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17. Tag im Springmann-Prozess
Leise Töne und ein Kreuzverhör

17. Tag im Springmann-Prozess: Leise Töne und ein Kreuzverhör
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Die Zeugenaussage einer Polizistin und die von dessen Verteidiger verlesene Einlassung zur Person des mitangeklagten Geschäftspartners von Benjamin S.: Es gab nichts wirklich Spektakuläres zu hören am mittlerweile 17. Verhandlungstag. Man ist zugegebenermaßen längst anderes gewohnt vom Springmann-Prozess. Und dennoch sind auch die leisen Töne durchaus interessant in einem Indizienprozess wie diesem. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

In dem hat die Verteidigung vor allem eine Aufgabe: Die Verwertbarkeit von Beweismaterialien in Frage zu stellen und Belastungszeugen unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Oder gar deren Aussage zu verhindern - so wie die einer Zeugin, die über Jahrzehnte hinweg eine enge Vertraute und Geliebte von Enno Springmann gewesen sein soll. Die Dame ist für den nächsten Verhandlungstag in den Zeugenstand geladen und möchte nur per Videovernehmung aussagen.

Es gibt ein ärztliches Gutachten, mittels dessen man den Stress von ihr fernhalten möchte, der mit einer direkten Konfrontation verbunden wäre. "Es könnte darum gehen, die Öffentlichkeit auszuschließen", mutmaßte die Verteidigung des Enkels von Christa und Enno Springmann. Das Miteinander von Großvater und Enkel oder die eigenen Begegnungen mit dem Mordopfer: Was immer die Zeugin dazu aussagt, bliebe hinter verschlossenen Gerichtstüren.

Nachdem die Verbannung der Öffentlichkeit auf die Gerichtsflure bei der Kammer augenscheinlich nicht auf fruchtbaren Boden gefallen war, ging es plötzlich nur noch um die Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit. Man wolle keine Zeugin hören, die sich in Anbetracht eines Kreuzverhörs auf ihre angeschlagene Gesundheit berufen könne. Außerdem fühle man sich in der Verantwortung für mögliche Zusammenbrüche, die man keineswegs riskieren wolle. Lobenswert, dass die Kammer auf die Eigenverantwortung der Zeugin hinwies, die unbedingt aussagen möchte. Sollte es dazu kommen, sollen nun vorher noch ein Arzt und ein psychiatrischer Sachverständiger "grünes Licht" geben.

Weiter ging‘s mit der Polizeikommissarin, die mit als Erste am Tatort war und dort auf die schon vorher herbeigeeilten Verwandten der Springmanns traf. Die Ex-Schwiegertochter, die als Haushälterin beschäftigt wurde, und deren Sohn Benjamin S. seien vollkommen aufgelöst gewesen und hätten geschluchzt. Und das, obwohl angeblich niemand im Haus gewesen sein will und zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen sei, dass Christa und Enno Springmann einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen waren.

Die Kommissarin hatte sich gut vorbereitet und neben ihren eigenen Einsatzvermerken auch die der Kollegen gelesen. Befremdlich für die Verteidiger von Benjamin S., denen schon bei deren Vernehmung einiges nicht gefallen hatte. Dass man angeblich von außen nicht sehen konnte, dass alles zerwühlt gewesen sei und der Angeklagte genau das bereits bei seinem Notruf am Telefon gesagt haben soll, obwohl angeblich niemand im Haus gewesen sein will: befremdlich und durchaus belastend.

Das waren auch die Aussagen eines Knastkumpels von Benjamin S., der den Enkel der Springmanns im Zeugenstand schwer belastet hatte. Auch hier ist die Verteidigung seither bemüht, die Einlassungen des Zeugen zu erschüttern. Von ihm soll es ein psychiatrisches Gutachten geben, das ihm möglicherweise Einschränkungen nach einer Kopfverletzung attestiert, die er als Opfer eines Raubüberfalls erlitten haben soll. Sollte sich das nachweisen lassen, wäre die kompromittierende Aussage wohl kaum noch zu halten.

Die möglicherweise belastenden Gutachten zu DNA und Faserspuren könnten auch schon vom Tisch sein, bevor sie dort überhaupt offiziell gelandet sind. Um den Schöffen die Vorbereitung auf die zu erwartende Aussage der Gutachter zu ermöglichen, wurden sie vorab im Selbstlesemodus verschickt. Aus Sicht der Verteidigung ein Fehler, weil ebenjene Schöffen nun befangen sein könnten. Das Gericht wird darüber zu entscheiden haben – die Zweifel sind dennoch gesät.

Ach ja, der mitangeklagte Geschäftspartner hat noch seinen Lebenslauf verlesen lassen. Sich zur Person einlassen, nennt man so etwas vor Gericht. In Wuppertal geboren und zur Schule gegangen, nach Griechenland ausgewandert und vor drei Jahren zurück nach Deutschland gekommen. Inzwischen mehrere Firmen angeleiert und abgewickelt, ein Café eröffnet und wieder geschlossen und dazu noch eine Pizzeria: Das einzig Stetige war der Wandel.

Fragen wollte der 44-Jährige nicht beantworten, und zur Sache wollte er sich auch nicht äußern. Warum auch, wenn man sich für unschuldig hält.

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