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11. Tag im Springmann-Prozess
Schenkungssteuer, Saunaclub und Sorgen

11. Tag im Springmann-Prozess: Schenkungssteuer, Saunaclub und Sorgen
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Schönstes Wetter und vor dem Feiertag auch noch Straßencafé-Gemütlichkeit vor Augen? Wer vermutet hatte, dass es im Springmann-Prozess diesmal ruhiger zugehen würde, sah sich getäuscht. Mit einer Polizeibeamtin, einem Bankberater und zwei Kumpels von Benjamin S. wurden Zeugen vernommen, die man zwar nicht direkt im Mittelpunkt sah, deren Aussagen aber doch einiges erhellen konnten. Von Mikko Schümmelfeder und Sabine Maguire

Fürs Gesamtbild interessant waren die Einlassungen des langjährigen Anlageberaters der Düsseldorfer Bank, die unabhängig voneinander für Großeltern, deren Sohn und den Enkel tätig war. Die Charakterisierung von Enno Springmann als sehr sprunghaft, unwirsch, ängstlich, die politische Enteignung der Banken fürchtend und zum Schluss auch sehr vergesslich, deckt sich mit anderen bisherigen Beschreibungen.

Die Schenkungen, die dieser seinem Enkel zukommen ließ, wurden vom Bankberater mitverwaltet. Der hatte auch die Altersgrenze von 25 Jahren für die alleinige Verfügungsgewalt des Enkels über die beachtlichen Kapitalwerte von rund 800.000 empfohlen. Zwischendrin wurden von Großvater und Enkel zusammen 250.000 freigegeben - möglicherweise um dem Enkel für das Anlegen und Verwalten von Vermögensgeschäften etwas Spielgeld zur Verfügung zu stellen. Wie das aber genutzt wurde, ist nicht klar. Im Raum standen ein Spielhallen- und ein Gastronomieprojekt.

Viel kann nicht übrig geblieben sein vom Geld des Opas, denn die Zahlung der Schenkungssteuer wurde plötzlich zum Problem. Auch Kreditanträge für eine Spielhalle wurden abschlägig beschieden. Auffallend war, dass nach Erreichen der Altersgrenze die Guthaben aus den Schenkungen rapide abschmolzen, weitere Kredite versagt wurden und derzeit nur noch Minimalbeträge auf den Konten zu finden sind.

Nebenbei bemerkt: Eine Bargeldabhebung der Großmutter über 200.000 vor der Tat zugunsten der Ex-Schwiegertochter, die in anderen Vernehmungen schon ein Thema war, schloss der Bankmitarbeiter aus. Bekannt war dem wie auch dem Großvater, dass der angeblich studierende Enkel mehr Ehrgeiz in seinen Tischtennisclub steckte als in trockene Bankgeschäfte.

Dazu konnte ein Mitglied der Wuppertaler Tischtennismannschaft, die in der Oberliga spielt, einige Informationen beisteuern. Demnach war Benjamin S. ein recht guter Spieler und gerade im Aufstieg in die erste Mannschaft. Von profimäßigen Handgeldern, nach seiner ersten Aussage in der Oberliga überall üblich, wusste er hingegen nichts zu berichten. Dafür gab's wohl mal einen Clubausflug nach Mallorca. Und die gemeinsame Fahrt nach Grenzau mit seinem langjährigen Freund und Gönner im BMW Cabrio, die in einem Saunaclub endete.

Die Nacht, in der die Großeltern ermordet wurden, änderte vieles. Der Enkel geriet aus verschiedenen Gründen in Panik und fürchtete, selbst als Nächster umgebracht zu werden. Und noch etwas machte ihm Sorgen. Laut Aussage des Kumpels in der polizeilichen Vernehmung hatte er wohl erst erzählt, dass er für die Tatzeit kein Alibi habe. Später dann, dass er zur Tatzeit mit dem Auto auf der Autobahn nach Haan-Ost gefahren wäre.

Erstaunlich, dass vom Gericht und den Anwälten hier niemand nachhakte, denn die Tatzeit ist ja bislang noch unbekannt und ein großes Rätsel. Die grobmaschigen Erinnerungslücken des Zeugen in anderen Bereichen waren schon bemerkenswert. Aber an den Vorschlag, neue Handys zu kaufen, weil die bisherigen abgehört werden, konnte er sich gut erinnern.

Auch ein weiterer Kumpel, selbst gerade aus dem Gefängnis entlassen und seither in freundschaftlichen Kontakt mit dem Angeklagten und dessen Mutter, hielt treu zu seinem Kreis und wusste ausführlich über die diversen Vermutungen von Benjamin S. zu berichten. Dessen Opa könnte Probleme mit Leuten aus dem Ausland gehabt haben, sein Vater könnte der Täter gewesen sein und er selbst könne der Nächste sein: All das aber hörte er erst vier Wochen nach der Tat.

Bis dahin hatte sich der Zeuge als Freund in der Deckung gehalten, geriet prompt selbst bei Benjamin S. in Verdacht und musste sich die Frage gefallen lassen, wo er selbst zur Tatzeit gewesen sei.

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