gebäude ein Null-Energie-Gebäude ist", Stephan von der Brücken ist voller Überzeugung und Leidenschaft. "An der jetzigen Wohnsituation muss einfach etwas getan werden!"

Tatsächlich hat der Wohnraumservice der Uni Wuppertal aktuell 354 Bewerber auf der Liste, die bisher noch keine Wohnung haben. "Die noch alle unterzubringen zu können, bevor das Semester anfängt, ist ziemlich unwahrscheinlich", so Stephanie Rapperdecker vom Wohnraumservice. Das Hochschul-Sozialwerk Wuppertal unterhält derzeit vier Wohnheime auf dem Campus. In einem neu geplanten Wohnprojekt des Hochschulsozialwerks an der Fuhlrottstraße entstehen insgesamt fünf Gebäude mit Platz für 132 Studierende.

2,5 Millionen Euro müsste ein Investor für die Verwirklichung des Projekts in die Hand nehmen. Dazu bekommt er ein Gesamtpaket und die Aussicht auf fünf Prozent Rendite. Stephan auf der Brücken "Wir haben wirklich alles durchdacht. Wir haben die ganzen Förderprogramme durchwühlt und evaluiert, wie Studenten wirklich wohnen möchten. Die große Mehrheit möchte beispielsweise ein möbliertes Zimmer vorfinden. Wir haben uns schlau gemacht, wie es in Sachen Internetverträgen und Müllgebühren bei oftmals Kurzzeitwohnern aussieht." Sein absoluter Traum: "Es könnte ein Prototyp werden für viele Studierendenhäuser dieser Art. Wuppertal könnte erst der Anfang sein..."