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Springmann-Prozess: Urteil am 13. Novwémber
UPDATE: Verteidiger wollen Freisprüche

Springmann-Prozess: Urteil am 13. Novwémber: UPDATE: Verteidiger wollen Freisprüche
Prof. Bernsmann (re.). mit seinem Mandaten beim Prozessauftakt im März 2018. FOTO: Claudia Otte
Wuppertal. Im Wuppertaler Springmann-Prozess gibt es aus Sicht des Verteidigers von Benjamin S., Prof. Dr. Klaus Bernsmann, kein Geständnis, keine Zeugen für die Tat und kein Indiz für die Schuld seines Mandanten. Was es gebe, seien ein von der Kammer angenommenes Motiv und ein Rückschluss auf die Tat. Dieser Fehlschluss habe von Anbeginn das Verfahren beherrscht, sagte Bernsmann am Montagmittag (5. November 2018) in seinem Plädoyer. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Der Sohn der Springmanns sei hingegen zu früh aus dem Kreis der Verdächtigen entlassen worden. Stattdessen sei ihm als Nebenkläger umfangreicher Zugang zur Ermittlungsakte gewährt worden.

Im Verfahren habe es keine Indizienkette gegeben, die Benjamin S. belastet hätte. Eine Beweisaufnahme habe sich weder mit alternativen Tatverläufen noch mit möglichen weiteren Tatbeteiligten befasst. Die erhobenen Beweise würden die erforderliche Gewissheit zur Täterschaft ausschließen und reichen aus Sicht der Verteidigung für eine Verurteilung von Benjamin S. nicht aus. 

Die Taten würden aus Sicht der Verteidigung in Maß an Kaltblütigkeit voraussetzen, über das Benjamin S. nicht verfüge. Das habe der psychiatrische Sachverständige in seinem Gutachten bestätigt. Ebenso wenig vorstellbar sei eine Affekttat.

"Die Annahmen der Staatsanwaltschaft zum Tathergang wirken auf abenteuerliche Weise spekulativ", so Verteidiger Klaus Bernsmann. Um die Feststellung des genauen Todeszeitpunktes habe die Kammer sich mit "Starrsinn" gedrückt. Deren Ergebnisse hätten Benjamin S. möglicherweise entlasten können. Die Verteidigung beantragt den Freispruch von Benjamin S., dessen Schuld durch nichts bewiesen sei.

Aus Sicht der Verteidigung von Ioannis P. gleicht der Prozess einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Der von der Staatsanwaltschaft skizzierte Ablauf funktioniere nur, wenn der 45-jährige Geschäftspartner von Benjamin S. am Tatort gewesen sei. Dafür gebe es keine ausreichenden Beweise - die Kammer müsse mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass sich die Tat so zugetragen habe. Die Ioannis P. unterstellte Habgier als Motiv sei zudem ein unbewiesenes Konstrukt der Anklage.

"Wir haben keinen Tatentschluss, weil wir keinen Täter haben", stellt die Verteidigung von Ioannis P. die von der Staatsanwaltschaft getroffene Behauptung infrage, die Angeklagten hätten sich zur ausgeführten Tat verabredet und seien gemeinsam im Audi von Benjamin S. zum Haus von Enno und Christa Springmann gefahren. Im vermeintlichen Tatfahrzeug habe man keine Spuren von Ioannis P. gefunden.

Es gebe keine Tatwaffe, mit der die Eheleute geschlagen worden sein sollen. Jenseits der DNA gebe es im Haus keine einzige Spur, die man dem Angeklagten habe zuordnen können. Die DNA wiederum habe dort "gelegen, wie auf dem Präsentierteller" und könne von wem auch immer dort aufgebracht worden sein. Die Verteidigung beantrage daher, Ioannis P. freizusprechen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor lebenslange Freiheitsstrafen für die beiden Angeklagten gefordert (mehr dazu: hier klicken).

Das Urteil wird am Dienstag (13. November 2018) um 10 Uhr verkündet.

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