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15. Tag im Springmann-Prozess
Fingierte Briefe: Der Staatsanwalt hat das Wort

15. Tag im Springmann-Prozess: Fingierte Briefe: Der Staatsanwalt hat das Wort
Staatsanwalt Hauke Pahre beim Prozessauftakt im März. FOTO: Claudia Otte
Wuppertal. Es war der Aufreger des letzten Verhandlungstages: Fingierte Briefe, mit denen die Ermittlungsbeamten gearbeitet hatten, um die schleppend laufenden Ermittlungen anzukurbeln. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Platziert wurden die Post im Briefkasten des Sohnes von Enno und Christa Springmann. Und in dem seiner Exfrau – der Mutter des gemeinsamen Sohnes Benjamin S., der derzeit zusammen mit einem Geschäftspartner wegen Mordes vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts angeklagt wird. Der Wortlaut der anonymen Postwurfsendung: Warum Benjamin?

Was für eine Antwort hatte man von den Eltern des Beschuldigten erwartet? Glaubte man wirklich, sie würden über die vermeintliche Tatbeteiligung ihres Sohnes plaudern? Oder sie wären die ersten, denen sich Benjamin S. anvertrauen würde? Das Vater-Sohn-Verhältnis soll kein gutes gewesen sein, das war kein Geheimnis. Und eine Mutter, die ihren Sohn verdächtigt und öffentlich an den Pranger stellt? Fragen über Fragen – und kaum konkrete Antworten.

Stattdessen hagelte es Anträge der Verteidigung mit dem Tenor, die polizeiliche und auch die richterliche Vernehmung des Sohnes der Springmanns als unverwertbar zu deklarieren. Auch dessen Anwalt bestätigte, dass sein Mandant erst nach Akteneinsicht erfahren habe, dass die ihm zugespielte Post kein anonymes Schreiben, sondern ein durch die Polizei lancierter Brief gewesen sei. Bis dahin habe er davon ausgehen müssen, jemand wisse um die Täterschaft des Sohnes und man wolle nun seine Reaktion darauf testen.

Noch ist über diesen Antrag nicht entschieden und man darf gespannt sein, wie die Kammer in dieser Sache urteilt. War es möglicherweise ein Verfahrensverstoß? "Täuschung ist eine verbotene Vernehmungsmethode", gab es klare Worte seitens der Verteidiger. Dabei stand auch Staatsanwalt Hauke Pahre im Fokus, von dem man nun eine dienstliche Stellungnahme erwartet. Hätte er derartigen Ermittlungsmethoden nicht zustimmen dürfen? Auf die Antwort darf man gespannt sein.

Kritik hagelte es auch an der polizeilichen Vernehmung des mitangeklagten Geschäftspartners, der zum Zeitpunkt des Gesprächs im Helios Klinikum gelegen habe. Nach dem Zugriff eines Sondereinsatzkommandos (SEK) auf der Autobahn mit Kopfverletzungen in der Notaufnahme eingeliefert sei er damals noch als Zeuge vernommen worden. Eine Boulevardzeitung hatte ihn zuvor öffentlichkeitswirksam in Verbindung mit dem Doppelmord gebracht. Gegenüber den Vernehmungsbeamten hatte er darüber sein Unverständnis geäußert.

Er selbst habe mit der Sache nichts zu tun. Und auch Benjamin S. könne es nicht gewesen sein, der sei schlicht zu feige für eine solche Tat. Ein lieber Junge und in der griechischen Szene wegen seiner Angeberei mit schnellen Autos nicht akzeptiert: Das soll der Geschäftspartner damals über den Enkel der Springmanns gesagt haben.

Telefonkontakte soll es am Tattag nur zwei gegeben haben. Einmal habe Benjamin S. versucht, ihn gegen 15.30 Uhr anzurufen. Da sei er ohne Handy im Nordpark und daher nicht zu erreichen gewesen. Etwa vier Stunden später will er mit Benjamin S. gesprochen haben. Dabei sei es um den Firmenwagen gegangen.

Und dann war da noch der Mann, der mit im Auto gesessen hatte, als ebenjener Geschäftspartner vom SEK überwältigt worden war. Grund des Zugriffs: Verwicklung in illegalen Waffenhandel! Zwei schallgedämpfte Pistolen im Kofferraum? Das war für das Gericht verständlicherweise Grund genug, um im Zeugenstand genauer nachzufragen.

Antworten gab‘s indessen auch hier keine, weil der in einem anderen Verfahren angeklagte Kompagnon sich durch seine Aussagen in beiden Prozessen hätte selbst belasten können.