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Kommentar zu den Ermittlungen und Reaktionen im Mordfall Springmann
Ronsdorfer Tratsch, BVB und Dieter Nuhr

Kommentar zu den Ermittlungen und Reaktionen im Mordfall Springmann: Ronsdorfer Tratsch, BVB und Dieter Nuhr
Rundschau-Redakteur Jörn Koldehoff. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wäre der Anlass nicht so unendlich traurig, könnte man glatt schmunzeln. In Ronsdorf wird momentan eine Neuinszenierung des Stückes "Tratsch im Treppenhaus" aufgeführt. Nach dem schrecklichen Mord am Unternehmer-Ehepaar Springmann am 20. März kursieren auf den Südhöhen (allerdings nicht nur da) die wildesten Gerüchte. Von Jörn Koldehoff

Jeder weiß etwas und muss es kundtun. Vor allem aber poltern viele Menschen (und auch Medien) inzwischen gegen Polizei und Staatsanwaltschaft. Das ist, gelinde gesagt, frech und unverschämt.

Fakt ist: Gut einen Monat nach dem Doppelmord haben sich beide Behörden am Montag zum ersten Mal geäußert. In einer recht knappen Pressemitteilung, die besagt, dass weder von einem Einbruch noch von Raub auszugehen sei. Die Vorgehensweise ist das gute Recht der Ermittler. Und kann nur zwei Gründe haben: Entweder gibt es noch keine weiteren belastbaren Fakten (ja, manchmal werden Morde leider nie aufgeklärt) oder aber die Ermittlungen sollen eben durch öffentliche Aussagen nicht gefährdet werden. Die gestalten sich zuweilen sehr umfangreich und benötigen Zeit. Nur "Derrick" hatte nach 90 Minuten den Mörder.
Was um Himmels Willen würde denn eine Pressekonferenz bringen, auf der lediglich Wasserstandsmeldungen mit Standardformulierungen wie "Wir arbeiten unter Hochdruck" , "Wir gehen jeder Spur akribisch nach" und "Zu den näheren Umständen möchten wir derzeit nichts sagen" zu hören sind? Würde das das "Sicherheitsgefühl" in Ronsdorf stärken? Natürlich nicht.

Das Gegenteil wäre der Fall: Eine solche Pseudo-Veranstaltung heizt die Spekulationen nur weiter an. Wie beim Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus. Alle in der Tatnacht aufgestellten Theorien – vom IS über Neonazis bis hin zum Leipzig-Fans-Racheakt – sind inzwischen ad acta gelegt. Mal ganz nebenbei: Werden sich diejenigen, die derzeit durch den Tratsch viele Menschen in sehr ehrverletzender Weise der Tat beschuldigen, bei denen entschuldigen, die es nicht waren? Wahrscheinlich nicht.

Fakt ist auch: Polizei und Staatsanwaltschaft in Wuppertal stehen unter einem immensen öffentlichen Druck. Sie wollen und müssen den Mord an dem bekannten Ehepaar, das mit seiner Stiftung viele Künstler unterstützte, aufklären. 
Denn die letzte große Ehre, die man Christa und Enno Springmann erweisen kann, ist, den oder die Mörder der gerechten Strafe zuzuführen. Genau das ist das Anliegen der Behörden. Oder zweifelt wirklich jemand daran? Der Weg dorthin sollte ihnen überlassen bleiben. Bis dahin gilt in dieser überdrehten Zeit der weise, wenn auch zugegebenermaßen derbe Satz des Kabarettisten Dieter Nuhr: "Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten!"
Übrigens: Ich wohne selber in Ronsdorf.

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