8. Tag im Springmann-Prozess: "Liebe war das bestimmt nicht mehr"

8. Tag im Springmann-Prozess : "Liebe war das bestimmt nicht mehr"

Erfolgreicher Unternehmer, CDU-Ratsherr und als Kunstmäzen las er der städtischen Kulturpolitik in gefürchteten Reden die Leviten: Vermutlich wäre es das gewesen, was Enno Springmann gerne als sein Lebenswerk hinterlassen hätte.

Dass nun nach dem Doppelmord und mit dem eigenen Enkelsohn auf der Anklagebank auch das Leben der Opfer mit all seinen Licht- und Schattenseiten durchleuchtet wird, gehört zur Tragik des Springmann-Prozesses, der mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt wurde. Darunter eine langjährige Freundin der Eheleute, die sichtlich um Worte ringen musste, als sie auch diesmal wieder aufs Tapet kamen: Die Frauengeschichten von Enno Springmann, die offenbar noch viel früher begannen als bislang geahnt.

"Seine Frau war mit dem gemeinsamen Sohn schwanger", erinnert sich die 86-Jährige an die Eskapaden von Enno Springmann. Der habe seine Ehefrau schon damals mit einer gemeinsamen Bekannten betrogen und auch die anderen Geliebten habe sie gekannt. Christa Springmann habe von den außerehelichen Verhältnissen ihres Mannes gewusst und sehr darunter gelitten. "Schick ihn doch weg, wirf ihn raus", habe sie der Freundin geraten.

Die allerdings habe ihren Mann geliebt und an der Ehe festhalten wollen. Erst in den letzten Jahren habe Christa Springmann ihr gestanden, dass sie nichts mehr mit ihrem Mann verbinde. "Liebe war das bestimmt nicht mehr", kommentierte die Zeugin das unterkühlte Verhältnis der Eheleute zueinander. Alles sei zerbrochen, ihr Mann könne ihr nicht mehr wehtun: Das habe Christa Springmann ihr irgendwann gesagt.

Belastet habe die auch das zerrüttete Verhältnis ihres Mannes zum gemeinsamen Sohn. Mehr als 20 Jahre habe der Vater kein Wort mehr mit seinem Sohn gesprochen. Warum? Irgendwas mit einer gescheiterten Firmenbeteiligung in Brasilien sei da gewesen. Man sei damals froh gewesen, das der Sohn dort heil wieder herausgekommen sei. Ob sie denn Genaueres zu den Umständen erfahren habe, wollte der Vorsitzende Richter von der Zeugin wissen. In Anbetracht der durch die Gerichtsflure mäandernden Gerüchte, dort könne es eine Entführung des Sohnes gegeben haben, eine durchaus interessante Frage — die jedoch auch diesmal unbeantwortet blieb.

Zum wiederholten Male hörte das Gericht nun auch von den Ängsten, die Enno Springmann in den letzten Jahren seines Lebens gehabt haben soll. "Er fühlte sich verfolgt", erzählte die Zeugin von verhüllten Gestalten im Garten und auf Bäumen, die der 91-Jährige gesehen haben will. Wenige Wochen vor der Tat habe sich offenbar jemand am Garagentor zu schaffen gemacht. Ein Lichtblick im Leben der Springmanns sei hingegen deren Ex-Schwiegertochter gewesen, die sich auch nach der Scheidung um den Haushalt gekümmert habe. Ihr habe Christa Springmann eine Eigentumswohnung kaufen wollen — dazu sei es aber wohl nicht mehr gekommen.

Nachdem mehr als eine Stunde lang das Leben der Mordopfer im Fokus der Befragungen stand, wurde auch noch die Lebensgefährtin des angeklagten Enkels Benjamin S. in den Zeugenstand gerufen. Die 26-Jährige berichtete von einer On-Off-Beziehung, inmitten derer es noch am Tattag zu einem Streit gekommen sein soll. Der Grund? Frauengeschichten!

Die seien zwischen ihr und dem Enkel der Springmanns damals ein stetiges Diskussionsthema gewesen. "Ich hatte das Gefühl, das er mich betrügt", sprach die junge Frau vor Gericht über ihre Befürchtungen. Mittlerweile habe man sich allerdings wieder zusammengerauft und drei Tage vor der Verhaftung ihres Freundes eine gemeinsame Wohnung bezogen. Am Tattag selbst habe sie jenseits des Streits und der Versöhnung mit ihrem Lebensgefährten nichts Ungewöhnliches an ihm feststellen können.

Nachdem der von der Ermordung seiner Großeltern erfahren hatte, habe er sie weinend und vollkommen aufgelöst angerufen. Auch danach habe Benjamin S. Albträume gehabt und sei schreiend und weinend aufgewacht. Zu dessen Charakter befragt, ließ die junge Frau das Gericht wissen: "Er ist sensibel und sehr großzügig — vor allem zu sich selbst." Auf edle Klamotten und schnelle Autos habe er großen Wert gelegt. Unter den Nobelkarossen: ein auf 800 PS getunter BMW M6 und ein Mercedes AMG GT-S.

Auf den des Mordes mitangeklagten Geschäftspartner angesprochen, sagte die junge Frau: "Ich habe Benni gesagt, dass der zwar ein netter Typ ist, ich aber keine Geschäfte mit ihm machen würde." Dazu muss man wissen, dass der angeklagte 44-Jährige ein Cousin der Mutter der Zeugin ist und man sich näher kannte.

Sein schlechter Ruf sei dem Mann früher vorausgeeilt. Drogengeschäfte und irgendwas mit Nutten: Dass sei das gewesen, was man sich über ihn erzählt habe. Dass er als Familienvater immer noch zu Prostituierten gehe oder als deren Zuhälter auftrete, könne sie sich hingegen nicht vorstellen. Passender sei hingegen das Sprichwort: Harte schale, weicher Kern.

Und die Sache mit der Waffe, die man nach einem SEK-Übergriff auf der Autobahn in dessen Auto gefunden hatte? Ja, davon habe sie in der Zeitung gelesen. Dass er etwas mit dem Mord an den Springmanns zu tun haben könnte? Nein, dass könne sie sich beim besten Willen nicht vorstellen.

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