1. Springmann-Prozess

Wuppertal: Zivilprozesse wegen des Springmann-Erbes

Millionenwerte : Zivilprozesse wegen des Springmann-Erbes

Mehr als ein Jahr nach der Urteilsverkündung im Springmann-Prozess hat eine Zivilkammer nun erneut wegen des Nachlasses von Christa und Enno Springmann verhandelt. In den anhängigen Verfahren ging es um Grundstücke und Geschäftsanteile, das Urteil soll am 7. Februar verkündet werden.

Ebenfalls in einem Zivilverfahren klagt auch der „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“ gegen Benjamin S., in dieser Sache soll am 28. Februar verhandelt werden. Schon als die Springmann-Morde noch verhandelt wurden, hatte bereits das Ringen um den Nachlass begonnen. Hatte Christa Springmann ihren Mann überlebt? Oder war Enno Springmann nach seiner Frau gestorben?

Enkel, Sohn oder auch die eigene Kulturstiftung: Da sich die Eheleute in ihren Testamenten selbst und auch ihre Erben auf unterschiedliche Weise bedacht hatten, war der Frage nach dem Todeszeitpunkt als Hintergrundrauschen des Indizien-Prozesses eine besondere Bedeutung zugekommen. vAm Ende wurde der Enkel der Springmanns wegen Totschlags am Großvater und wegen Mordes an der Großmutter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte die besondere Schwere der Schuld festgestellt, was zusätzliche zehn Jahre Haft für den 26-Jährigen bedeuten könnte. Gerade erst hatte der Bundesgerichtshof das Urteil bestätigt, für den ehemals mitangeklagten und später freigesprochenen Geschäftspartner hat der BGH das Wiederaufnahmeverfahrenbeim Düsseldorfer Landgericht angeordnet.

Von all dem unbeeindruckt war der Testamentsvollstrecker – möglicherweise schon während des Prozesses – damit befasst, das Erbe von Christa und Enno Springmann zu sichern. Enno Springmann soll seinen Enkel Benjamin S. zum Alleinerben gemacht haben – ihm dürften Bargeld und Immobilien in Millionenhöhe zugefallen sein. Benjamin S. hätte über das Erbe verfügen können, obwohl er sich als Tatverdächtiger vor Gericht zu verantworten hatte. Die Mordanklage hatte daran nichts geändert: Er hätte Immobilien oder auch Geschäftsanteile veräußern können, bevor sie ihm durch die juristische Feststellung seiner Erbunwürdigkeit entrissen worden wären. „Ein solches Verfahren muss jeder Ersatzerbe in Eigenregie führen“, war dazu von Pressesprecher Arnim Kolat zu hören. Und so etwas kann bekanntlich lange dauern.

Während einer laufenden Beweisaufnahme dürfte es ohnehin kaum möglich sein – schließlich muss die Schuld des Angeklagten erst zweifelsfrei bewiesen werden. Der wiederum hätte inmitten eines sich über Monate hinziehenden Prozesses viel Zeit gehabt, um sein Erbe dem Zugriff der Ersatzerben zu entziehen. Um das zu verhindern, war besagter Testamentsvollstrecker damals schnell tätig geworden. Mittels einstweiliger Verfügungen hatte der Finanzverwalter das Erbe gesichert, unter anderem war es dabei auch um Grundstücke und Geschäftsanteile gegangen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Sohn von Christa und Enno Springmann seinen eigenen Sohn in einem Zivilverfahren auf die Rückgabe von Waldgrundstücken im Wert von 30.000 Euro verklagt, die Christa und Enno Springmann ihrem Enkel noch zu Lebzeiten geschenkt hatten. Damals stand die BGH-Entscheidung über die Revision gegen dessen Verurteilung noch aus – mittlerweile ist das Urteil rechtskräftig und im ruhend gestellten Verfahren wegen der Waldgrundstücke soll im Juni erneut verhandelt werden.

Klar ist mittlerweile auch, dass die zum „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.“ gehörende „Enno und Christa Springmann-Stiftung“ in Eigenregie ihren Erbteil einklagen wird. Möglicherweise könnte es bereits in dem für den 28. Februar anberaumten Zivilverfahren um die Erbunwürdigkeit von Benjamin S. gehen. Der Springmann-Stiftung würde dann als Ersatzerbin der Teil des Vermächtnisses zufallen, den Enno Springmann eigentlich seinem Enkel hatte zukommen lassen wollen. Die Kulturstiftung hatten die Eheleute bereits 1995 gegründet, um regionale Künstler und Kulturschaffende zu fördern. Sie verleiht jährlich den Enno und Christa Springmann-Preis an bis zu drei Wuppertaler Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Design, Fotografie, Literatur oder Musik.