4. Tag im Springmann-Prozess: "Er trug die Unterlagen immer bei sich"

4. Tag im Springmann-Prozess : "Er trug die Unterlagen immer bei sich"

Der vierte Tag im Springmann-Prozess brachte auch erstaunliche Einsichten in das Binnenverhältnis einer in sich zerstrittenen Familie.

Der Zeuge C., der auch als Testamentsvollstrecker fungiert, kannte die Familie bereits seit den 1970er Jahren. Er wusste auch von mehreren Testamenten, die Enno Springmann, eines der beiden Mordopfer, verfasst hatte. Zuletzt habe er noch ein weiteres machen wollen. Die volle Geschäftsfähigkeit hatte er sich eigens durch einen Krankenhaus-Arzt bestätigen lassen. Enno Springmann habe ihm berichtet, dass aber auch seine ebenfalls ermordete Frau offensichtlich kurz zuvor ein Testament verfassen wollte.

Jedenfalls habe er eine Notiz eines Notars entdeckt, die darauf hingedeutet habe. C. habe deswegen angeregt, dass sich beide gegenseitig ihre Testamente vorlegten. Dazu sei es jedoch nicht mehr gekommen. "Die Eheleute haben sich gegenseitig keinen Einblick in das jeweilige Vermögen gegeben", berichtete der Zeuge. Das sei so weit gegangen, dass Enno Springmann seine für ihn wichtigen Unterlagen immer mit sich getragen habe — auch damit sein Sohn keinen Einblick in das Vermögen bekomme.

Dessen Umfang wurde durch das Konsumverhalten der Springmanns offensichtlich nur wenig gemindert. Zwar gab es mehrere Vermächtnisse in Höhe von etwa 250.000 Euro, die inzwischen auch ausgekehrt waren. Doch "sie selbst lebten eher sparsam", erklärte C., "gönnten sich nur gelegentlich Kreuzfahrten." Allerdings muss der Reichtum psychische Spuren hinterlassen haben: "Enno Springmanns Lebensführung war von Angst geprägt", berichtete der Zeuge.

So habe er beispielsweise immer geschimpft, wenn seine Frau vergessen hatte, die Alarmanlage einzuschalten.

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