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Langerfeld/Oberbarmen: Das vergessene „Europa-Dorf“

Langerfeld/Oberbarmen : Das vergessene „Europa-Dorf“

Von 1959 bis 1961 entstand auf der Hilgershöhe eine besondere Bebauung, der Anne-Frank-Hof — eine Siedlung, die nach einer Idee von Pater Dominique Georges Pire für politische Flüchtlinge und Vertriebene in Deutschland, Österreich und Belgien errichtet wurde.

Jetzt arbeiten Schüler und Bürger gemeinsam an einer Erinnerungsstätte.

Die Stadt Wuppertal stellte ein Baugelände an der Caronstraße im Langerfelder Norden kostenlos zur Verfügung. Dort fand am 31. Mai 1959 die feierliche Grundsteinlegung statt. Als Ehrengast mit dabei: Otto Frank, der Vater von Anne Frank, dem jüdischen Mädchen, das im KZ Bergen-Belsen ermordet worden war und nach der das neue Dorf benannt werden sollte.

Anschließend gab es ein Problem mit dem Baugelände, da ein Pächter des Grundstücks an der Caronstraße eine zu hohe Entschädigung verlangte. Die Stadt regelte das, indem sie ein angrenzendes Grundstück an der Hilgershöhe zur Verfügung stellte. Der Grundstein wurde nach dort verlagert. Das Richtfest fand am 13. Juni 1960 statt, und am 30. März 1961 zog die erste Familie ins Dorf ein. In der Zeit danach wurden 20 Häuser fertiggestellt und bezogen. Es handelte sich um drei verschiedene Haustypen mit Wohnflächen zwischen 66 und 107 Quadratmetern, nicht unterkellert, mit elektrischer Beleuchtung, Gas- und Wasseranschluss und zwei Kohleöfen. Die Monatsmiete kostete 75 Mark. Voraussetzung für die Aufnahme war ein festes Arbeitsverhältnis.

Behörden und caritative Einrichtungen bemühten sich um die Integration der ausländischen Mitbürger. Es gab Sprachunterricht, Sommerfeste und Weihnachtsbescherungen für die Menschen aus Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Litauen und Ungarn.

Mittlerweile ist das "Europadorf" vergessen. Nur noch Straßennamenzusätze erinnern daran. Pater Pire wurde gegenüber eine Straße gewidmet.

Vor zwei Jahren haben Schüler der Gesamtschule Langerfeld in einem Projekt unter dem Titel "Was haben Europadorf, Anne Frank und Flüchtlinge gemeinsam?" die Geschichte der Siedlung, das Leben Anne Franks und die Situation der heutigen Flüchtlinge untersucht und in einer beeindruckenden Ausstellung dokumentiert.

Nun soll es darum gehen, die Erinnerung an Anne Franks Lebensweg, viele Flüchtlingsbewegungen und die Opfer von Kriegen und Gewalt in einer Gedenkstätte zu verbinden, die neben der Sporthalle an der Ecke Hilgershöhe und Pater-Pire-Weg sowie gegenüber vom Anne-Frank-Hof entstehen wird. Als Symbol sollen Schüler von Schulfahrten symbolisch aus verschiedenen Konzentrationslagern Erde mitbringen.

Wegen der Basisarbeit mit Recherchen und Zeitzeugen-Interviews für die Ausstellung nimmt die Gesamtschule Langerfeld in der Arbeitsgruppe Erinnerungskultur des Arbeitskreises Klingholzberg-Hilgershöhe eine wichtige Rolle wahr.

Schüler und Bürger sollen gemeinsam mit einem Künstler einen Entwurf erarbeiten. Zu Beginn stellt der Bürgerverein Langerfeld einen Förderantrag an die "Soziale Stadt Oberbarmen-Wichlinghausen".

Wer bei dem Projekt mitmachen möchte, kann den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) kontaktieren — per Mail an gwa@skf-wuppertal.de oder aber unter der Telefonnummer (0202) 64 26 63.