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Verkehrsärger in Elberfeld
Stress in der Erholungstraße

Verkehrsärger in Elberfeld: Stress in der Erholungstraße
Die Situation in der Erholungstraße zwischen Fußgängerzone und Neumarktstraße: Schaufenster zugeparkt, Werbung nicht möglich. FOTO: Bube
Wuppertal. Einzelhändler im südlichen Teil der Erholungstraße in der Elberfelder City sind verärgert über rücksichtslose Falschparker und Einschränkungen in der Außendarstellung. Sie befürchten Umsatzeinbußen. Von Manfred Bube

Die Situation ist verfahren. Lange schon. Jil Bulgrin, seit acht Jahren als Inhaberin von "Fashion Loft" vor Ort: "Der Bereich hier ist als Spielstraße ohne markierte Stellflächen ausgewiesen. Das bedeutet, dass Halten zum Be- und Entladen erlaubt, aber Parken verboten ist. Letzteres scheint, vor allem zu Stoßzeiten, niemanden zu interessieren. Da wird die Straße zugeparkt, stellenweise stehen die Autos so dicht an den Schaufenstern, dass kein Kinderwagen mehr dazwischen passt, vor allem aber auch der Blick auf den Umfang der ausgestellten Ware nicht mehr möglich ist."

Viel zu befürchten haben Falschparker nicht. "Wenn ich das Ordnungsamt informiere, dauert es manchmal Stunden, bis jemand kommt. Und wenn, darf mit einem 10-Euro-Knöllchen nach Belieben weiter geparkt werden. Wovon manche Gebrauch machen. Abgeschleppt wird ja ohnehin nur, wenn eine Zu- oder Ausfahrt versperrt ist", so Yusuf Tun, der gemeinsam mit Jonathan Jaspers eine Gastronomie betreibt.

Allerdings herrscht zwischen den Häuserfronten auch öfters gähnende Leere. Mit der Folge, dass Passanten entlang der Fußgängerzone und der Neumarktstraße gar nicht wahrnehmen (können), was dort alles angeboten wird. Um entsprechend Aufmerksamkeit zu erzielen, haben die Einzelhändler sich etwas einfallen lassen: So stellte Jil Bulgrin zwei Topfpalmen vor dem Laden auf, Ulrich Hosenfeld vom gleichnamigen Fotostudio und andere postierten einen sogenannten Fußgänger-Stopper, ein Restaurant zwei große Leuchten vor der Tür.

Einen Ausweg aus der Misere suchen Ulrich Hosenfeld, Jonathan Jaspers, Yusuf Tun, Jörg und Jil Bulgrin sowie Bilal Aaross (v.l.) – sie setzen jetzt auf Gespräche mit denen, die etwas ändern könnten. FOTO: Bube

Der Erfolg trat unverzüglich ein. Aber anders als erhofft. "Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes informierte umgehend unter Androhung eines Bußgeldes darüber, dass wir das nicht dürfen und forderte uns auf, die Werbemaßnahmen zu entfernen, zumal das hier eine Feuerwehreinfahrt sei. Letzteres leuchtet besonders ein, da unsere Aufsteller sich im Bereich zwischen Schaufenstern und den Laternen befinden, die hier alle drei Meter stehen", sagt Jörg Bulgrin vom Werkzeugladen "WBT" mit bitterer Ironie.

Widerwillig haben sie sich der Ordnungsmacht gebeugt. Auf unterschiedliche Art: Einige verzichten ganz, Ulrich Hosenfeld hat jetzt eine entsprechende Standfläche bei der Stadt angemietet. Und Jil Bulgrin ihre Pflanzen haarscharf innerhalb des Eingangsbereiches aufgestellt. "Eine Kraft vom Ordnungsamt kommt oft mit dem Zollstock vorbei und misst nach, ob meine Blumen auch nicht einen Zentimeter mehr als erlaubt nach draußen ragen. Würde die doch mal genauso penibel gegen die rücksichtslosen Falschparker vorgehen ...", so die Einzelhändlerin.

Beide Aspekte, also illegale Parker und verordnete Unauffälligkeit, davor haben sie alle Angst: Das könnte nämlich dazu führen, dass es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt, am Standort zu bleiben. "Ein Geschäft nebenan gibt bereits auf, anderen steht das Wasser bis zum Hals. Wenn das so weiter geht, gehen wir alle kaputt", ist sich Bilal Aaross, Inhaber des Restaurants "a la Plancha" sicher.

Gemeinsam suchen sie jetzt nach einem Ausweg aus der Misere. Eine Möglichkeit, das Dilemma zu beheben, sieht Ulrich Hosenfeld in der Umwidmung der Spielstraße, in der spielende Kinder bisher nicht wirklich in Erscheinung getreten sind, zur Fußgängerzone. "Die bietet mehr Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und im Vorgehen gegen Falschparker". Ob das oder eine andere helfende Maßnahme realisierbar ist, wollen sie jetzt zeitnah in Gesprächen mit politisch und stadtplanerisch Verantwortlichen erörtern.

Auf Nachfrage der Rundschau begrüßt Ulrike Schmidt-Keßler vom Presseamt der Stadt das Vorhaben: "Es ist schwierig, die berechtigten Interessen aller Beteiligten in Einklang mit der Straßensatzung zu bringen. Eine Umwidmung zur Fußgängerzone könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein und würde sicherlich auch die Attraktivität und Aufenthaltsqualität im Areal steigern."

Die Rundschau-Radrunde