Das aktuelle Rex-Kinoprogramm vom 10. bis 16. Oktober 2019

Termine und Trailer : Das aktuelle Rex-Kinoprogramm vom 10. bis 16. Oktober 2019

Was läuft im Wuppertaler Rex-Filmtheater im Kipdorf 29? Hier finden Sie das komplette Wochenprogramm.

JOKER - SETZ DAS GRINSEN AUF
(NEU, 122 Min., FSK 16)
täglich 17:30 (außer So, Fr in OmU) + 20:15 (außer So), So 14:30, 16:45, 19:15 (19:15 in OmU), Fr/Sa auch 22:45, Sa auch 15:00 (nur kurzes Vorprogramm)

PREVIEW JOKER

USA 2019
Regie: Todd Phillips
Buch: Scott Silver
Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Als Lebensloser und Pointe der Gesellschaft schmiert sich Joaquin Phoenix Theaterschminke ins Gesicht und stellt sich selbst der Frage: Why so serious?

Es läuft nicht gut für Arthur Fleck (Joaquin Phoenix, A BEAUTYFUL DAY). Seine Mutter wird immer kränker, sein Job macht ihn zum Gespött, seine Depressionen und Paranoia nehmen zu und sein Traumberuf als „Stand-Up Comedian“ scheint ferner denn je. Doch vielleicht ist alles nur eine Frage der Einstellung. Vielleicht muss er einfach nur ein Lächeln aufsetzten. Denn vielleicht ist das Leben nur ein Witz und er ist; der Joker.

Nach Nicholson und Ledger bekommt der wohl größte Comicschurke aller Zeiten nun mit Pheonix eine weitere denkwürdige Darbietung in seinem ersten eigenen Kinofilm. Ganz ohne moralisches Gegengewicht eines Fledermausmannes treibt der Joker - zunächst als vom Leben zertrampelter Antiheld, später als todbringender Chaosdämon - sein Unwesen in Gotham City.

Der Film bemüht sich unterdessen nicht die offensichtlichen Anleihen an TAXI DRIVER (1976) und THE KING OF COMEDY (1982) - beides Scorsese Kultfilme - zu kaschieren, sondern gibt deren Hauptdarsteller De Niro noch die Rolle des Antagonisten. Warner und DC tanzen mit dem Joker im fahlen Mondlicht aber des riskante Spiel scheint aufzugehen. Die Höchstauszeichnung (Der goldene Löwe) gab es bereits in Venedig, die Oscartrommel wird auch schon gerührt und so könnte der JOKER zum prestigeträchtigsten Comicfilm seit THE DARK KNIGHT werden. Ob er auch das Format besitzt, kann man nur im Kino erfahren.

Kunst im Kino: THE PRICE OF EVERYTHING
Sa 15:00
98 min., FSK 6

Das Plakat zu „The Price of Everything“. Foto: Weltkino

USA 2018
Drehbuch & Regie: Nathaniel Kahn
Verleih: Weltkino

Werke von Jean-Michel Basquiat oder Gerhard Richter werden bei Auktionen für unglaubliche Summen verkauft. Kunst ist heute ein riesiges Spektakel, bei dem es neben Aufmerksamkeit vor allem um das ganz große Geld geht. Und dabei folgt der Kunstmarkt für Außenstehende kaum nachvollziehbaren Regeln. Doch kann der Wert von Kunst wirklich in Dollar gemessen werden? Und was bedeutet dieses kommerzgetriebene Konzept für die Kunstschaffenden selbst? Nathaniel Kahns gefeierter Dokumentarfilm THE PRICE OF EVERYTHING beleuchtet auf unterhaltsame und intelligente Weise die Rolle von Kunst in einer konsumorientierten Gesellschaft und taucht tief in die zugleich faszinierenden wie grotesken Seiten des Kunstmarkts ein. Der Film lässt prominente Szenekenner zu Wort kommen – darunter Kunsthändler, Sammler, Auktionatoren und nicht zuletzt Künstler wie Jeff Koons, Larry Poons und Gerhard Richter.

