30. Tag im Springmann-Prozess: Der Enkel äußert sich zur Sache

30. Tag im Springmann-Prozess : Der Enkel äußert sich zur Sache

Dichte Menschentrauben vor der Eingangstür: Zum 30. Verhandlungstag des Springmann-Prozesses war das ein erster Hinweis auf den mit Spannung erwarteten Beginn der Sacheinlassung des angeklagten Enkels.

Eingeleitet wurde die mit einer hochemotionalen Liebeserklärung an die ermordeten Großeltern.

Natürlich ist allen Prozessbeteiligten und einem Großteil der Zuschauer klar, dass Benjamin S. nichts einfach so daherplaudert. Stattdessen dürfte jedes Wort bis in Nuancen mit seinen Anwälten abgestimmt sein, um jede versehentliche Selbstbelastung zu vermeiden. Aber der eigene Vortrag ist schon etwas viel Persönlicheres als das nüchterne Ablesen des Manuskripts durch einen Anwalt — und das wollten die Zuschauer hören.

Heute also nun die ersten Einlassungen zu Sache — so nennt man vor Gericht all das, was sich um das Tatgeschehen herum rankt. Das begann hier am Freitag, 17. März 2017, zwei Tage vor dem vermuteten Todestag der Großeltern. Und es begann wieder mit einer emotionalen Unschuldsbezeugung des Angeklagten: Er habe seine Großeltern innig geliebt, und er habe sie nicht umgebracht!

Am Morgen habe er mit dem Großvater telefonisch einen Termin für den kommenden Montag vereinbart. Er habe ihm die Problematik mit der noch offenen Schenkungssteuer aus diversen Geld- und Immobilienzuwendungen erklären wollen, zu der noch Unterlagen von Hausverwaltern fehlten. Die Verärgerung des Großvaters habe er damit ausräumen wollen, der habe schon seit Januar die Problematik nicht eingesehen.

Mit seiner Freundin wiederum soll es am besagten Freitag heftigen Ärger wegen diverser "Freundschaftsanfragen" auf Facebook gegeben haben. Man sei sich aus dem Weg gegangen, er habe ihr aber ein Treffen am Samstagabend versprochen. Die Zeit bis dahin war schnell verplant: eine Fahrt mit einem Maybach in die Düsseldorfer Altstadt, um sich mit Tischtennis-Clubkameraden auf ein Meisterschaftsspiel einzustimmen. Weiter in eine Shisha-Bar, Tanzen mit Spontanbekanntschaften, Rückkehr dann gegen 4 Uhr morgens und ein kurzes Treffen gegen Mittag mit der Freundin.

Nach einer Trainingssession für die Meisterschaft ging's dann nach Köln zur Kontaktpflege mit der 16-jährigen Spontanbekanntschaft vom Abend zuvor. Mit der sei er dann zum Abendessen in einem Schnellimbiss an der Ausfahrt Haan-Ost gelandet, um sie anschließend wieder nach Köln zu bringen - nicht ohne den Wunsch nach weiteren Treffen zu äußern.

Viel mehr Einzelheiten gab es dazu nicht, aber man muss ja auch nicht alles erzählen. Details zur Geschäftssituation gab es — bis auf die Schenkungssteuern - noch nicht, aber eine weitere Fortsetzung der Einlassung ist geplant und wird wieder viele Zuschauer in den Gerichtssaal locken. Und zur Tat selbst? Schon im Vorfeld hatten die Verteidiger mit dem Kopf geschüttelt. Ihr Mandant sei unschuldig, dazu gebe es also nichts zu erzählen.

Und dann ging's an diesem Verhandlungstag einmal mehr um die viel diskutierte Feststellung des Todeszeitpunkts: Nach der Verwirrung durch widersprüchliche Gutachten, hervorgerufen auch durch einen nicht berücksichtigten Heizkörper im Schlafraum des Ermordeten, soll nun aus Sicht der Verteidigung von Benjamin S. auch noch eine Professorin aus Jena gehört werden. Man erhofft sich dadurch offenbar Erkenntnisse, um den übersehenen Heizkörper und die ebenfalls unberücksichtigte Nachtabsenkungen in ein akzeptables Gesamtbild einzuarbeiten.

Bestenfalls steht am Ende ein Todeszeitpunkt in den Akten, für den der Enkel der Springmanns ein Alibi hat. Und ja, es geht auch immer noch ums Erbe und darum, wer der Eheleute wann verstorben ist und wen beerbt hat, um dieses Erbe an die im Testament bedachten Nachkommen weiterzureichen.

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