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Top Wuppertal
Ein unscheinbares Kleinod

Top Wuppertal: Ein unscheinbares Kleinod
Alt, modern, zeitlos: Die Dinnebiers haben in der alten Mühle die unterschiedlichsten Stilrichtungen kombiniert - aber immer stimmig. FOTO: Mikko Schümmelfeder
Wuppertal. Vor Jahrzehnten zog Johannes Dinnebier mit seiner Firma im Schloss Lüntenbeck ein. Privat lebt der Lichtdesigner mit seiner Frau Lisa in der "Bausmühle". Ein Gemäuer, in dem das Licht eher ein Schattendasein führt. Von Sabine Maguire

Die Tür steht auf, die Dinnebiers sind gerade beim Milchmann an der Straße. Der kommt einmal in der Woche und trägt die Einkäufe ins Haus. Drinnen wird man gleich umfangen vom Flair eines Jahrhunderte alten Gemäuers. Ein Müller hat dort schon gewohnt, und ein Färbereibesitzer.

Vor beinahe 60 Jahren zogen dann Lisa und Johannes Dinnebier ein. Beide erzählen gerne die Geschichte, wie es damals dazu gekommen ist. Er habe vor dem Haus gestanden und seine Frau gefragt, ob sie dort gerne wohnen würde. "Und da hat sie gleich ja gesagt", erinnert sich der Lichtplaner. Beim Vorbeifahren war sein Blick auf die alte Mühle gefallen. Damals eher ein unscheinbares Kleinod, ohne viel Pomp und Getöse. Der Besitzer war gerade dabei, sie an einen Schweinezüchter zu verkaufen. Der habe das Haus, in dessen Keller das Wasser stand, eigentlich abreißen wollen.

Bilder:

Die gerettete Mühle FOTO: Mikko Schümmelfeder

"Wir sind Kriegskinder und mit kaputten Häusern aufgewachsen. Das erklärt vielleicht die Gelassenheit, mit der wir das alles gesehen haben", spricht Lisa Dinnebier (94) auf eine liebevolle Weise über das Haus, in dem damals fünf Kinder herumtollten und in das mittlerweile die Enkel zu Besuch kommen.

Im Garten fließen zwei Bäche ineinander, direkt nebenan wächst ein knorriger Birnenbaum unaufhaltsam in die Höhe. Man fühlt es gleich: Der Hausherr (94) führt seine Gäste gerne durch den Garten. Dort wird nichts in unnatürliche Formen gezwungen, die Natur umfängt die "Bausmühle" auf eine sanfte Weise. Und wo ist das Licht im Haus eines Lichtkünstlers? Man könnte fast sagen, es führt ein Schattendasein. Die kleinen Räume des romantischen Fachwerkhauses sind dezent beleuchtet. Wüsste man es nicht, so würde man nirgendwo sehen können, dass es das Licht war, das Johannes Dinnebier zeitlebens umgetrieben hat.

Darauf angesprochen, sprudelt es aus dem kreativen Macher nur so heraus. Noch immer umfangen vom Erlebten, nimmt Johannes Dinnebier einen gleich schon mit auf die Reise durch die Welt, die er vielerorts ins sprichwörtliche "rechte Licht" gerückt hat. Der Moskauer Flughafen, das Opernhaus in Istanbul und unzählige Kirchen: Er hat all das beleuchtet. Es war ein Leben inmitten von Licht, von dem er allerdings sagt: "Nichts geht ohne Schatten. Erst dadurch entsteht Spannung."

Seine Projekte treiben Johannes Dinnebier noch heute um. Voller Leidenschaft plaudert er über Architekten, mit denen er seine Lichtkonzepte umgesetzt hat. Selbst die Villa von Ex-Bundeskanzler Kohl hat er beleuchtet.

Es war ein Leben auf Reisen – und mit einem Ort, an den Johannes Dinnebier immer gerne zurückgekehrt ist. Dass die "Bausmühle" zum Baudenkmal wurde, haben die Dinnebiers damals selbst auf den Weg gebracht. Sie hatten das alte Gemäuer vor dem drohenden Abriss geschützt und es dann feinfühlig und mit viel Sinn für die Historie umgebaut. Geht man dort durch die Tür, spürt man gleich: Es ist ein geliebtes Haus, in dem noch immer die Leidenschaft eines kreativen Paares zu Hause ist.

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