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Rundschau-Buchvorstellungen
Liebe, Laufen, Mafia

Rundschau-Buchvorstellungen: Liebe, Laufen, Mafia
FOTO: Bergischer Verlag
Wuppertal . Es gibt nichts zu lesen in Wuppertal? Von wegen! Hier sind sieben völlig unterschiedliche Buch-Tipps. Von Stefan Seitz

Als "Kylie Cat" hat Manuela Sanne viele Jahre übers Laufen gebloggt. Nun hat die Wuppertaler (Kinderbuch-)Autorin einige ihrer im Blog veröffentlichten Laufgeschichten als E-Book herausgebracht – unter ihrem Läuferinnen-Pseudonym. Gewidmet ist das Buch all denen, die mit Spaß, Ausdauer und Enthusiasmus weder extrem schnell noch extrem langsam unterwegs sind. Es geht um Volksläufe rund um Wuppertal, Winterlaufserien und Marathon – aber auch ums Haarefärben und Musikhören. Also kein bierernstes Sportbuch, sondern – so der Untertitel – "Laufgeschwätz in 42 Episoden".

"Try running in my shoes" von Kylie Cat, 142 Seiten, als E-Book bei neobooks, 2,49 Euro.
 
Nicht sportlich, sondern verbrecherisch geht's im neuen Wuppertal-Krimi von Wolfgang Voosen zu: Der pensionierter Jurist beschreibt in "Nicht die Zeit zu sterben" menschliche Abgründe. Drei Morde mit Armbrustpfeilen halten die lokale Polizeisonderkommission in Atem, die Presse schwadroniert vom Serien-Killer – und dann führt ein unvollständiger Fingerabdruck zu gleich drei Verdächtigen...

"Nicht die Zeit zu sterben" von Wolfgang Voosen, 248 Seiten, erschienen im Bergischen Verlag, 9,95 Euro.

Gruselig, träumerisch und nachdenklich – so präsentieren sich die 21 Kurzgeschichten, die die junge Wuppertaler Autorin Miriam Schäfer unter dem Titel "Das Fehlen des Flüsterns im Wind – und andere phantastische Kurzgeschichten aus dem Halbdunkel" zusammengefasst hat. Es geht um verschiedene Facetten der Welten zwischen Traum und Wirklichkeit, Licht und Schatten, Wahrheit und Legende.

"Das Fehlen des Flüsterns im Wind" von Miriam Schäfer, 194 Seiten, erschienen im Acabus-Verlag, 12 Euro.

In Remscheid lebt sie, in Wuppertal arbeitet sie – und sie hat die Besteigung des Kilimandscharo geschafft: Sandra Kokot träumte schon seit Jahren von dem mit 5.895 Metern höchsten Berg Afrikas. Im September 2014 war es soweit: Das unvergessliche Erlebnis – inklusive Trainingsberg Mount Meru und anschließender Safari mit einem besonderen Massai-Highlight – inspirierte die Naturliebhaberin zu ihrem ersten Buch.

"Abenteuer Kilimandscharo – Mein afrikanischer Gipfeltraum wurde wahr" von Sandra Kokot, 180 Seiten, 247 Farbfotos, erschienen im Weltenbummel-Verlag, 18,90 Euro.

Wissenschaftlich-politisch wird es in der umfangreichen Untersuchung "Vergessene Opfer. Die NS-Vergangenheit der Wuppertaler Kriminalpolizei": Lieselotte Bhatia und Stephan Stracke haben den zweiten Band ihrer Reihe zur Wuppertaler Polizei- und Widerstandsgeschichte vorgelegt. Im ersten Teil des rekonstruiert Stephan Stracke die NS-Vergangenheit der Wuppertaler Kriminalpolizei. Der zweite Teil des Buches ist der – weiterhin diskriminierten und vergessenen – Opfergruppe der Sinti und Roma gewidmet. Außerdem geht es um das vergessene Burgholz-Massaker, die lokale Gedenkpolitik und die Rückkehr der Täter. Eine intensive, exakte und wichtige Forschungsarbeit.

"Vergessene Opfer. Die NS-Vergangenheit der Wuppertaler Kriminalpolizei" von Lieselotte Bhatia und Stephan Stracke, de Noantri-Verlag, 400 Seiten, 25 Euro.

Schicksalhaft präsentiert sich "Ich schick dir einen Schmetterling", aufgezeichnet nach den Erinnerungen des Wuppertalers Michael Röhrdanz: Hier geht es um wirkliches (Er-)Leben – also ein Tatsachenroman. Röhrdanz, der unter dem Titel "Der Mann der wirklich liebte" mit der tragischen Liebes- und Todesgeschichte seiner Frau Angela (aufgeschrieben von Hera Lind und ein "Spiegel"-Bestseller) bekannt wurde, lässt seinen zweiten Text mit Angelas Tod beginnen und führt seine Leser durch tiefe Täler des Seelenschmerzes, nimmt sie aber auch mit auf den Weg, der ihn aus dieser Dunkelheit wieder herausgeführt hat. Röhrdanz schildert, wie anhand des Engagements für Kinder, die ins Wachkoma gefallen sind, für ihn selbst wieder neuer Lebensmut wuchs.

"Ich schick dir einen Schmetterling" von Michael Röhrdanz, 368 Seiten, erschienen im Romantruhe-Verlag, 9,99 Euro.

Zum Schluss ein wieder einmal ungewöhnlicher Text von Detlef Schmitz: Der in die Lokalgeschichte verliebte Autor hat mit "Tod in der Schwimmoper" sein drittes Buch mit dem Label "Historischer Kriminalroman" auf dem Markt – und mischt erneut Fiktion und Fakten. Hier steht die Zeit der Wuppertaler Italo-Mafia-Fälle in den 70er Jahren im Vordergrund. Es geht um den französischen Wuppertaler Philippe Frédéric de la Bateaux, (s)eine kleine Frauengeschichte und seine Freundschaft mit dem pensionierten Kripo-Kommissar Kurt – sowie einen Mafia-Mord in der Schwimmoper, deren Sauna Philippe und Kurt regelmäßig besuchen. Während der Krimi-Fiktionsteil des Textes plötzlich endet, lässt Schmitz dann anhand zahlreicher Original-Lokalpresseartikel plus mehrerer Zwischentexte den bundesweit beachteten Wuppertaler Mafia-Prozess wieder lebendig werden. Außerdem gibt es eine – ebenfalls mit vielen Presseberichten garnierte – Dokumentation des neunjährigen Kampfes der Wuppertaler Schwimmoper-Bürgerinitiative um den Erhalt des architektonisch einmaligen Gebäudes als Schwimmbad. Was dieses Buch will und was es sein soll, weiß Detlef Schmitz allein. Aber zugegeben: Fesselnd ist es trotzdem.

"Tod in der Schwimmoper" von Detlef Schmitz, 160 Seiten, erschienen mit der ISBN 978–3–9818212–1–5 im Eigenverlag, 14,95 Euro.

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