Springmann-Prozess: Meisterwerke zu Geld gemacht

Springmann-Prozess: Meisterwerke zu Geld gemacht

Der Wuppertaler Springmann-Prozess geht in die entscheidende Phase. Möglicherweise schon in der kommenden Woche stehen die Plädoyers an — und damit kurz danach das Urteil. Womit nicht nur die Frage nach dem Mörder, sondern auch nach den Erben wieder in den Vordergrund rückt.

Interessantes Detail dabei: Bereits im Frühjahr wurden Kunstwerke aus der Sammlung Springmann zu Geld gemacht. Der Erlös wurde gesichert und der Erbmasse zugeschlagen. Wer was erhält, muss nach der Urteilsverkündung vom Erbverwalter — und im Streitfall vor Gericht geklärt werden. Entscheidend ist unter anderem der Todeszeitpunkt, um festzustellen, wie sich die Testamente auswirken. Nach bisherigen Erkenntnissen soll Christa Springmann nach Enno Springmann gestorben sein — was entscheidende Auswirkungen auf die Erbfolge hätte, weil die Eheleute unterschiedliche Erben bedacht haben sollen.

Auch diese von Karl Schmidt-Rottluff gemalte „Landschaft mit untergehender Sonne“ gehörte den Springmanns. Foto: ehemals Sammlung Springmann

Zu den Dutzenden Werken, die bereits im Frühjahr versteigert worden sind, gehörten Druckgrafiken von Meistern der Klassischen Moderne wie Max Beckmann, Georges Braque, Franz Marc, Max Liebermann, und Conrad Felix Müller.

Zum Aufruf kamen auch ein Aquarell des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff, ein Gemälde von Karl Hubbuch, ein bislang unbekanntes Frauenbildnis von Emil Nolde, dessen Echtheit die Nolde-Stiftung in Seebüll bestätigt hatte. Außerdem Papierarbeiten von Hans Hartung und Joan Miró, Marc Chagall, Raoul Dufy und Ernst Wilhelm Nay, Max Ernst und A.R. Penck, Plastiken von Georg Kolbe, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Gerhard Marcks und Renée Sintenis — große Namen der Kunstgeschichte.

Emil Noldes „Bildnis einer blonden Frau“ (1867). Foto: ehemals Sammlung Springmann

Umso erstaunlicher ist, dass sich die Einlieferer nicht für ein großes Auktionshaus — etwa in Hamburg, Berlin oder München — sondern für das vergleichsweise unbekannte "Düsseldorfer Auktionshaus" entschieden. Je bekannter ein Auktionshaus, desto größer ist die Bieterkonkurrenz.

In Düsseldorf wurden zudem Schätzpreise angesetzt, die erstaunlich niedrig lagen, zum Teil aber bei weitem überboten wurden. Für eine großformatige Reliefgrafik des zurzeit sehr gefragten Nagelkünstlers Günther Uecker zum Beispiel lautete die Taxe auf 2.500 Euro. Inzwischen bietet sie die angesehene Düsseldorfer Galerie Ludorff an — für stolze 19.500 Euro.

Der Katalogwert der versteigerten Stücke belief sich nach Rundschau-Informationen auf rund 800.000 Euro.

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