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Alltagsheld
Michael Felstau: "Das Grün ist mein Thema"

Alltagsheld: Michael Felstau: "Das Grün ist mein Thema"
Mitten im „Inselgarten“ und die Kreuzkirche im Hintergrund – dieses Bild passt ganz ideal zum ehrenamtlichen Engagement von Michael Felstau: Er setzt sich für das Netzwerk „Wuppertals urbane Gärten“ ebenso intensiv ein wie für den Erhalt der Kirche an der Friedrichstraße als Begegnungsort für alle Bürger. FOTO: Wuppertaler Rundschau / Simone Bahrmann
Wuppertal. "Er ist voll berufstätig und mit Familie, und er schafft es trotzdem ehrenamtlich tätig zu sein, als ob er statt acht Stunden täglich nochmal acht Stunden mehr zur Verfügung hätte" – so der Text, mit dem Michael Felstau für unsere Serie "Held des Alltags" vorgeschlagen worden ist. Von Stefan Seitz

Die Bezeichnung "Held" mag der 56-jährige Anwendungsentwickler zwar gar nicht, aber sein Einsatz für viele grüne und/oder nachbarschaftliche Wuppertaler Facetten ist in der Tat beachtlich.

Weyerbuschturm, Botanischer Garten, Förderverein historische Parkanlagen, Bürgerbudget, "Wuppertals urbane Gärten", "Initiativgruppe Kreuzkirche" oder auch der Permakulturhof auf den Südhöhen – das liest sich schon wie mindestens ein Fulltime-Job. Wir treffen Michael Felstau vor der Kreuzkirche an der Friedrichstraße, die heute Diakoniekirche heißt – und zu der auch der "Inselgarten" gehört, einer der insgesamt 17 Gärten, die das Netzwerk "Wuppertals urbane Gärten" bilden.

"Das Grün ist ja mein Thema", sagt Felstau, der das urbane Gärtnern nicht nur als Ausgleich zur Schreibtischarbeit sieht, sondern durchaus auch die politisch-gesellschaftliche Dimension betont, die es hat, wenn Menschen Flächen innerhalb ihrer Stadt eigenverantwortlich gestalten und mit (Nutz-)Pflanzen bebauen.

"Es passiert immer nur das, wofür sich einzelne Leute verantwortlich zeigen", weiß Michael Felstau, für den in Kürze – vom 15. bis 29. April – erneut die aufwändige Koordination der "Aktionswochen Wuppertals urbane Gärten" ansteht. "Unser Garten-Netzwerk hat kein Budget, es geht immer nur so viel, wie die Beteiligten an Zeit, Kraft und Ideen hineinstecken. Meine Aufgabe dabei ist es, Ansprechpartner für interessierte Bürger zu sein, die Website zu pflegen, Pressemitteilungen zu schreiben und vieles mehr."

Zum Thema "Alltag" gehört es für Michael Felstau auch, im Gespräch mit Menschen, die so wie er ein Herz für Urban Gardening haben, neue Flächen zu finden, ihnen Tipps und Hilfestellungen zu geben – Erfahrungen (mit) zu teilen. Und insgesamt gilt es für alle urbanen Gärtner der Stadt, ein demnächst anstehendes Großprojekt zu stemmen: Die Stadt stellt auf der Hardt unterhalb des Botanischen Gartens beachtliche 5.600 Quadratmeter für einen Bürgergarten zur Verfügung – diese Fläche ist deutlich größer als alles, was es bisher in Wuppertal gibt.

Dass Felstau sich außerdem für die Diakoniekirche im Mirker Viertel engagiert, ergab sich in der jüngsten Vergangenheit sozusagen ganz organisch. Die neunköpfige "Initiative Kreuzkirche" entstand, als bekannt wurde, dass die Diakonie das stadtviertelprägende Gotteshaus verkaufen will. Michael Felstau erinnert sich: "Der Verkauf dieses Gebäudes wäre ein Stück Verlust von Heimat gewesen, und so haben wir uns engagiert, um ein Konzept für einen offenen Veranstaltungs- und Begegnungsort auf die Beine zu stellen, der auch durchaus Einnahmen erwirtschaften kann." Die Gespräche über dieses Konzept gehen jetzt in die entscheidende Phase.

Wo nimmt man die Zeit her, die all diese ehrenamtlichen Einsätze brauchen? Michael Felstau lacht: "Ich frage mich auch oft, wie das alles in meinen Alltag hineinpasst. Und meine Frau fragt mich das noch viel öfter! Aber wenn man einmal begonnen hat, sich für etwas zu engagieren, dann mag man es ja auch nicht mehr sein lassen. Denn es macht viel Spaß zu sehen, dass die eigenen Ideen etwas bewirken."

Für Michael Felstau ist sein Einsatz die selbstverständliche Übernahme von bürgerschaftlicher Verantwortung: "Ich kenne meine Ideen am besten, ich stehe dazu, und ich finde, dass diese Art von Engagement immer schon typisch für Wuppertal ist. Viele Menschen, die sich zusammenschließen, können sehr viel schaffen. Politik passiert im Nahbereich der Menschen, da kann jeder ganz viel tun, und die positiven Auswirkungen direkt und live erleben."

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