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Plädoyers im Springmann-Prozess
UPDATE: Staatsanwalt fordert lebenslänglich

Plädoyers im Springmann-Prozess: UPDATE: Staatsanwalt fordert lebenslänglich
Staatsanwalt Hauke Pahre (Bild aus dem März 2018). FOTO: Claudia Otte
Wuppertal. Im Wuppertaler Springmann-Prozess haben am Montagvormittag (5. November 2018) die Plädoyers begonnen. Den Anfang machte Staatsanwalt Hauke Pahre. Aus Sicht der Anklage fassten die angeklagten Benjamin S. und Ioannis P. gemeinsam den Plan, Enno und Christa Springmann zu töten. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Das erwartete Erbe habe mehrere Millionen Euro betragen. Das Leben von Benjamin S. sei zuletzt geprägt von hohen Ausgaben gewesen. In einem Jahr habe er 600.000 Euro ausgegeben. Der Abbruch des Studiums und ein großzügiger Umgang mit Geld hätten nicht den Vorstellungen des Großvaters entsprochen, so Pahre.

Ein weiterer Streitpunkt sei die Schenkungssteuer gewesen, die der Enkel der Springmanns nicht habe bezahlen können. Benjamin S. habe befürchten müssen, dass der Großvater den Kontakt abbrechen und ihn enterben könnte. Dem Mitangeklagten Ioannis P. sei diese Situation seines Geschäftspartners bewusst gewesen. Er habe von diesem erhebliche Zuwendungen ohne Gegenleistungen bekommen, die dann ausgeblieben wären.

Die Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft gemeinsam zum Haus der Springmanns gefahren sein. Ioannis P. soll dort ausgestiegen sein, um sich vor dem Haus verborgen zu halten. Benjamin S. habe ihn später ins Haus gelassen. Laut Staatsanwaltschaft sollen einer oder beide Angeklagte auf Enno Springmann eingeschlagen und ihn danach erdrosselt haben. Danach hätten sie Christa Springmann in deren Arbeitszimmer erst geschlagen und dann erdrosselt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelt es sich um eine Vertuschungstat. Danach sollen die Angeklagten etliche Schränke durchwühlt und die Haustür offen stehen gelassen haben, um einen Einbruch vorzutäuschen.

Staatsanwalt Hauke Pahre schildert detailliert den Tatablauf, wie er sich aus Sicht der Anklage zugetragen haben soll. Man glaube dem Angeklagten dessen Angaben zu den Abläufen am Tattag nicht. Aus Sicht der Staatsanwalt sei es sicher bewiesen, dass Christa und Enno Springmann während der Anwesenheit des Enkels in deren Haus getötet worden seien. Für eine Tötung zu einem anderen Zeitpunkt gebe es nach umfangreicher Beweisaufnahme keine Anhaltspunkte.

So sei die Alarmanlage nicht mehr angeschaltet worden. Beide Opfer seien in Alltagskleidung aufgefunden worden. Das Bild am Tatort spreche dafür, dass Christa und Enno Springmann bereits vor dem Abendessen getötet worden seien. Die für das Abendessen vorgesehenen Hasenfilets habe man am nächsten Morgen aufgetaut in der Küche vorgefunden - neben Preiselbeeren und Knödeln, die noch nicht zubereitet worden waren.

Zudem sprächen die von der Rechtsmedizin festgestellten Koffeinreste im Magen von Enno Springmann dafür, dass die Tat spätestens um 17 Uhr stattgefunden haben müsse.

Auffällig sei gewesen, dass Benjamin S. am Tag nach der Tat vor dem Haus der Großeltern zu einer Zeugin gesagt haben soll, dass er bedauere, am Vortag nicht eine Stunde länger geblieben zu sein. Zu diesem Zeitpunkt hätte er  - ohne Täterwissen - noch nicht wissen können, dass die Opfer später tot im Haus aufgefunden werden würden und wann sie zu Tode gekommen seien.

Hinsichtlich der auf einem Kissen neben dem toten Enno Springmann aufgefundenen DNA des Mitangeklagten Ioannis P. müsse angenommen werden, das dieser am Tatort gewesen sei. Allein habe er nicht ins Haus gelangen können - was dafür spreche, dass Benjamin S. ihn zur gemeinsamen Tatbegehung ins Haus gelassen habe. 

Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung sei auszuschließen, dass es sich um einen Raub durch Fremde gehandelt haben könne. Weder ein Überfallalarm noch der Johanniter-Notfall-Knopf seien ausgelöst wurde. Von außen nicht sichtbare Schubladen seien durchsucht geworden, während Bargeld in der Hosentasche von Enno Springmann unberührt geblieben sei.

Der Sohn der Springmanns scheidet aus Sicht der Staatsanwaltschaft als Täter aus. Er habe zwar ein Motiv gehabt, da er von Christa Springmann als Alleinerbe eingesetzt worden sei. Allerdings sei er erst nach der angenommenen Tatzeit in der Funkzelle gewesen und an diesem Tag ohnehin anderweitig beschäftigt gewesen.

Für eine von Benjamin S. Und Ioannis P. gemeinsam begangene Tat spreche auch, dass Enno Springmann im Schlafzimmer zu Tode gekommen sei. Zeugen hatten zuvor ausgesagt, dass er Fremde dort niemals hineingelassen hätte. Stattdessen habe er sich dort oft selbst eingeschlossen.

Nach Ende des Plädoyers der Staatsanwaltschaft sprach der vom Sohn der Springmanns beauftragte Nebenklageanwalt. Aus dessen Sicht habe Benjamin Springmann vor der Tat stetig Umgang mit zwielichtigen Typen gehabt, Frauen für deren Dienste bezahlt und teure Autos gekauft - ein Bild, das man sonst nur aus der Unterwelt kennen würde. Der Enkel habe sich das Vertrauen des Großvaters erschlichen, sei devot gewesen und habe diesem nach dem Mund geredet. Das Leben der Familie sei durch den Prozess schonungslos in die Öffentlichkeit gezerrt worden. Das private Leben des Nebenklägers sei dadurch erheblich beeinflusst, seine berufliche Zukunft zerstört worden.

Hinsichtlich des Tathergangs schließe man sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an. An der Schuld der Angeklagten bestehe aus Sicht des Sohnes der Springmanns als Nebenkläger kein Zweifel. Es werde ebenfalls die lebenslange Freiheitsstrafe unter Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld gefordert.

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