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Julia Jones wird Nachfolgerin von Toshiyuki Kamioka
Die Frau, die nicht locker lässt

Julia Jones wird Nachfolgerin von Toshiyuki Kamioka: Die Frau, die nicht locker lässt
Julia Jones. FOTO: Maurice Korbel
Wuppertal. Von denen, die zuletzt hoch gehandelt wurden, ist es dann doch keiner geworden. Neuer Generalmusikdirektor – oder vielmehr: Generalmusikdirektorin – soll Julia Jones werden. Die britische Dirigentin tritt ihr neues Amt im Sommer dieses Jahres an. Ihr Vertrag ist zunächst über drei Jahre abgeschlossen und beinhaltet eine Verlängerungsoption. Von Stefan Schmöe

Wegen internationaler Verpflichtungen wird Jones dem Orchester in der kommenden Spielzeit noch nicht in vollem Umfang zur Verfügung stehen können. Sie freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester und wird sich intensiv auf das Programm für die nächsten Jahre gemeinsam mit den Musikern vorbereiten. Ihr Plan ist es, die Historische Stadthalle und das Opernhaus – neben den Sinfoniekonzerten wird sie auch zwei Neuinszenierungen im Opernhaus dirigieren – mit den Musikern und dem Opernintendanten musikalisch zum Strahlen zu bringen

Jones gehörte nicht zu denen, die in "Salome" oder "Madame Butterfly" offiziell vordirigierten, aber eine Unbekannte ist die 1961 geborene Engländerin in Wuppertal keineswegs: Zuletzt hat sie im Februar 2015 ein Konzert mit Musik britischer Komponisten dirigiert.  In der näheren Umgebung konnte man sie im vergangenen Herbst in Gelsenkirchen erleben, wo sie am Musiktheater im Revier ganz fabelhaft Benjamin Brittens "Sommernachtstraum" dirigierte.

Julia Jones bringt große Erfahrung mit nach Wuppertal. Chefdirigentin war sie bereits an der Oper Basel von 1998 bis 2002, wo sie allerdings im Streit mit dem Orchester ziemlich abrupt kündigte. Ursache soll seinerzeit ihr Ärger über die künstlerische Qualität und die aus ihrer Sicht offenbar unzureichende Arbeitsauffassung einzelner Orchestermusiker gewesen sein. Als freie Dirigentin ist sie seitdem an vielen großen Häusern wie Frankfurt, Stuttgart, Hamburg, Dresden, London, Wien und Berlin beschäftigt und hat auch bei den Salzburger Festspielen dirigiert. Ihr Repertoire ist weit gespannt, wobei ein Schwerpunkt auf den Werken Mozarts liegt. Passend dazu hat sie, nach dem am meisten bewunderten Dirigenten gefragt, den (jüngst verstorben) Nikolaus Harnoncourt genannt, einen exzellenten Fachmann für Mozart und alte Musik (und einen peniblen Arbeiter, dem es immer auf jeden Ton ankam).

In einem Interview hat sie jungen Kollegen am Dirigentenpult einmal die Empfehlung gegeben, das Dirigieren in einem Theater von "ganz unten an" zu erlernen – so wie sie selbst es getan hat, als Korrepetitorin, später als Kapellmeisterin in Ulm und Darmstadt. Der (Stadt-)Theaterbetrieb mit seinen ganz eigenen Mühen und Chancen ist also nichts Neues für sie, und das ist sicher nicht die schlechteste Voraussetzung für den Chefposten in Wuppertal.

Einer, der zuletzt intensiv mit Julia Jones zusammengearbeitet hat (nämlich im oben erwähnten Gelsenkirchener "Sommernachtstraum") und gleichzeitig die Wuppertaler Theaterszene bestens kennt, ist der Tenor Cornel Frey. Er war von 2003 bis 2009 bei den Wuppertaler Bühnen beschäftigt, singt inzwischen an der Rheinoper Düsseldorf. Julia Jones als GMD? Da fällt sein Urteil eindeutig aus: "Das wäre für Wuppertal eine tolle Sache."

Die Dirigentin charakterisiert er als jemanden, der ganz klare musikalische Vorstellungen hat – und nicht locker lässt, bis diese auch erreicht sind. Dabei sei sie durchaus streng gegenüber Musikern, aber auf eine freundliche und professionelle Art. Aber nicht nur die Probenarbeit, auch das Dirigat in der Aufführung weiß der Tenor zu schätzen: "Sie trägt mit diesem tollen Klang sozusagen die Sänger auf Händen", schwärmt er von den Gelsenkirchener Aufführungen.

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