| 18.42 Uhr

10. Tag im Springmann-Prozess
"Schon in Griechenland gerne gejagt"

10. Tag im Springmann-Prozess: "Schon in Griechenland gerne gejagt"
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Nur wenige Tage nach dem Mord an Christa und Enno Springmann wurden Zeugen vernommen. Sie alle bekamen nun nochmals Post vom Gericht, um dort ihre Aussage zu wiederholen. Und was ist in der Zwischenzeit passiert? Einen Beweis dafür, wie wichtig diese scheinbar lapidare Frage ist, lieferte der mittlerweile zehnte Verhandlungstag im Springmann-Prozess. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Denn seither ist dazu viel geschrieben und offenbar auch gesprochen worden. Und das wiederum scheint den Kirchheimer Verwandten von Enno Springmann im Zeugenstand augenscheinlich verunsichert zu haben. Nachbarn hätten ihn angesprochen – und auch er selbst habe viel Zeit gehabt, um über alles nachzudenken.

Mit einem solchen Abstand zum Geschehen und zu dem ehemals Gesagten musste er sich nun vom Vorsitzenden Richter vorhalten lassen, bei der polizeilichen Vernehmung im vergangenen Frühjahr mit einer deutlich anderen Sprache gesprochen zu haben. Hatte der Zeuge damals noch gesagt, Christa Springmann habe distanziert und kühl gewirkt, so erinnerte er sich nun an deren Herzlichkeit und ein würdevolles Auftreten. Damals von den Kriminalbeamten dazu befragt, wie Enno Springmann wohl reagiert hätte, wenn er erfahren hätte, dass sein Enkel nicht studiere, hatte er noch gesagt: "Enno hätte ihn rausgeworfen."

Mehr als ein Jahr später wollte der Zeuge seine Aussage so nicht stehen lassen. Er sei damals geschockt gewesen, als ihm ein Polizeibeamter eröffnet haben soll, dass Benjamin S. nie an der Uni eingeschrieben gewesen sei. Der Zeuge war sich sicher, dass man ihm das in dieser Absolutheit gesagt habe – im polizeilichen Vernehmungsprotokoll war davon hingegen nichts zu lesen. Um diese Ungereimtheiten zu klären, sollen nun erneut Vernehmungsbeamte geladen werden.

Für die Verteidiger von Benjamin S. ist die - ihren Mandanten belastende - Aussage des Zeugen bei der Polizei schon jetzt nicht verwertbar. Dass Enno Springmann alles Negative seinem Sohn zugeschrieben habe und dass der Enkel in dessen Schatten zum Kronprinz avanciert sei: All das dürfte mit der Unverwertbarkeit der Aussage in der sprichwörtlichen Tonne landen.

Auch im Leben der ehemaligen Lebensgefährtin des Sohnes von Christa und Enno Springmann scheint im vergangenen Jahr so einiges passiert zu sein. Beschrieb sie ehemals gegenüber den Kriminalbeamten das Verhältnis trotz Trennung als freundschaftlich, so war von ihr jetzt zu hören, dass die Beziehung der reinste Horror gewesen sei. Von außerehelichen Verhältnissen ihres damaligen Partners habe sie erst in den vergangenen Monaten erfahren.

Ein weiterer Zeuge hätte am liebsten gar nicht erst ausgesagt. Bei ihm soll die Berichterstattung eines Boulevardblattes, die ihn nach dem Mord mit dem Enkel der Springmanns in Verbindung gebracht hatte, ebenfalls "zwischenzeitlich" dazu geführt haben, dass die Kundschaft in seiner Spielhalle ausblieb. Dass Benjamin S. ihm schon vor der Tat mit 45.000 Euro finanziell unter die Arme gegriffen haben soll, bewog den Richter verständlicherweise dazu, genauer nachzufragen. Dafür allerdings gebe es Verträge und ein Teil des Geldes sei auch schon zurückgeflossen, ließ der Zeuge das Gericht wissen.

Dass er mit dem mitangeklagten Geschäftsfreund von Benjamin S. näher bekannt sei, bestritt er nicht. Dass der wiederum nach dem Mord von Christa und Enno Springmann vom SEK mit zwei schallgedämpften Waffen auf der Autobahn überwältigt worden war, kommentierte der Zeuge schmunzelnd so: "Der hat schon in Griechenland gerne gejagt."