32. Tag im Springmann-Prozess: Sechs Millionen Euro und rote Rosen

32. Tag im Springmann-Prozess : Sechs Millionen Euro und rote Rosen

Es war der Aufreger des vergangenen Verhandlungstages und möglicherweise eine Wende im Prozess: Die Verteidigung hatte den Ausschluss der Nebenklage gefordert. Die wird vom Sohn der Springmanns betrieben — und den hält man seitens der Verteidiger nach wie vor für einen möglichen Tatverdächtigen.

Es sei einseitig ermittelt worden und dazu habe der Sohn sich noch in dem von der Gerichtsmedizin angegebenem Tatzeitraum in der Funkzelle nahe des Tatortes aufgehalten. Als Nebenkläger habe er Zugriff auf die Prozessakte und könne so seine eigene Verteidigung betreiben.

Für die Staatsanwaltschaft war das Grund genug für eine mehrseitige Stellungnahme, die am mittlerweile 32. Verhandlungstag verlesen wurde. Der Tenor: Tatverdächtiger werde man nur durch einen Anfangsverdacht. Und den habe es beim Sohn der Springmanns nicht gegeben. Er kenne den mitangeklagten Geschäftspartner von Benjamin S. noch nicht mal und dessen DNA sei zweifelsfrei am Tatort gefunden worden. Dazu habe sich sein Handy gegen 22 Uhr in einem Funkmast eingeloggt, der weiter vom Haus seiner Eltern entfernt stehe als andere Masten.

Ja ,was denn jetzt? War der Sohn der Springmanns nun zur Tatzeit am Tatort, oder nicht? Die Antwort ist kompliziert. Ja, er war dort: Das sagen die Verteidiger — und die gehen von einer Tatzeit bis nach Mitternacht aus, die auch von den Rechtsmedizinern so in den Raum gestellt wurde. Nein, er war nicht dort: Das behauptet die Staatsanwaltschaft, die den Todeszeitpunkt zeitlich zwischen 16 und 19 Uhr verortet.

Kurios ist aus Sicht der Verteidigung auch, dass der Sohn der Springmanns zu den Nachbarn seiner Eltern in einer frühen Phase der Ermittlungen das hier gesagt haben soll: "Die Täter sind bekannt, die Polizei kennt sie nur noch nicht." Die Kripo stocherte da noch im Dunkeln herum. Man hätte nachbohren können. Wenn er die Täter kennen würde, hätte er möglicherweise auch Kontakt dorthin. Man hätte den Sohn selbst als Täter in Erwägung ziehen können.

All das ist aus Sicht der Verteidiger nicht passiert. "Stattdessen hat man einen möglichen Tatverdacht gegen ihn schnell beiseite geschoben", so Verteidiger Klaus Bernsmann. Die Spur sei abgeklärt: Mit einem derart lapidarem Vermerk habe die Kripo die Akte gegen den Sohn geschlossen, bevor sie überhaupt richtig aufgemacht worden sei.

Was Benjamin S. dann noch über das Verhältnis zu seinem Vater erzählte, rückt die ganze Sache keineswegs in ein besseres Licht. Der habe sich vor zehn Jahren selbst in die Psychiatrie eingewiesen. "Wegen einer bipolaren Störung", so der Enkel von Christa und Enno Springmann. Unter seinen Stimmungsschwankungen habe die Familie sehr gelitten. Dazu habe sein Vater auch noch sechs Millionen Euro in eine strauchelnde Firma gesteckt. Die Familie sei dadurch in finanzielle Engpässe geraten und habe zwischenzeitlich unter Polizeischutz gestanden, weil einer der Geschäftspartner in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sei. "Mal war er aggressiv, dann hat er wieder geweint: Ich fand ihn unberechenbar", berichtete Benjamin S. über seine Kindheit mit dem Vater.

Der habe ihm dann noch während der Schulzeit eine Wohnung gemietet und ihn gezwungen, die Möbel des Vormieters zu übernehmen. Dass er am Wochenende dennoch bei den Eltern schlafen sollte, habe ihn gewundert. "Irgendwann war dann klar: Mein Vater hatte ein Verhältnis mit meiner Nachbarin", so der Enkel der Springmanns. Daraufhin zur Rede gestellt, sei es zwischen den Eltern ein paar Monate besser gelaufen.

Und dann das hier: Am Valentinstag habe er seiner Mutter mit einem Strauß roter Rosen in der Hand eine Liebeserklärung gemacht. Am Tag danach habe er die Scheidung gewollt und sie gezwungen, einen neuen Ehevertrag zu unterschreiben. Anstatt die Sache selbst zu regeln, habe sein Vater einen Türken vorbeigeschickt. Seine Mutter habe diesen neuen Vertrag nicht unterschreiben wollen.

Sein Bruder sei später von ebendiesem Türken angerufen worden. Ob er wisse, was man mit Leuten mache, die ihm sein Geschäft verderben: Das soll der Türke dem Bruder gesagt haben. Sein Vater habe ihn später im Urlaub auch noch von Privatdetektiven bespitzeln lassen. Später seien die Fotos seinem Großvater zugespielt worden, der daraufhin mit ihm wegen seines Autos gestritten habe.

Nach dem Tod der Großeltern habe sein Vater auch über den Ablauf der Trauerfeier bestimmen wollen. "Wir sollten uns in Kirche still verabschieden. Keiner durfte reden, noch nicht mal der Pfarrer", erinnerte sich Benjamin S. Später habe sein Vater dann doch noch eine Trauerrede gehalten. "Das hätte mein Opa niemals gewollt", glaubt der Enkel.

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