7. Tag im Springmann-Prozess: Eine ganz besondere Sekretärin

7. Tag im Springmann-Prozess : Eine ganz besondere Sekretärin

Es gibt Geheimnisse, die man am liebsten mit ins Grab nehmen würde. Dazu gehörte im Leben von Enno Springmann wohl auch das besondere Verhältnis, dass er zu seiner Sekretärin gepflegt hat. Denn das — so hatte es schon dessen Vermögensverwalter im Zeugenstand anklingen lassen — sei augenscheinlich weit über geschäftliche Belange hinausgegangen.

Offenbar sogar so weit, dass er selbst Enno Springmann einst dazu geraten habe, seine Sekretärin nicht wie ursprünglich geplant mit ins Testament aufzunehmen, sondern sie vorab mit einer Schenkung zu bedenken. Dieser Geldbetrag in erheblicher Höhe sei noch vor dessen Tod geflossen. Nicht wirklich ungewöhnlich und dennoch durchaus pikant: Vor allem jedoch nicht mehr vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Um den Mord an Christa und Enno Springmann aufzuklären, interessierte sich das Gericht nun auch für deren Privatleben. Am mittlerweile siebten Verhandlungstag im Springmann-Prozess in den Zeugenstand geladen: Die Sekretärin des Unternehmers, die unter anderem befragt wurde zu einem jahrzehntelangen Miteinander, von dem bislang wohl nur das engere Umfeld der Springmanns wusste.

Begonnen hatte alles in den 1970er Jahren als Angestelltenverhältnis, vor 20 Jahren sei die Beziehung vertrauter und auch intim geworden. Christa Springmann habe die Affäre geahnt, gesprochen worden sei darüber jedoch nie. Auch nicht mit dem eigenen Ehemann, wie die Geliebte von Enno Springmann vor Gericht aussagte.

Während vor den Augen der Öffentlichkeit die Fassade einer vermeintlich heilen Familie bröckelte und man schon glaubte, schlimmer könne es nicht mehr kommen, so wurde schnell klar: Es geht noch schlimmer. Denn dann sei da dieser Restaurantbesuch gewesen, nur wenige Monate vor dem Mord an Christa und Enno Springmann. Eine weitere Frau sei plötzlich aufgetaucht, die Situation sei eindeutig gewesen.

Nun also gab es nicht nur eine mit der Geliebten betrogene Ehefrau, sondern auch noch eine mit einer weiteren Frau betrogene Geliebte. Plötzlich sei auch klar gewesen, warum Enno Springmann sich mittwochs immer mit Anwaltsterminen habe entschuldigen lassen und telefonisch nie zu erreichen gewesen sei. "Ich habe ihm sofort gesagt, dass ich keine Frau bin, mit der man sowas machen kann", stellte die Zeugin vor Gericht klar.

Bis zu dessen Tod habe sich die Beziehung nicht mehr von dieser Enthüllung erholt. Der Kontakt sei unterkühlt gewesen, sie habe eine Entscheidung von ihm erwartet. Nur wenige Stunden vor dessen Tod habe Enno Springmann ihr noch auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass es ihn verunsichere, schon zwei Tage lang nichts von ihr gehört zu haben. Sie solle doch Rücksicht auf seine schwierige private Situation nehmen und ihren verletzten Stolz überwinden.

"Er war sehr geradlinig und hatte Rückgrat", attestierte die Zeugin ihrem Chef und Geliebten dennoch einen starken Charakter. Die Verteidiger des angeklagten Enkels zogen das in Zweifel und erklärten: "Jemand mit Rückgrat hätte sich für eine Frau entschieden und die Sache geklärt."

Nach dem Tod der Springmanns habe sie ein intensiveres Verhältnis zu deren Enkel Benjamin gehabt, so die Zeugin. Der habe bei ihr zu Hause gesessen und geweint. Allerdings habe er auch danach gefragt, um welche Summen es denn im Testament gehen würde und ob es Nummernkonten in der Schweiz gebe. Für die interessierte sich nun auch das Gericht. "Enno Springmann hat Geld in die Schweiz umgelagert, aber von einem Nummernkonto weiß ich nichts", stellte die Zeugin unmissverständlich klar. Er habe ihr jedoch gesagt, wenn ihm etwas zustoße, solle sie sich sofort ins Flugzeug in Richtung Schweiz setzen, um dort in einen Safe zu schauen.

Auf dessen Besitztümer angesprochen, sagte die Zeugin: "Das geldliche Vermögen dürfte etwa bei 19 Millionen Euro liegen." Hinzu kämen noch Firmenbeteiligungen und Immobilienbesitz. Geld scheint nach dem gewaltsamen Tod der Eheleute im Familienkreis ohnehin ein großes Thema gewesen zu sein. Die Ex-Schwiegertochter der Springmanns sei nach dem Mord bei ihr gewesen, um nach einer Tasche mit 200.000 Euro zu fragen, die Christa Springmann nur wenige Tage vor deren Tod bei der Bank für sie abgehoben haben soll. Dazu soll ihr auch noch der Kauf einer Wohnung versprochen worden sein.

Und ja, die griechische Mafia kam dann auch noch aufs Tapet. Denn wirklich vorstellen konnte sich im Familienkreis offenbar niemand so recht, dass der Enkel der Springmanns die eigenen Großeltern erdrosselt haben soll. Der wiederum soll seiner Mutter im Gefängnis selbst gestanden haben, dass er großen Mist gebaut, aber seine Großeltern nicht umgebracht habe.

"Wenn er schon Kontakt mit diesem Mafiosi mit Schießeisen hat, ist er vielleicht irgendwo reingerutscht oder er wurde erpresst", soll die Tante des angeklagten Enkels nach dem Gewaltverbrechen gesagt haben. Gemeint sein soll mit dem Mafiosi offenbar dessen mitangeklagter Geschäftspartner. Auch der Steuerberater von Enno Springmann will der Zeugin dazu gesagt haben: "Unterschätzen Sie die griechische Mafia nicht"

Zweifel an der Tatbeteiligung des Enkels hatte dessen Verteidigung bereits am letzten Verhandlungstag gesät. "Er war vor dem Mord der Großeltern zwei Tage mit verliebten Gedanken im Kopf unterwegs", ließ der Verteidiger von Benjamin S. das Gericht wissen. Auf dem Beifahrersitz des Maybach, mit dem der Enkel der Springmann unter anderem in Köln gewesen sein soll: Nicht etwa dessen Freundin, sondern eine 16-Jährige, mit der er innerhalb weniger Stunden 322 SMS ausgetauscht hat.

Der Benni sei einfach ein cooler Typ, der Geschäfte mit Autos und einem Scheich mache. Ums Geld sei es ihr jedenfalls nicht gegangen, ließ die junge Frau das Gericht wissen.

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