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Und niemand half ihr...


Hilferufe einfach ignoriert: Aggressiver Mann bedrohte junge Frau


Die Vohwinkelerin Nicole S. will nicht erkannt werden, weil sie in Sonnborn von einem Unbekannten bedroht wurde


Von Klaus Ulrich Grigo

„So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wenn ich an diese Situation zurückdenke, bekomme ich Angst und Wut“, sagt Nicole S., die ihren kompletten Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie befürchtet, dass sie diesem „Typen“ wieder begegnen könnte. Aber vor allem sorgt sich die alleinerziehende Mutter um ihre beiden Söhne, die in Sonnborn einen Kindergarten besuchen.
Ende Januar sei das Ganze passiert. „Ich hatte gerade einen meiner Söhne im Kindergarten abgeholt, da bemerkte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Eigentlich hatte ich mir dabei nicht viel gedacht. Ich wollte nur schnell in die Bäckerei an der Sonnborner Straße“, berichtet Nicole S. Plötzlich sei dieser Typ hinter ihr gewesen und habe gefragt, ob er bei ihr schlafen dürfe. Als sie dies ablehnte, begann der Mann mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen. Unglaublich sei das gewesen, zumal der Mann offenbar nicht in irgendeiner Weise berauscht war.
„Ich spürte den Typen an meinem Rücken, als ich mich abwandte. Gleichzeitig bezeichnete er sich als Kinderschänder und beschimpfte mich auf widerliche Weise. In meiner Not floh ich in die Bäckerei, um Hilfe zu bekommen.“ Die beiden anwesenden Kunden und die Verkäuferin hätten jedoch nur gelacht und sogar ihren Hilfeschrei ignoriert.
Immerhin konnte Nicole S. die Polizei verständigen, die aber erklärte, dass es bis zum Eintreffen der Beamten längere Zeit dauern würde, da der Streifenwagen aus Elberfeld komme.
„Das war eine verzweifelte Situation, aber der Mann schien sich zu beruhigen, und ich ging mit meinem Sohn wieder auf die Straße.“ Doch der Kerl verfolgte sie. „Zum Glück arbeitet mein Vater in einem Elektrogeschäft ganz in der Nähe, und er stand mit dem Inhaber vor dem Ladeneingang. Völlig aufgelöst erzählte ich ihnen von dem Vorfall, währenddessen kam der Mann auf uns zu und schrie, dass er mich umbringen werde. Danach flüchtete er in die nahe Schwebebahnstation.“
Um sein Verschwinden vor dem Eintreffen der Polizei zu verhindern, verfolgte der Vater der Frau den Mann. Beinahe sei es dabei zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen. Doch nach erneutem Anruf bei der Polizei kam der Streifenwagen. „Die haben dem Kerl einen Platzverweis für Sonnborn erteilt und mich gefragt, ob ich Anzeige erstatten möchte. Das habe ich bestätigt, und die Sache war für die Beamten offenbar erledigt. Jetzt warte ich darauf, dass sich die Staatsanwaltschaft bei mir meldet“, sagt Nicole S., die in Sonnborn aufwuchs.
Gerade deshalb wundert sie sich jetzt, dass ihr niemand in der Bäckerei helfen wollte. „Vielleicht ist meine Sache nicht bedeutsam, aber ich will die Leute aufrütteln, damit sie die Courage aufbringen, Menschen in offensichtlicher Not zu unterstützen. Zudem denke ich an meinen Sohn, der noch Tage nach dem Geschehen über das Erlebte weinte“, meint schließlich Nicole S., die nunmehr besonders aufmerksam durch Sonnborn geht.

15.02.2012
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