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Gewerbegebiet in Nächstebreck
Bürgerbegehren ist abgewendet

Gewerbegebiet in Nächstebreck: Bürgerbegehren ist abgewendet
Volles Haus im Gemeindesaal Hottenstein: Trotz hochsommerlicher Temperaturen waren zahlreiche Nächstebrecker Bürger gekommen, um sich an der Abstimmung über den vom Bürgerverein mit der Stadt ausgehandelten Gewerbegebiet-Kompromiss zu beteiligen. FOTO: Rundschau
Wuppertal. Seit der Carnaper-Platz-Blamage sind Politik und Verwaltung hochsensibel, wenn ein Bürgerverein mit einem Bürgerbegehren droht. In Nächstebreck wurden 6.000 Unterschriften gegen ein geplantes 120.000-Quadratmeter-Gewerbegebiet direkt neben der Trasse gesammelt. Von Stefan Seitz

Hermann-Josef Richter, Chef des Nächstebrecker Bürgervereins, hatte im gut gefüllten Hottensteiner Gemeindesaal ein prominent besetztes Podium um sich versammelt, als es darum ging, den Kompromiss vorzustellen, den der Verein und die Verwaltung zäh miteinander ausgehandelt hatten.

Oberbürgermeister Andreas Mucke war ebenso gekommen wie Bau- und Planungs-Dezernent Frank Meyer, Wirtschaftsförderungs-Chef Rolf Volmerig, Lutz Eßrich von der Wuppertalbewegung sowie die Chefs der SPD- und der CDU-Ratsfraktion, Klaus Jürgen Reese und Michael Müller.

Richter, der in seiner aktiven Ratszeit Wuppertals (CDU-)Politik über viele Jahre entscheidend geprägt hatte, sparte nicht mit Kritik an der Stadtspitze: Angesichts der Tatsache, dass die Absicht, östlich der Nächstebrecker Straße 120.000 Quadratmeter Landschaftsschutzgebiet zum Gewerbegebiet zu machen, im betroffenen Stadtteil gar nicht oder nur sehr zurückhaltend bekannt gemacht worden war. Der Widerstand, den der Nächstebrecker Bürgerverein vor über einem Jahr schon organisiert hat, war nun erfolgreich: Zur Abstimmung auf dem Tisch lag der Vorschlag, nur 47 Prozent der Fläche für Gewerbe zu verplanen – und 48 Prozent, also 58.500 Quadratmeter, der Natur zu lassen. Fünf Prozent werden für Verkehrsflächen verbucht.

Als es nach Vorstellung der Pläne und teilweise emotionaler Diskussion ("Für mich ist das heute wie eine Beerdigung meiner Heimat", so eine Bürgerin) zum Schwur kam, votierte die weit überwiegende Zahl der Anwesenden für den Kompromiss. Die Zeit, in der er zustande kam, nannte Dezernent Frank Meyer "ein zähes Ringen". Für ein Bürgerbegehren, das 14.500 bis 15.000 Unterschriften bräuchte, stimmten drei Teilnehmer der Bürgervereinsversammlung.

Der ausgehandelte Kompromiss ist an zahlreiche Bedingungen geknüpft. Dass die eingehalten werden und in den Bebauungsplan einfließen, will Hermann-Josef Richter "Millimeter für Millimeter" überprüfen. Richters O-Ton: "Wenn wir den Kompromiss schließen und die Rahmenbedingungen dann doch nicht eingehalten werden, wird der Bebauungsplan scheitern. So wahr ich hier stehe." Die Höhe der zukünftigen (dachbegrünten) Firmengebäude soll acht bis zehn Meter nicht überschreiten, so dass von der Trasse der Blick in die Landschaft möglich bleibt. Es soll viele aufwendig bepflanzte Böschungen geben – plus Flüsterasphalt auf der Nächstebrecker Straße.

OB Mucke und Wirtschaftsförderer Volmerig versprachen: Es wird keine Spedition angesiedelt, keine Chemie-, keine Metallbetriebe, kein (weiteres) Asphaltmischwerk. Kommen sollen zukunftsorientierte Firmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen – man rechnet mit 500 bis 600. Das Gewerbegebiet wird kleinteilig und "durchgrünt" werden – attraktiv für Betriebe aus den Sektoren IT, Design & Co. Michael Müller (CDU) zu den Bürgern: "Wir haben verstanden, worauf es Ihnen ankommt. Es wird ein modernes Gewerbegebiet mit ansehnlichen Gebäuden und ohne Schotterparkplätze. Darauf werden wir achten."

Hermann-Josef Richter machte (unter großem Applaus) klar, dass ihm gar keine Bebauung des Gebietes am liebsten gewesen sei. Den Wirtschaftsstandort Wuppertal allerdings dürfe man auch nicht aus dem Auge verlieren. So habe man sich auf den Kompromiss einigen können. OB Andreas Mucke zu den Gästen im Saal: "Ich bitte Sie, bei allen Bedenken, uns zu vertrauen." Und Hermann-Josef Richter will sich von SPD und CDU deren Zustimmung zum Nächstebrecker -Kompromiss schriftlich geben lassen.

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