1. Springmann-Prozess

Wuppertal: Prozess Mord durch Springmann-Enkel: Urteil rechtskräftig

Revisionsverfahren : Springmann-Enkel: Verurteilung rechtskräftig!

Nächster Paukenschlag im Springmann-Prozess: Der Bundesgerichtshof hat die Revision gegen die Verurteilung des Enkels zu lebenslanger Haft abgewiesen. Im November war Benjamin S. wegen Mordes und Totschlags an Christa und Enno Springmann zu lebenslanger Haft unter Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt worden. Nachdem der Bundesgerichtshof die Revision nun verworfen hat, ist das Urteil rechtskräftig.

Im ebenfalls vom BGH angeordneten Wiederaufnahmeverfahren gegen seinen freigesprochenen Geschäftspartner könnte Benjamin S. jedoch als Zeuge gehört werden – und dort mit der Schilderung eines anderen Tathergangs einen Grund für die Wiederaufnahme seines eigenen Verfahrens liefern

Wie es seinem Mandanten jetzt geht? Darüber möchte Klaus Bernsmann am liebsten gar nicht sprechen. „Das können Sie sich denken“, kommentiert der Verteidiger von Benjamin S. die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH), die Revision zu verwerfen. Da hatte der wegen Mordes verurteilte Enkel von Christa und Enno Springmann gerade erfahren, dass er die gegen ihn verhängte lebenslange Freiheitsstrafe absitzen muss.

Bei der Urteilsverkündung war vom Gericht dazu noch die "besondere Schwere der Schuld" festgestellt worden. Im Klartext heißt das: Die Strafvollstreckungskammer legt nach 15 Jahren fest, wie viel Strafe noch noch zusätzlich verbüßt werden muss, bis der Verurteilte auf Bewährung entlassen werden kann. Eine feste Obergrenze gibt es nicht, meistens werden aber nicht mehr als zehn zusätzliche Jahre verhängt. Für Benjamin S. (28) bedeutet das, dass er mehr als zwei Jahrzehnte seines Lebens in der Haftanstalt absitzen muss.

Gegen das im November 2018 verhängte Urteil waren dessen Verteidiger in Revision gegangen. Der BGH hat jedoch offenbar keine Rechtsgründe gesehen, um das Verfahren zur Neuverhandlung an das Wuppertaler Landgericht zurückzuverweisen. Gestützt hatte sich die von der Verteidigung beantragte Revision vor allem auf einen Formfehler des Gerichts: Die Kammer hätte vor der Urteilsverkündung darauf hinweisen müssen, dass auch eine Alleintäterschaft des Benjamin S. in Frage komme. „Dieser rechtliche Hinweis hat gefehlt“, stellt Prof. Dr. Klaus Bernsmann klar. Die Anwälte seien so nicht in die Lage versetzt worden, ihren Mandanten der geänderten Sachlage entsprechend verteidigen zu können.

Der mitangeklagte Geschäftspartner von Benjamin S. war damals freigesprochen worden. Nach der erfolgreichen Revision der Staatsanwaltschaft hat der BGH nun zeitgleich entschieden, dass der Prozess gegen Ioannis P. am Landgericht in Düsseldorf neu aufgerollt werden muss. Dann könnte Benjamin S. als Zeuge gehört werden und möglicherweise für ein Wiederaufnahmeverfahren in eigener Sache sorgen. Er selbst kann sich nicht entlasten – aber er könnte dem Gericht einen anderen Tatablauf schildern, der bestenfalls von Zeugen bestätigt werden würde. Das sein Geschäftspartner Ioannis P. zur Tatzeit im Haus der Großeltern war, galt nach dem Auffinden seiner DNA-Spur als unzweifelhaft. Eine Mittäterschaft hatte ihm das Wuppertaler Gericht dennoch nicht nachweisen können. Nach 43 Verhandlungstagen und einer umfangreichen Beweisaufnahme war die Kammer davon überzeugt, dass Benjamin S. die Tat allein verübt hat.

In seiner Urteilsbegründung hatte Richter Robert Bertling das Miteinander von Großvater und Enkel detailreich in den Blick genommen. Benjamin S. habe die Familie unter anderem wegen des längst abgebrochenen Studiums belogen, um sich so über Jahre hinweg Geld von Großvater und Vater zu erschwindeln. In den Wochen vor der Tat soll Enno Springmann angekündigt haben, seinem Enkel den "Geldhahn" zudrehen zu wollen.

Den Tatablauf hatte Richter Bertling wie folgt skizziert: Benjamin S. sei in das Haus der Großeltern gegangen, um dort Kaffee zu trinken. Ein Abendessen habe nicht mehr stattgefunden, dass hätten unter anderem die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergeben. Somit habe man den Tatzeitpunkt entsprechend eingrenzen können.

Enno Springmann, der zuvor angekündigt habe, mit seinem Enkel Tacheles reden zu wollen, sei aus Sicht der Kammer mit diesem in sein Zimmer gegangen. Die Kammer war von einer Affekttat des Benjamin S. aus Wut und Enttäuschung ausgegangen und nicht mehr – wie zuvor angenommen - von einer gemeinsam geplanten Tat mit dem vom Tatvorwurf freigesprochenen Geschäftspartner. Benjamin S. soll seinen Großvater zuerst geschlagen und dann erdrosselt haben. Später sei die Leiche umgelagert worden - möglicherweise um das Tötungsinstrument zu entfernen, dass man später bei den Ermittlungen nicht gefunden habe. Der Mord an der Großmutter sei eine Vertuschungstat gewesen. Benjamin S. habe befürchten müssen, als Täter erkannt zu werden. Aus Sicht der Kammer sei es möglich, dass die Springmanns bereits tot gewesen seien, als Ioannis P. hinzugekommen sei, um bei der Umlagerung der Leiche zu helfen.

"Wenn er nur das gemacht hat, ist das nicht strafbar", hatte Richter Robert Bertling dessen Freispruch begründet. Nun jedenfalls muss beim Wiederaufnahmeverfahren in Düsseldorf der Tathergang neu aufgerollt und alle Beweise erneut gewürdigt werden.

Denkbar wären dann auch andere Szenarien, wie beispielsweise eines, bei dem Benjamin S. zwar in der Villa der Großeltern war, aber noch vor der Tat von dort weggegangen sein könnte. Demzufolge könnte Ioannis P. die Tat allein begangen haben. Möglich wäre auch, dass Benjamin S. - sollte es zu einem Wiederaufnahmeverfahren in eigener Sache kommen - zwar des Totschlags an Enno Springmann, aber nicht des Mordes an Christa Springmann schuldig gesprochen wird. Mit erheblichen Auswirkungen auf das dann zu verhängende Strafmaß.