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Springmann-Prozess
Noch viele offene Fragen

Springmann-Prozess: Noch viele offene Fragen
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. 16 Verhandlungstage liegen hinter den Prozessbeteiligten. Weitere 20 sind bereits terminiert. Und noch weiß niemand, ob es bis zur Urteilsverkündung nicht noch mehr werden. In den kommenden Wochen pausiert das Gericht, bis es am 2. Juli weitergeht im Springmann-Prozess. Eine Zwischenbilanz von unserer Prozessbeobachterin. Von Sabine Maguire

Wegen Mordes an Enno und Christa Springmann auf der Anklagebank: deren Enkel und dessen Geschäftspartner. Dass zwischen beiden nicht nur beinahe 20 Lebensjahre liegen, sondern dass sie auch noch ein Millionenvermögen voneinander trennt, ist unübersehbar. Der eine im edlen Zwirn und mit Nerd-Brille, umringt von vier Verteidigern. Der andere zwischen zwei Anwälten, mit dem Körperbau eines Türstehers und im Freizeitlook.

Die Angeklagten würdigten sich bislang während des Prozesses kaum eines Blickes – wüsste man es nicht besser, so könnte man glauben, sie würden sich nur flüchtig kennen. Stattdessen sollen sie sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft so nahestehen, dass sie gemeinsam einen Mord geplant und ausgeführt haben. Es wird die Aufgabe des Gerichts sein, den Beschuldigten diese Tat zweifelsfrei nachzuweisen. In einem Indizienprozess, der schon jetzt Rechtsgeschichte geschrieben haben dürfte, fehlt bislang jedoch der alles entscheidende Hinweis auf den oder die Täter. Es gab Zeugen, die entweder den einen oder den anderen der beiden Männer zu Unrecht auf der Anklagebank sitzen sahen. Und es gab solche, die einen oder beide Beschuldigten belastet haben.

Dazu gehört auch die Geschichte einer Familie, deren Fassade nun vor den Augen der Öffentlichkeit zerbricht. Enno und Christa Springmann gehörten zu den Honoratioren dieser Stadt. Sie verkehrten in dem, was man üblicherweise die "gehobenen Kreise" nennt. Sie ehrten seit Jahrzehnten ambitionierte Wuppertaler Künstler mit Preisen ihrer Stiftung. Enno Springmann war Ratsherr, er mischte sich ein und das durchaus kritisch und streitbar. Man wusste, dass die Eheleute vermögend waren – aber sonst wusste man nicht viel über deren Leben.

Das ist mit dem Prozess anders geworden: Das Bild, das sich aus zahlreichen Zeugenaussagen ergibt: Enno Springmann soll alles andere als ein treu sorgender Ehemann gewesen sein. Dass seine Frau unter seinen Eskapaden gelitten hat, blieb ebenso wenig im Verborgenen. Es soll zwischen den Eheleuten oft Streit gegeben haben – immer wieder auch um Geld, viel Geld. Und darum, wer es erben soll.

Es gibt einen gemeinsamen Sohn, der einen Anwalt damit beauftragt hat, den Prozess zu verfolgen. Dass er unter der Rigorosität des Vaters gelitten hat, dass er über Jahrzehnte hinweg das Elternhaus nicht mehr betreten durfte: All das gehört zur Tragik eines Menschen, der nun dazu verdammt ist, den Kontrollverlust zu ertragen, der mit einer derart öffentlichen Demontage des familiären Miteinanders verbunden ist. Anders jedoch würde es nicht gelingen, den Hintergründen des Tatgeschehens auf die Spur zu kommen.

Weitere Mosaiksteine im Prozess: Es gab Nachbarn, die sich als Privatdetektive und Laien-Seelsorger in den Vordergrund gedrängt haben. Es gab dubiose Knastfreunde, die Einblicke in das vermeintliche Seelenleben des angeklagten Enkels geben wollten. Es gab bislang wenig, was über dessen ebenfalls angeklagten Geschäftspartner an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Es gab Anwälte, die lautstark das getan haben, was von ihnen erwartet wird: Ihre Mandanten aus allem herauszuhauen, was ihnen angelastet wird.

Und es gibt die Strafkammer unter dem besonnenen Vorsitz von Richter Robert Bertling, von der man im Herbst ein angemessenes Urteil erwarten darf.

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