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12. Tag im Springmann-Prozess
Zeugen belasten die Angeklagten schwer

12. Tag im Springmann-Prozess: Zeugen belasten die Angeklagten schwer
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Schlechter hätte es für die Angeklagten wohl nicht laufen können. Gab es bislang nicht wirklich viel, was den Enkel von Christa und Enno Springmann nachhaltig hätte belasten können, so kam es nicht nur für ihn diesmal am Montag (14. Mai 2018) knüppeldick. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Auch für dessen Geschäftspartner, der sich ebenfalls wegen Mordes vor der Schwurgerichtskammer zu verantworten hat, sah es am mittlerweile 12. Verhandlungstag gar nicht gut aus. Dabei hätte man anfangs meinen können, dass von den beiden in den Zeugenstand geladenen Polizeibeamten, die damals als Erste am Tatort waren, nichts wirklich Neues zu erwarten gewesen wäre. Die Auffindesituation der Opfer war bekannt und im Prozessverlauf auch schon besprochen worden.

Und dann ging es plötzlich um den Moment, als einer der Beamten mit Benjamin S. um das Haus gegangen sein soll. Während man gemeinsam die Lage in Augenschein nahm, soll der Enkel der Springmanns gesagt haben, dass die Zimmer durchwühlt worden seien. Und das, obwohl weder er noch seine Mutter, die als Erste am Tatort gewesen sei, das Haus betreten haben wollen.

Hätte man von außen etwas sehen können, wäre eine solche Aussage kein Problem gewesen. So allerdings sagte der Polizeibeamte im Zeugenstand aus, das er weder durch die offenstehende Haustüre noch durch die Fenster habe etwas beobachten können, das auf einen Einbruch oder gar einen Raubmord habe hindeuten können. Und damit nicht genug: Im Nachhinein habe er sich gewundert, warum keiner der Angehörigen ins Haus gegangen sei, um dort nach dem Rechten zuschauen. Er selbst hätte auch einen medizinischen Notfall für möglich gehalten. Die offene Haustüre allein sei für ihn kein Indiz für ein mögliches Verbrechen gewesen.

Für Benjamin S. und dessen Mutter habe hingegen ebenjene Haustüre und das vergebliche Rufen nach den Großeltern genügt, um die Polizei zu rufen. Waren beide vorher im Haus? Oder wussten sie, was man dort finden würde? Ein "Supergau" für jeden Verteidiger – zumal ein Polizeibeamter wohl kaum zu den Zeugen gehört, denen Befangenheit vorgeworfen werden könnte.

Noch schlimmer kam es allerdings mit dem griechischen Mitgefangenen aus dem Hochsicherheitstrakt der Wuppertaler Justivvollzugsanstalt (JVA), mit dem Benjamin S. bei Hofgängen, in der Küche und auf der Toilette gesprochen haben soll. Glaubt man dem Zeugen, so hat sich der Enkel von Christa und Enno Springmann dabei nicht nur selbst um Kopf und Kragen geredet, sondern auch noch seinen mitangeklagten Kompagnon schwer belastet.

Dass dessen DNA am Tatort gefunden wurde, habe Benjamin S. so kommentiert: "Alles wegen dem Idioten, sonst wäre nichts herausgekommen." Dass man seine eigene DNA-Spur am Tatort sichergestellt hatte, habe den Enkel der Springmanns hingegen nicht beunruhigt. Es sei ja bekannt, dass er die Großeltern regelmäßig besucht habe. Und der Kompagnon werde ihn bestimmt auch nicht belasten, weil der gut von ihm gelebt habe und immer noch lebe. Gemeint sind damit wohl finanzielle Zuwendungen in beträchtlicher Höhe, die bereits Thema vergangener Prozesstage waren.

Damit jedoch war die Geschichte des Zeugen noch längst nicht am Ende angelangt. Benjamin S. soll ihm dazu auch noch gesagt haben, dass alles habe so aussehen sollen wie ein Raubüberfall und sein größtes Problem jetzt sei, dass er seinen Kompagnon im Umfeld der Tatzeit mehrmals vergeblich auf dessen Handy angerufen habe. Nur dadurch sei er selbst als Täter ins Visier geraten.

Dass nicht alle Mitgefangenen vergleichbar Belastendes zu berichten haben sollen, erklärte der Zeuge so: "Die haben sich eingeschleimt, vielleicht wegen des Geldes." Das Millionenerbe sei jedenfalls kein Geheimnis gewesen.