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Nicaragua
Wuppertaler Bigband berichtet von Freundschaftstour

Nicaragua: Wuppertaler Bigband berichtet von Freundschaftstour
Das TWIN TOWN BLUES ORCHESTRA am Pazifik - Bandleader Chris Mohrhenn (Mitte), rechts und links neben ihm die Musiker von TIERRA MADRE, im Hintergrund KNAPP DANEBEN aus Wuppertal FOTO: Band: KNAPP DANEBEN
Wuppertal. "Diese Tour hat sämtliche Erwartungen übertroffen", schildert Chris Mohrhenn, Bandleader der Wuppertaler Bigband KNAPP DANEBEN, seine Erlebnisse und musikalischen Begegnungen während der Konzertreise seiner Band durch Nicaragua.

Anlass war das 30-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Wuppertal und Matagalpa, das am 22. Oktober mit einer Parade und großem Festakt im städtischen Theater in Matagalpa begangen wurde. Länger als ein Jahr hatten die Vorbereitungen zu dieser Tour gedauert. Schließlich war mit Hilfe des Goethe Instituts, des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW, der Jackstädt Stiftung, privater Spenden und der Beiträge der 40 Mitreisenden die Finanzierung dieses außergewöhnlichen und logistisch aufwendigen Projektes gesichert.

"Friendship First! / Primero la amistad!" lautete das Motto der Reise. Dank der detaillierten Kenntnis und zahlreichen Kontakte des Städtepartnerschaftsvereins Wuppertal-Matagalpa e.V., namentlich seiner Vorsitzenden Ulla Sparrer, war es gelungen, nicaraguanische Musiker in der Partnerstadt zu finden, die bereit waren, sich auf ein musikalisches Experiment einzulassen: In nur zwei Probentagen sollte ein gemeinsames Programm für die anstehenden sieben Konzerte erarbeitet werden. "Bereits nach wenigen Stunden war klar, dass der Plan aufgehen würde", so Chris Mohrhenn. "Die beiden Bands (TIERRA MADRE aus Matagalpa und Jinotega, der Partnerstadt Solingens, und KNAPP DANEBEN aus Wuppertal mit drei Musiker*innen aus Solingen) begegneten sich auf Augenhöhe. Von Auftritt zu Auftritt sind sie tatsächlich zu einer Band zusammen gewachsen."

Mit ihrem gemeinsamen Programm reiste die 28-köpfige Formation als TWIN TOWN BLUES ORCHESTRA zwei Wochen lang durch das Land und zeigte in insgesamt sieben Konzerten, wie wunderbar und wie einfach es ist, trotz sprachlicher Hürden und kultureller Unterschiede aufeinander zuzugehen, sich anzunehmen und sich dem gemeinsamen kreativen Prozess hinzugeben. "Diese Begegnung hat in vielfacher Hinsicht Grenzen überwunden", berichtet Wolfgang Mohrhenn, Vater des Bandleaders und Mitorganisator der Tour. "Weder Altersgrenzen noch sprachliche, musikalische oder soziale Unterschiede spielten eine Rolle. Entscheidend war das musikalische Miteinander und die Freude am gemeinsamen Musizieren."

Während der gesamten Tour war auf deutscher wie auf nicaraguanischer Seite eine große Herzlichkeit zu spüren. Bei den Musikern, aber auch beim Publikum wurde es als außergewöhnliche Wertschätzung wahrgenommen, dass da Menschen aus dem fernen Europa sich auf den weiten Weg machen, um sich mit ihnen, ihrer Kultur und ihrer Musik auseinanderzusetzen. Besonders deutlich wurde dies im Rahmen der insgesamt vier Gesangsworkshops, die das mitreisende Vokalensemble SALTO VOCALE mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Matagalpa, Jinotega, Managua und Granada durchgeführt hat.

Auch Oberbürgermeister Andreas Mucke, der die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen hatte und die Band eine Woche lang auf ihrer Reise begleitete, war sichtlich angetan von der Intensität der Begegnung. Beim Empfang in der Deutschen Botschaft betonte Andreas Mucke gegenüber der Botschafterin Ute König, wie sehr er sich dem Bemühen um Völker-verständigung durch städtepartnerschaftliche Beziehungen verbunden fühle und wie sehr er die Initiative des KNAPP DANEBEN-Projektes schätze. Die Botschafterin überzeugte sich am Abend beim Konzert in der Ruta Maya in Managua dann persönlich vom gemeinsamen Schaffen der Musiker*innen und ließ am Ende sogar das Tanzbein schwingen.

Nach dem Abschlusskonzert in der von Dietmar Schönherr gegründeten Casa de los Tres Mundos in Granada war man sich einig: Dies soll nicht das letzte Konzert des TWIN TOWN BLUES ORCHESTRAS gewesen sein. "Wir wollen alles daran setzen", so Chris Mohrhenn, "die Band im kommenden Jahr nach Deutschland zu holen und in den Städten in NRW, die Partnerschaften zu Nicaragua unterhalten, Konzerte zu geben und für die 'gute Sache' der Städtepartnerschaft zu werben."

Am 20. November um 18.30 Uhr wird im Rahmen der Vorstellung des Grafikkalenders des Städtepartnerschaftsvereins und der sich anschließenden Politischen Runde in der VHS ausführlicher über das Projekt berichtet. Auch werden erste Ausschnitte der von Lothar Jessen gedrehten Videodokumentation zu sehen sein.