33. Tag im Springmann-Prozess: Das Tischtuch ist zerschnitten

33. Tag im Springmann-Prozess : Das Tischtuch ist zerschnitten

Das elegante Florett hat ausgedient, jetzt schwingt die Verteidigung im Springmann-Prozess die schweren Säbel gegen die Kammer. Es begann mit Kritik der Verteidiger an der Ermittlungsarbeit, die sich viel zu früh auf den Enkel der Springmanns als Tatverdächtigen konzentriert habe.

Und es endete damit, dass den Anwälten das Wort entzogen wurde.

Was war passiert? Der Verteidiger des mitangeklagten Geschäftsführers von Benjamin S. wollte eine Erklärung abgeben. Die ging der Staatsanwaltschaft zu weit. Der Rest ist was für Rechtsexperten — wichtig ist nur, was am Schluss dabei herauskam: Ein Befangenheitsantrag gegen das Gericht! Nun liegt er also auf dem Tisch und bis Freitag wird eine andere Kammer darüber beraten.

Geht der Prozess bis dahin unbeeindruckt weiter? Keineswegs, sagen die Anwälte. Die Angeklagten werden nichts mehr sagen, um es nicht möglicherweise vor einer neuen Kammer wiederholen zu müssen. Für Mittwoch sind Zeugen und Sachverständige geladen, das soll laufen wie geplant.

Am mittlerweile 33. Verhandlungstag wurde nun auch die Alarmanlage in der Villa der Springmanns zum Thema von Zeugenaussagen. Hatte doch der ermordete Enno Springmann in den letzten Jahren starke Ängste vor Gewalt, Einbrüchen und Überfällen entwickelt. Bekannt wurde ja schon, dass er öfter Leute auf dem Grundstück sah, Besuche seines verstoßenen Sohnes fürchtete und nach einem Aufbruchversuch an seinem Auto die Alarmanlage der Garage erweitern wollte.

Extern scharf und intern scharf: Jahrelang arbeitete die Anlage so, dass sich die Eheleute sicher fühlen konnten. Mit Bewegungsmeldern im Haus, Glasbruchmeldern und dem direkten Draht zur Polizei. Allerdings gab es merkwürdige Ausnahmen, die Sicherheitsfachleuten wohl die Haare zu Berge stehen lassen würden: Der Schutz des Schlafzimmerfensters von Christa Springmann konnte durch einen Schalter umgangen werden, weil die Ermordete gerne bei geöffnetem Fenster schlief. Genauso ungesichert war auch die Glaskuppel auf dem Dach des Hauses. Ein Einbruch und Abseilen nach Topkapi-Art wäre durchaus möglich gewesen.

Klar ist mittlerweile: Die Anlage war in der Mordnacht ausgeschaltet. War es ein Versehen? Besonders Enno Springmann war bekannt für sein Ritual, abends zwischen 18 und 19 Uhr den Alarm einzuschalten, wenn er im Hause war. Eine mobile Fernbedienung machte das von überall her möglich und bis auf zwei Abende war die Villa in der Woche zuvor überwacht. Ungeklärt ist nun, ob die Anlage am Tattag nicht mehr von den Springmanns aktiviert werden konnte, weil sie da schon nicht mehr lebten. Oder es wurde schlicht vergessen - was das Eindringen der Mörder erleichtert hätte.

Und dann waren da noch die Zettel, die der Kammer am letzten Verhandlungstag vom Enkel der Springmanns übergeben worden waren. Dabei soll es sich um Notizen handeln, die deren Sohn in den Jahren 2008 und 2009 gemacht haben soll. Für seine damalige Ehefrau aufgeschrieben deshalb, weil er Wanzen im Haus befürchtet haben soll. Inhalt: Kryptische Vermerke über polnische Mafia und Taschen mit reinstem Kokain in Millionenwerten. Die Polizei soll jedoch damals schon ermittelt und nichts Strafbares festgestellt haben.

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