38. Tag im Springmann-Prozess: Schlag auf Schlag

38. Tag im Springmann-Prozess : Schlag auf Schlag

Das Gericht und die Anwälte im Springmann-Prozess werden keine guten Freunde mehr werden - juristisch gesehen.

Die wiederholten Ablehnungsanträge der Anwälte wegen Befangenheit von Gericht und zuletzt auch des Vorsitzenden Richters Bertling hatten schon für Unfrieden gesorgt und wurden ausnahmslos abgewiesen. Am Freitag (12. Oktober 2018) dann - fünf Tage vor den geplanten Plädoyers - dann vom Gericht die Erweiterung der ursprünglichen Klageformulierung. Zu "Mord", nicht einfach zu beweisen in diesem Prozess, solle jetzt auch "Totschlag" und "Beihilfe" addiert werden.

Der Aufschrei der Anwälte kam prompt. Diese Erweiterung hätte mit der ursprünglichen Klage nur noch die Beteiligten gemein, tatsächlich würde daraus ein ganz anderer Prozess. Für die Anwälte ist das eine böse Überraschung, wie sie sagten. Gerade seien sie in der Vorbereitung ihrer Plädoyers, das aber würde eine erneute gründliche Einarbeitung in die Situation, ganz neue Ansätze verlangen. Dies wäre in der avisierten Zeit nicht zu schaffen.

Deshalb konterten die Anwälte gleich mit einem Antrag auf Aussetzung des Prozesses auf unbestimmte Zeit, um die rechtliche Würdigung der neuen Sachverhältnisse zu ermöglichen und alles neu aufzurollen. Auch müsste die bereits geschlossene Beweisaufnahme neu eröffnet werden. Der Staatsanwalt bezweifelte die Notwendigkeit der Aussetzung, jetzt muss die Kammer entscheiden.

Das betrifft auch die anderen Punkte, die im Tumult darüber beinahe untergingen. So zeigte sich der Mitangeklagte Ioannis P., der bislang eisern geschwiegen hatte, unerwartet kooperativ. Sein Anwalt beantragte eine Untersuchung durch den Gerichtspsychiater. Die solle beweise, dass das Persönlichkeitsprofil des Angeklagten mit einem möglichen Täterprofil keinesfalls übereinstimmen könne. Zur Person wolle sein Mandant aussagen, zur Sache nicht.

Auch hier das Zeitproblem: Eine solche Untersuchung wäre kaum in ein paar Tagen zu schaffen, auch hier lauert die Gefahr, dass es zu Zeitverzögerungen im weiteren Ablauf kommt. Und gibt es überhaupt dieses "Täterprofil" überhaupt - und wer hat es erstellt?

Der weitere Antrag, eine erneute Tatortbesichtigung durchzuführen, stieß beim Staatsanwalt auf Ablehnung. Hierbei sollte bewiesen werden, dass es für Unbekannte sehr wohl möglich sei, ohne heimlichen Türöffner und trotzdem spurenlos in Haus zu kommen und es auch wieder zu verlassen. Die Anklage wehrte sich, dieses sei alles schon überprüft worden.

Weitere Anträge zur Vernehmung einer Immobilienverwalterin und zu der Blutschuppe an einer Mütze verblassten hinter der Ankündigung des Gerichts, die Öffentlichkeit bei den Plädoyers und den Schlussworten der Angeklagten auszuschließen. Begründet wurde das mit einer Zeugenvernehmung, bei der die Zeugin zur Nervenschonung per Videokonferenz aussagen durfte. Hier war also nicht die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden, sondern die Zeugin war nur räumlich getrennt von den Prozessbeteiligten und der Öffentlichkeit in einer Videoschaltung vernommen worden.

Nach mehrstündiger Beratungspause gab es am spätern Nachmittag dann folgende Entscheidungen des Gerichts: Es wird keine erneute Tatortbesichtigung geben, die Untersuchung seien sehr gründlich gewesen. Die erneute Blutschuppen-Untersuchung sei für die Klärung der Abläufe sinnlos, da nicht bekannt sei, wann und wie sie auf die Mütze gekommen. Die Vernehmung der Immobilienmaklerin, die über das familiär vertraute Verhältnis von Enkel und den Großeltern beweisen sollte, wird abgelehnt. Im Ergebnis wäre das zeitnah zu den Morden gewesen, es hätte sich keine weitere Aufhellung der eigentlichen Tat ergeben.

Der Antrag auf Aussetzung des Verfahrens wurde ebenfalls abgelehnt, im Grunde würde die Anklage wegen Mord auch die anderen, geringer gewerteten Taten einschließen, was noch einmal präzisiert wurde. Das verursache keine Änderung der Beweisführung, so das Gericht.

Die geforderte Untersuchung des Mitangeklagten Ioannis P. war in der Pause schon blitzschnell in die Wege geleitet worden. Sie soll am Mittwochmorgen vor den Plädoyers stattfinden, der Gutachter wird mündlich berichten, und die Verhandlung verschiebt sich dadurch auf den späten Nachmittag. Die Plädoyers werden dadurch auf Freitag (19. Oktober) verschoben, aber auch da ist wegen Terminkollisionen noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Das Gericht würde sich nicht an bereits lange vereinbarte Termine halten, beschwerten sich die erbosten Anwälte. Dies würde das ohnehin angespannte Verhältnis weiter belasten.

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