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Projekt "Sound of the City"
Wuppertal sucht sein ganz eigenes Utopia

Projekt "Sound of the City": Wuppertal sucht sein ganz eigenes Utopia
Anna Luca und Jan Röttger treffen am Eröffnungsabend auf Orchester, Opernsänger und andere Musiker. FOTO: Uwe Stratmann
Wuppertal. Was denn sonst? Wuppertal macht sich auf den Weg zur besten aller möglichen Welten. Das Projekt "Sound of the City" der Wuppertaler Bühnen widmet sich dem sagenumwobenen Ort Utopia und bringt rund 200 Musiker auf die Bühne. Von Nicole Bolz

Es hätte wohl keinen besseren Tag für dieses Pressegespräch geben können. Am frühen Mittwochmorgen stand fest: Donald Trump ist neuer Präsidenten der USA. Und es wird nicht wenige gegeben haben, die sich zu diesem Zeitpunkt genauso einen Ort wie Utopia gewünscht haben. Ein Ort, an dem Probleme durch guten Willen und intelligente Organisation gar nicht erst entstehen.

Um dieses Utopia geht es nämlich in dem Projekt "Sound of the City", zu dem die Oper Wuppertal ab dem 15. November einlädt. Im ersten Teil des auf drei Spielzeiten angelegten Projekts schaut der Berliner Regisseur Thomas Fiedler ("Kommando Himmelfahrt") als Kurator auf Wuppertals musikalische und gesellschaftliche Landschaft und sucht nach einer Verbindung. Er fand sie im Begriff "Utopia". "Als ich in die Stadt kam, stieß ich schnell auf Utopiastadt am Mirker Bahnhof", sagt Fiedler. "Aber auch das Wuppertal Institut feierte sein 25-jähriges Bestehen unter dem Titel ,Making Utopia possible'.

 Utopia überall. Und so entstand die Idee, in Wuppertal eine eigene Sektion des "Bundes der Utopisten" zu gründen, um die Vision einer utopischen Stadt entstehen zu lassen. In Gesprächen und mit Musik spürt die Reihe den utopischen Gedanken in Wuppertal nach, stellt sie in vier Veranstaltungen im November und weiteren Terminen im Mai 2017 vor und hält Momente davon auf einer Goldenen Schallplatte fest. Dieses musikalische und programmatische Selbstporträt Wuppertals soll abschließend als Bewerbung an die Insel Utopia verschickt werden – mit einem Fesselballon. Ähnlich wie die Goldene Schallplatten, die die Voyager Mitte der Siebziger Jahre ins All schickte.

Bei seiner Suche nach Utopia in Wuppertal stieß Thomas Fiedler auf Denker wie Christian Hampe (Utopiastadt) und Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut), fand Urban Gardening und den Thermomix ebenso wie das Kinderwunschzentrum und konnte viele prägende Musiker der Wuppertaler Szene für das Projekt gewinnen. Insgesamt 200 Künstler von Anna Luca und Jan Röttger über Maik Ollhoff, das Improvisations-Ensemble Partita Radicale, der Opernchor, das Sinfonieorchester sowie Opernsängerin Lucia Lukas treffen bei diesem Großereignis aufeinander. Entstehen soll eine farbenreiche musikalische Collage voll fantastischer Ideen und konkreter Pläne – made in Wuppertal.