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Helmut Hesse Park
Schwierige Würdigung

Helmut Hesse Park: Schwierige Würdigung
Bei der symbolischen Einweihung des Helmut-Hesse-Parks zeigten sich Dieter Nelles (li.) und Stephan Stracke wie auch manch andere Anwesende nicht gerade begeistert davon, dass der Platz an der Brunnenstraße als unangemessen eingestuft und stattdessen die Aufstellung der Gedenktafel an der Friedhofskirche politisch bevorzugt wurde. FOTO: Bube
Wuppertal. Zur Erinnerung an Pfarrer Helmut Hesse sollte der kleine Platz in der Brunnenstraße in Helmut-Hesse-Park umbenannt und eine Gedenktafel angebracht werden. Weil der Ort "... den Verdiensten von Hesse nicht angemessen" ist, blieb es bei einem symbolischen Akt. Von Manfred Bube

Bereits als Schüler des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums engagierte sich Helmut Hesse für den lebendigen christlichen Glauben. Während des Theologie-Studiums in Berlin brach er, der 1933 in die SA eintrat, mit den Nazis und engagierte sich für verfolgte Juden: Er vermittelte Pässe, fälschte Lebensmittelkarten und Fahrausweise. 
Nach der Ordination wohnte er, wie auch sein ebenfalls als Geistlicher tätiger Vater Hermann Hesse, im Pfarrhaus an der Alemannenstraße und wirkte in der evangelischen Elberfelder Gemeinde. In Predigten wiesen beide auf die Untaten der braunen Brut und insbesondere deren schrecklichen Umgang mit Juden hin.

Als dann noch ein Kirchgänger der Polizei steckte, dass Helmut Hesse in Berlin ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau (deren Ehe bereits zerrüttet war) hatte, wurden Vater und Sohn am 13. November 1943 ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Helmut, der an einer im KZ nicht weiter behandelten Niereninsuffizienz litt, starb elf Tage später, Hermann Hesse überlebte. 

Um die Verdienste des unerschrockenen und mutigen Helmut Hesse öffentlich zu würdigen, hatte der "Verein zur Erforschung der sozialen Bewegung in Wuppertal" 2017 in der Bezirksvertretung Elberfeld den Antrag gestellt, den kleinen Platz zwischen den Häusern in der Brunnenstraße am Samstag, 24. November 2018, und somit 75 Jahre nach dem Tod des Märtyrers in Helmut-Hesse-Park umzubenennen. 
Von der BV seinerzeit einstimmig abgesegnet, kam es an besagtem Datum allerdings nur zu einem symbolischen Akt. Stephan Stracke, Historiker und Mitglied des Vereins: "Im Auftrag von Oberbürgermeister Andreas Mucke hat uns Kulturdezernent Matthias Nocke erst am 10. Oktober darüber informiert, dass die Kommission ,Kultur des Erinnerns' den Platz als ungeeignet –"... weil den Verdiensten von Hesse nicht angemessen"– - einstuft. Sie spricht sich für die Aufstellung einer Gedenktafel in Nähe des Pfarrhauses aus. Da waren die Einladungen für die Veranstaltung am 24. November schon verschickt."

 Während Dieter Nelles, Vorsitzender des Vereins, bei der symbolischen Einweihung Hesse für seinen Mut dankte, zeigten sich Stracke und einige andere Anwesende nicht begeistert davon, dass eine (eigentlich bindende) Entscheidung der BV ausgehebelt wurde. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius (SPD) freut sich indes über den Vorstoß der Verwaltung: "So wie wir uns einstimmig dafür ausgesprochen haben, dass der engagierte und kritische Sohn Elberfelds öffentlich gewürdigt wird, begrüßen wir wiederum einstimmig, dass dies jetzt umfangreicher als angedacht geschieht: Mit der zwischenzeitlich erfolgten Aufstellung der Gedenktafel an der Friedhofskirche in unmittelbarer Nähe zum Pfarrhaus und vielleicht auch noch mit der Umbenennung der Alemannenstraße in Helmut-Hesse-Straße." 
Laut Martina Eckermann vom Presseamt kann Letzteres allerdings, wenn überhaupt, noch dauern: "Da die Umbenennung einer Straße vor allem für die Anwohner mit Aufwand verbunden ist, wird aktuell geprüft, ob diese Maßnahme, die sicherlich die Bedeutung von Helmut Hesse noch stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt, durchgeführt werden sollte."

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