(einmalige Vorstellung, Mitglieder des KMV 1€ Rabatt, 98 Min., FSK 6)

NUREJEW – THE WHITE CROW
(2. Woche, 128 Min., FSK 6)
täglich 17:15 (außer Do/So/Mo) + 20:00 (außer So), So 11:00, 16:15, 19:00

NUREJEW – THE WHITE CROW

Frankreich, Großbritannien, Serbien 2018
Regie: Ralph Fiennes
Drehbuch: David Hare
Darsteller: Oleg Ivenko, Adèle Exarchopoulos, Chulpan Khamatova
Verleih: Alamode Film

Ralph Fiennes verfilmt die Geschichte des brillanten Bad Boy des klassischen Balletts. 1938 in der Transsibirischen Eisenbahn geboren, wächst Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) zunächst in tiefster Armut in der Russischen Provinz auf. Als seine Mutter ihn während des Krieges mit ins Ballett nimmt, beginnt eine lebenslange Leidenschaft. Obwohl sein Vater, Politoffizier der Roten Armee, ihn schlägt, wenn er ihn beim Tanzen erwischt, bewirbt er sich beim Choreographischen Institut Leningrad und wird angenommen, obwohl er mit 17 eigentlich zu alt ist. Seine starke maskuline Bühnenpräsenz und sein unermüdlicher Ehrgeiz bringen ihn in die Eliteklasse des großen Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) und zu dem Privileg zu Propagandazwecken zu Auslandsauftritten reisen zu dürfen. In Paris kann er endlich Freiheit atmen und der Womanizer möchte dieses Gefühl um nichts in der Welt wieder verlieren…

Ralph Fiennes über das Leben eines der größten Tänzer des 20. Jahrhunderts, der das klassische Ballett revolutionierte und in späteren Jahren regelmäßig durch sein ungehobeltes und arrogantes Verhalten auffiel. Wir sehen, wie sich ein ungeschliffener Diamant in die erste Liga des russischen Balletts kämpft, um sich am 01.06.1961 in der Abfertigungshalle des Pariser Flughafens eine Nervenschlacht mit dem sowjetischen Geheimdienst zu liefern, um noch vor Ort um Asyl zu bitten und in den Westen überzulaufen. Faszinierend!

MIDSOMMAR
(2. Woche, 147 Min., FSK 16)
fr/mo 20:00, so 19:00

MIDSOMMAR

USA 2019
Buch und Regie: Ari Aster
Darsteller: Florence Pugh, Jack Reynor, Will Poulter, William Jackson Harper, Vilhelm Blomgren
Verleih: Weltkino Filmverleih

Es kriselt heftig in der Beziehung von Dani (Florence Pugh) und Christian (Jack Reynor). Doch bevor Christian sich trennen kann, erleidet Dani einen großen persönlichen Verlust und aus Mitleid lädt er sie ein, gegen Protest der anderen, mit auf den geplanten Männertrip nach Schweden zu kommen.

Austauschstudent Pelle (Vilhelm Blomgren) hat die Gruppe in seine Heimat eingeladen und erstmal fühlen sich alle herzlich willkommen im idyllischen Dörfchen Hårga. Just in den Urlaub der vier Besucher fällt das Feiern eines alten Rituals, welches alle 90 Jahre stattfindet. Während des Aufenthalts beginnt Doktorand Christian sich näher mit der heidnischen Mythologie Hårgards zu beschäftigen, doch der festliche Zyklus ist schon in vollem Gange, und aus dem netten puritanischen Fest der Liebe und Glückseligkeit wird bald ein bestialisches Horrorszenario und aus dem Urlaub ein Überlebenskampf gegen uralte Mächte, die Dani dazu verleiten ihr Trauma auf absolut verstörende Weise zu verarbeiten ...

Ari Aster, der mit seinem Langfilmdebut HEREDITARY-DAS VERMÄCHTNIS für Aufsehen in der Gruselszene sorgte, kreiert mit MIDSOMMAR ein überraschendes Horror-Märchen, welches mit Leichtigkeit Themen wie weibliche Emanzipation, Trauerbewältigung und Schöpfungsmythologie in atemberaubenden Bildern mit aller möglichen Brutalität alter Rituale verbindet, und die halluzinatorische Sage in einer apokalyptischen Katharsis gipfelt, welche noch lange nach dem filmischen Erlebnis nachhallt. Perfektionistisch recherchierter Folk-Horror der Seinesgleichen sucht und den Zuschauer in einen beklemmenden Strudel ziehen wird, in einer Welt, in der die Nächte keine Dunkelheit kennen.

ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD
(9. Woche, 159 Min., FSK 16)
Do/Mo 17:00, Sa 22:30

ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

USA 2019
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie
Verleih: Sony Pictures

Zwei Superstars im exzentrischen Hollywood. Der vorletzte Film von Quentin Tarantino. Ein starverwöhntes, cinephiles Stück Filmgeschichte und Kinohighlight im Hochsommer.

Im Hollywood von 1969 gehören der ausrangierte Westernstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio, THE REVENANT) und sein, ihm nie von der Seite weichendes, Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt, INGLOURIOUS BASTERDS) zum alten Eisen. Längst regieren neue Trends die Traumfabrik; Actionstarts aus Fernost (Bruce Lee) und Regisseure aus Europa (Roman Polanski). Ein solcher ist auch grade mit seiner schwangeren Frau Sharon (Margot Robbie, I TONYA) nebenan bei Dalton eingezogen. Doch das Actionduo hat noch ein bisschen Spritt im Tank und möchte sich noch nicht aus Hollywood verabschieden.

Keine Frage, diese extravagante Hollywoodhommage ist ein Volltreffer. Lässig, lustig, selbstironisch und bis ins Detail liebevoll ausstaffiert. Tarantino wird seinem Ruf als kinoverrücktes-Regie-Genie erneut gerecht. Das Duo Pitt/DiCaprio ist unschlagbar (Pitt so cool wie in FIGHT CLUB), DiCaprio (spielfreudig) voll von der Kette gelassen. Müßig die ganzen Gastrollen aufzuzählen, wenn Tarantino ruft, kommen sie alle. Aber das echte Kunststück ist, dieses enorm auf den Punkt orchestrierte, großartig geschrieben, inszeniert und gespielte, wie aus der Zeit gefallen, gefilmte und (wie immer) brillant Musik-vertonte Stück Filmleidenschaft wirken zu lassen, als sei es locker-flockig aus der Hüfte geschossen. Denn neben all den Gimmicks ist ONCE UPON A TIME IN... HOLLYWOOD vor allem eins, ein riesen Spaß.

LEID UND HERRLICHKEIT
(11. Woche, 114 Min., FSK 6)
So 13:45 (Eintritt 6 Euro)

LEID UND HERRLICHKEIT

Spanien 2019
Drehbuch & Regie: Pedro Almodóvar
Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Leonardo Sbaraglia, Penélope Cruz
Verleih: StudioCanal

Satte Farben, leidenschaftliche Umarmungen, sehnsuchtsvolle Blicke. Regie-Altmeister Pedro Almodóvar kreiert die Retrospektive seines Schaffens. Salvador Mallo (Antonio Banderas, DIE HAUT IN DER ICH WOHNTE) ist ein gefeierter Filmregisseur. In den 60ern wuchs er in Armut in der Provinz Valencia auf. Seine liebende Mutter (Penélope Cruz, VOLVER) drängte ihn zur Bildung und so zog es den (damals) jungen Mann später nach Madrid, wo er Filmemacher wurde. Heute ist Salvador wehmütig und blickt zurück auf ein queeres Leben voller Exzesse, Erfolge und Verluste. Dabei überkommt ihn eine profunde Erkenntnis...

LEID UND HERRLICHKEIT ist eine berührende, eine kluge und ehrliche Reflektion eines großen Filmemachers auf sein Lebenswerk. Almodóvar (70) gewährt intime Einblicke in seine Gedanken, Leiden, Freuden und Inspirationen: Die Liebe zur Mutter, der allgegenwärtige Katholizismus, seine (Homo)sexualität und der Kreativpool Madrid. Alles kommt zusammen in dieser unverschämt betörend gefilmten (heimlichen) Autobiografie, in der Antonio Banderas die vermutlich beste Darstellung seiner Karriere abliefert. Einmal erklärt dieser im Film, er werde einen neuen Film drehen, worauf er gefragt wird: „Drama oder Komödie?“ und Almodóvars Alter Ego antwortet: „Das weiß man erst am Ende“.