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Kommentar zur Finanzierung der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
Eine Investition, die es wert ist

Kommentar zur Finanzierung der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Eine Investition, die es wert ist
Rundschau-Redakteurin Nina Bossy. FOTO: Max Höllwarth
Wuppertal. Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Das sind meist Jungs unter 18 Jahren, meist aus Syrien oder Nordafrika, die wir oft als Gruppen erleben. Riesige Gruppen, die 2015 zu Fuß über die Grenzen nach Deutschland kamen und riesige Gruppen, die aus Zügen in den Münchener Hauptbahnhof strömten. 2017 sehen wir sie oft in den Innenstädten, wieder meist in Gruppen, in denen wir den einzelnen Menschen mit seiner Geschichte, seinem Potenzial, seinen Träumen und Wünschen nicht so ohne weiteres erkennen. 

In Wuppertal leben derzeit 341 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Jeder von ihnen hat einen Vormund, quasi einen Ersatz-Erziehungsberechtigen, erklärt Sozialdezernent Stefan Kühn. Im besten Fall sind das Ehrenamtler, ansonsten Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden oder auch Verwaltungsmitarbeiter. Viele der jungen Leute leben in Jugendwohngruppen – einige wie Mir Alam in Gastfamilien, die den gesetzlich geregelten Pflegesatz und eine Aufwandsentschädigung bekommen. Die "Zeit" schreibt im Februar 2017, ein unbegleiteter Flüchtling kostet 175 Euro am Tag. Laut Kühn bekommt die Stadt Wuppertal nahezu alle Kosten vom Landschaftsverband erstattet. Trotzdem sind es Steuergelder. 

Können wir uns das leisten? Wir müssen! Denn die jungen Flüchtlinge haben gute Bleibeperspektiven. Und es wird sich lohnen, auch für unsere Zukunft. Lösen wir uns von dem Blick auf die Gruppen und dem Schubladendenken. Betrachten wir den Einzelnen. Dann begegnen wir individuellen, jungen Menschen, wie Mir Alam, die zwar aus einer anderen Kultur stammen, aber für ihre Zukunft Tausende Kilometer zurück gelegt haben. Sie sind wissbegierig, wollen arbeiten, ein Teil dieses Landes werden und es verstehen lernen.

Sie werden den Fachkräftemangel sowie den Notstand in der Pflegebranche entschärfen und in die Rentenkasse einzahlen. Damit diese Rechnung so aufgeht, bedarf es nicht nur guten Willens von Seiten der Flüchtlinge. Es bedarf einer offenen Gesellschaft, die Platz macht und bereit ist, die Veränderung anzunehmen. Und es bedarf Menschen wie die Familie Spieß-Rossetto, die einen offenen Geist zeigen und ihr Zuhause öffnen. Hier erlebt Mir Alam die deutsche Kultur täglich, mit all ihren Marotten und Werten. Wenn er die Kumpels trifft, wird er ihnen davon erzählen. Und auch sie werden dann hoffentlich dieses noch so fremde Land besser verstehen lernen.