Springmann-Prozess: Verteidiger: "Schweigen ist keine Verweigerung"

Springmann-Prozess : Verteidiger: "Schweigen ist keine Verweigerung"

Klaus Sewald ist einer von zwei Pflichtverteidigern von Ioannis P., des wegen Mordes an Christa und Enno Springmann mitangeklagten Geschäftspartners von Benjamin S. Der Wuppertaler Rechtsanwalt geht davon aus, dass sein Mandant am Tatgeschehen nicht beteiligt war und somit zu Unrecht neben dem Enkel der Springmanns auf der Anklagebank sitzt.

Rundschau: Herr Sewald, Sie sind einer von zwei Pflichtverteidigern des wegen Mordes mitangeklagten Geschäftspartners von Benjamin S., dem Enkel von Christa und Enno Springmann. Sucht man sich einen solchen Fall selbst aus oder wird man vom Gericht bestimmt?

Klaus Sewald: Zunächst hat der Angeklagte die Möglichkeit, die Verteidiger seiner Wahl zu benennen. Sind sie dazu bereit, ordnet das Gericht diese dem Angeklagten bei. Soweit er keinen Verteidiger benennt oder keinen benennen kann, wird ihm ein Pflichtverteidiger beigeordnet.

Rundschau: Sollte man als Anwalt selbst wissen, ob jemand schuldig ist oder nicht, um ihn angemessen verteidigen zu können?

Sewald: Zwischen Mandant und Verteidiger sollte ein Vertrauensverhältnis bestehen. Die Frage, ob jemand schuldig ist oder nicht, beantwortet - ob richtig oder falsch - das Gericht.

Rundschau: Ihr Mandant hat sich nicht zur Sache geäußert. Macht einen die Verweigerung der Aussage nicht verdächtig?

Sewald: Zunächst ist Schweigen keine Verweigerung, sondern die Inanspruchnahme eines grundrechtlich verbrieften Rechtes. Hinzu kommt noch, dass man nur dann etwas sagen kann, wenn man auch was zu sagen hat. Zu einem Geschehen, an dem man nicht beteiligt war, kann man nichts sagen.

Rundschau: Dann hätte Ihr Mandant doch seine Unschuld beteuern können...

Sewald: Wird von der Staatsanwalt ein Haftbefehl beantragt, dann steht fest, dass man dort von der Täterschaft des Betroffenen überzeugt ist. Eine Aussage macht nur Sinn, wenn berechtigte Hoffnung besteht, dass man die Staatsanwaltschaft zum Überdenken ihrer Auffassung veranlassen könnte.

Rundschau: Und das konnte Ioannis P. nicht? Er hätte doch ein Alibi liefern können...

Sewald: Gerät man nach einigen Monaten unerwartet in den Fokus der Ermittlungen, dann ist es schwierig, ein "wasserdichtes Alibi" zu liefern. Wenn man die Tage ganz normal und ohne besondere Ereignisse verbracht hat, lässt sich das Geschehen eines bestimmten Tages nicht mehr nahtlos rekonstruieren. Versuchen Sie es doch mal selbst .

Rundschau: Die DNA von Ioannis P. wurde am Tatort sichergestellt. Gibt es ähnlich gelagerte Fälle, in denen ein solcher Beweis genügte, um jemanden als Mörder zu verurteilen?

Sewald: Das Auffinden einer DNA-Spur ist durchaus ein bedeutsames Indiz für eine etwaige Anwesenheit der Person am Tatort. Zum Nachweis einer Täterschaft reicht das allein aber sicherlich nicht aus. Hier wurde sie auf einem Kissen neben dem Opfer gefunden. Das kann auch auf anderem Wege passiert sein, deshalb bedarf es zur Feststellung einer Täterschaft weiterer belastender Beweise.

Rundschau: Sie haben unseres Wissens nach keinen Haftprüfungsantrag für Ihren Mandanten eingereicht. Warum?

Sewald: Einen Antrag auf Haftprüfung stelle ich, wenn die Aussicht darauf besteht, dass der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wird. Angesichts des Mordvorwurfes hätte eine solche Möglichkeit nur bestanden, wenn sich der dringende Tatverdacht, der mit der aufgefundenen DNA-Spur begründet wurde, entkräftet hätte.

Rundschau: Die Persönlichkeit Ihres Mandanten passt nach Auffassung des psychiatrischen Sachverständigen nicht zum Täterprofil. Welchen Stellenwert messen die der Expertise des Gutachters bei?

Sewald: Die vom Sachverständigen getroffenen Feststellungen besagen, dass das Tatgeschehen für meinen Mandanten wesensfremd ist. Eine Beteiligung daran wäre eine Handlung gegen sein eigenes Selbstverständnis. Das ist nur bei Vorliegen außerordentlicher, für mich nicht ersichtlicher Umstände denkbar. Insoweit messe ich dem Gutachten einen erheblichen Stellenwert bei.