31. Tag im Springmann-Prozess: Die Verteidigung bläst zum Angriff

31. Tag im Springmann-Prozess : Die Verteidigung bläst zum Angriff

Der Sohn der Springmann als Täter? Oder als Auftraggeber eines Killers? Spätestens nach dem letzten Prozesstag darf man auch das für möglich halten. Es hatte sich längst angekündigt und heute dann der Eklat: Die Verteidigung will den vom Sohn beauftragten Nebenklageanwalt vom Prozess ausschließen lassen.

Begründet wurde der Antrag mit einem angeblich noch lange nicht ausgeräumten Tatverdacht gegen den Sohn der Springmanns. Der sei nur unzureichend überprüft worden, gerüchteweise brauchte er noch nicht einmal ein Alibi beibringen. Viel zu schnell habe man sich einseitig festgelegt und ebenso einseitig ermittelt.

Geschürt wurde der neuerliche Vorstoß der Verteidigung auch durch erneutes Zitieren der Aussage einer Geliebten von Enno Springmann. Die hatte schon bei ihrer ersten Vernehmung über die Angst des Mordopfers vor dem Sohn gesprochen. Der habe Hausverbot gehabt und sei dennoch häufiger im Haus gewesen. Auch Nachbarn wollen ihn angeblich bei heimlichen Besuchen beobachtet haben.

Bislang tritt der Sohn der Springmanns auf mit dem Credo "Ich will die Wahrheit wissen!". Das höre sich moralisch einwandfrei an, verdecke aber nach Ansicht der Verteidiger ein ganz anderes Motiv. Bekannt ist, dass der Sohn bereits kurz nach der Tat alle möglichen Quellen zur Information abklopfte. Dann trat er dem Prozess als Nebenkläger bei. Besser könne man nach Ansicht der Verteidigung nicht informiert sein, da er dadurch vollen Zugriff auf die Prozessakte erhalte. Zudem verweigere der Sohn schon seit Prozessbeginn jede persönliche Befragung.

Ein Video mit seiner Aussage war recht belanglos. Andererseits sei er aus Sicht der Verteidiger von Benjamin S. begierig darauf, lückenlos über alle Wendungen im Prozessverlauf informiert zu werden. Die Aufklärung des Doppelmords ist das zentrale Thema dieses Prozesses. Im Hintergrund geht es aber auch um Geld, viel Geld. Die absolute Kontrolle kann für den möglicherweise erbberechtigten Nebenkläger da nur hilfreich sein.

Für Irritationen sorgten auch die Erinnerungen von Benjamin S. an den Schrei seines Vaters am Haus der Opfer als Einstieg in einen Nervenzusammenbruch. Wenige Stunden später habe sein Vater ihm die Bildung einer WhatsApp-Gruppe vorgeschlagen, die mit Informationen jeder Art über den Fall gefüttert werden sollte. Das stieß bei den Freunden und Verwandten auf brüske Ablehnung. Dass sein Vater ihm dann auch noch gesagt habe, dass alles gut werde, sei ihm auch noch übel aufgestoßen. "Oma und Opa waren tot. Was sollte da gut werden?", erinnerte sich der Enkel der Springmanns an das, was er damals gedacht habe.

Zuvor hatte er den Tattag an sich vorbeiziehen lassen und erzählt, wie der Besuch bei den Großeltern abgelaufen sei. Die sollen sich zuvor gestritten haben über das Testament von Christa Springmann, die ihren Sohn als Alleinerben eingesetzt hatte. Auch da tauchte es wieder auf, das Motiv, aus dem die Verteidiger von Benjamin S. ein Tatmotiv für den Sohn machen.

Die Erinnerungen von Benjamin S. an den Ablauf des Tattages waren jedenfalls nahezu widerspruchsfrei. Als Prozessbeobachter fragt man sich, ob sich eine derart lückenlose Geschichte erfinden lässt. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass daran ausgiebig gefeilt wurde. Auf Fragen der Prozessbeteiligten antwortete der Enkel der Springmanns freizügig und umfangreich.

Er sprach über die Ankunft am durchwühlten Haus und über den Augenblick, als er über den Funkspruch eines Polizeibeamten von leblosen Personen im Haus gehört habe. An das, was danach geschehen sei, könne er sich nur noch bruchstückhaft erinnern. Und ja, er habe seinen Geschäftspartner vor dem Besuch bei den Großeltern anzurufen versucht. Es sei sauer gewesen, weil der eine Dienstreise nach Hofheim geplant habe, ohne ihn vorher einzuweihen.

Genaueres hierzu wird man möglicherweise noch hören: Am nächsten Verhandlungstag will Benjamin S. seine Einlassungen fortsetzen und über das Verhältnis zu seinem Geschäftspartner und auch zu seinem Vater sprechen.

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