1. Springmann-Prozess

Mord an Springmann: Prozess gegen Ioannis P. muss neu aufgerollt werden

Mord an Springmann-Ehepaar : Ioannis P. kommt erneut vor Gericht

Die Revision der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch von Ioannis P. im Springmann-Prozess war erfolgreich. Nun muss der Prozess gegen den ehemals wegen Mittäterschaft angeklagten Geschäftspartner von Benjamin S. am Landgericht Düsseldorf neu aufgerollt werden.

Eines gilt als sicher: Er war am Tag des Mordes von Christa und Enno Springmann in deren Villa. Keinesfalls schon früher, die Eheleute lebten zurückgezogen und hätten Fremde niemals in ihr Haus gelassen. Als man eine damals noch unbekannte DNA-Spur auf dem Kissen neben dem toten Enno Springmann fand, wusste noch niemand, dass man sie Ioannis P. würde zuordnen können.

Mit einer schallgedämpften Waffe im Kofferraum hatte ihn ein SEK-Kommando auf der Autobahn bei Leverkusen überwältigt. Er lag verletzt und von Medikamenten benebelt auf der Intensivstation, als ihm Ermittlungsbeamte ein Wattestäbchen in den Mund schoben. Und dann der Zufallstreffer in der DNA-Datenbank: Ioannis P. wurde Wochen nach dem Mord zum Tatverdächtigen im Springmann-Prozess. Neben ihm auf der Anklagebank: Benjamin S., der Enkel von Christa und Enno Springmann. Am 43. Verhandlungstag dann der Paukenschlag: Ioannis P. verließ den Gerichtssaal als freier Mann. Die Kammer hatte dem Geschäftspartner des Springmann-Enkels eine Tatbeteiligung nicht nachweisen können. Benjamin S. hingegen wurde wegen Totschlags und Mordes an den Großeltern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt.

Staatsanwalt Hauke Pahre hatte gleich nach dem Freispruch für Ioannis P. angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Nicht nur für ihn scheint ein solches Urteil unerwartet gekommen zu sein – auch für Prozessbeobachter kam der Freispruch überraschend. Dabei hätte man es ahnen können nach all dem, was dessen Verteidiger im Prozessverlauf geäußert hatten. „Das Auffinden einer DNA-Spur ist durchaus ein bedeutsames Indiz der Anwesenheit einer Person am Tatort. Zum Nachweis einer Täterschaft reicht das allein aber nicht aus“, war dazu von Verteidiger Klaus Sewald im Interview mit der Wuppertaler Rundschau zu hören.

Im Klartext heißt das: Ioannis P. war am Tattag und auch zur Tatzeit am Tatort. Daran hatte auch der Vorsitzende Richter Robert Bertling keinen Zweifel gelassen. Dass jemand dessen DNA dort hätte auf dem Kissen von Enno Springmann drapieren können, um die Schuld auf Ioannis P. zu lenken? Das hatte die Kammer zuvor ausgeschlossen. Begründung: Dann hätte man die DNA-Spur auch bei Christa Springmann verteilen und später finden müssen. Beide Morde seien vom gleichen Täter verübt worden und es würde keinen Sinn ergeben, Ioannis P. nur eine der Taten in die Schuhe schieben zu wollen. „Die Tathandlungen zum Nachteil beider Opfer beging sicher der Angeklagte Benjamin S.“, war in der Urteilsbegründung zu hören.

Aber was soll der später vom Tatvorwurf freigesprochene Ioannis P. dann in der Villa der Springmanns gemacht haben? Er könnte draußen gewartet und später dabei geholfen haben, den Leichnam von Enno Springmann vom Bett auf den Boden zu legen – alles andere sei ihm nicht nachzuweisen. Warum er zur Tatzeit sein Handy ausgeschaltet hatte? Auffällig, aber ungeklärt. Wie er den Tatort verlassen haben soll? Auch das blieb ungeklärt. Dass er sich spontan zu einer Tat habe überreden lassen, die Benjamin S. aus dem Affekt heraus begangen haben soll?

Dafür hatte es aus Sicht der Kammer keine nachvollziehbaren Beweise gegeben. Dass ihm Zeugen nachgesagt hatten, Verbindungen zur Mafia zu haben? Auch dazu habe die Beweislage nichts ergeben. Im Gegenteil, der psychiatrische Gutachter hatte nach vierstündiger Exploration bei Ioannis P. nichts von dem gesehen, was dem Täterprofil entsprechen würde.

Er koche leidenschaftlich gerne, mache morgens das Frühstück und bringe seine Kinder zum Kindergarten und zur Schule. Er sei ruhig, gelassen und selbstbeherrscht. Stur und eigensinnig? Ja, das könne schon mal vorkommen. Aggressiv? Nein, gar nicht – eher zurückhaltend. Eine schallgedämpfte Waffe im Kofferraum? Damit habe er sich schützen wollen. Am Ende war nichts übrig geblieben von dem, was die Anklage Ioannis P. vorgeworfen hatte und so hieß es bei der Urteilsverkündung im November 2018: In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten.

Im Dezember war nun die Revision der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch beim BGH in Karlsruhe verhandelt worden - dort hatte man die Sache anders gesehen. Es sei nicht glaubhaft, dass Ioannis P. zwei Stunden auf dem Grundstück der Springmanns auf deren Enkel gewartet habe, um dann von diesem zur Umlagerung des Leichnams ins Haus gebeten zu werden. Auch die DNA-Spur habe nur in Verbindung mit der Tat auf das Kissen von Enno Springmann gelangen können.

Ungeklärt sei auch, ob der Geschäftspartner von Benjamin S. wegen Strafvereitelung zu belangen sei, wenn er dabei geholfen habe, Spuren zu verwischen. Der Oberstaatsanwalt hatte demzufolge gefordert, den Freispruch aufzuheben. Dem kam der BGH jetzt nach – Ioannis P. wird sich am Landgericht Düsseldorf erneut wegen Mittäterschaft am Mord von Enno und Christa Springmann verantworten müssen. Bislang befindet sich Ioannis P. auf freiem Fuß – sollte die Staatsanwaltschaft jedoch eine mögliche Fluchtgefahr und damit Haftgründe sehen, könnte Untersuchungshaft angeordnet werden.