| 18.40 Uhr

22. Tag im Springmann-Prozess
Eine Schlüsselfigur und der Gärtner

22. Tag im Springmann-Prozess: Eine Schlüsselfigur und der Gärtner
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. In den ersten Verhandlungstagen saß sie noch im Saal. Dann wurde sie - den Richtlinien entspechend - auf den Gerichtsflur verbannt, weil sie nun doch aussagen wollte. In den Verhandlungspausen sah man sie dort umringt und im regen Austausch mit den Verteidigern ihres Sohnes, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner auf der Anklagebank sitzt. Von Sabine Maguire und Mikko Schümmelfeder

Nun also war die Mutter von Benjamin S. in den Zeugenstand geladen worden. Bis zu deren Tod stand sie Christa und Enno Springmann als Haushälterin sehr nah. Mehr als zwei Jahrzehnte war sie mit deren Sohn verheiratet – mittlerweile ist die Ehe geschieden. Sie ging dennoch weiter im Haus der Springmanns ein und aus, hatte einen eigenen Hausschlüssel und genoss das Vertrauen der ehemaligen Schwiegereltern.

Sie wusste um das, was in den vergangenen Verhandlungstagen als "Fisternöllchen" ans Licht gekommen war. Sie kannte sich aus mit den Smaragden und Brillanten von Christa Springmann und den Gewohnheiten von deren Ehemann. Beide hätten oft und viel gestritten, oft sei es um Kleinigkeiten gegangen. Der Unternehmer sei ängstlich gewesen, aber keineswegs dement.

Dessen Frau habe ihr nach der Scheidung jeden Monat einen höheren Geldbetrag gegeben. Hinzu sei eine Immobilie gekommen, die ihr überschrieben worden sei. Der Kauf eines Appartements habe angeblich unmittelbar bevorgestanden. Zu Beginn des Prozesses war von einer Sporttasche mit 200.000 Euro die Rede, die Christa Springmann dafür noch vor ihrem Tod von der Bank geholt haben soll. Mittlerweile liest sich die Sache nach Aussage der Zeugin so: "Es hat einen Termin beim Notar gegeben."

Die Ex-Schwiegertochter der Springmanns: Im Zeugenstand durchaus eine Schlüsselfigur mit Schlüsselgewalt. Deren Aussage allerdings dürfte aus Sicht der Anklage kaum ein Schlüsselerlebnis gewesen sein. Ihren Sohn Benjamin habe sie zwar oft gesehen, über dessen Lebenswandel habe sie dennoch nicht viel gewusst. Auch sie will erst einige Wochen vor dem Gewaltverbrechen davon erfahren haben, dass er nicht mehr studiert. "Ich habe ihn daraufhin zur Rede gestellt und ihm gesagt, dass er das irgendwann dem Opa sagen muss", so die Mutter des angeklagten Enkels. Der habe ihr geantwortet, dass er es seinem Großvater erklären wolle – auch um ihm zu sagen, dass er das Studium irgendwann fortsetzen werde. Jetzt aber wolle er etwas mit Autos machen und von der Stromfirma ihres Sohnes habe sie auch gewusst.

Dessen Geschäftspartner will sie hingegen nicht gekannt haben. Nur zweimal sei sie ihm begegnet und das auch eher flüchtig. Vom Vorsitzenden Richter musste sich die Zeugin an dieser Stelle den Mitschnitt eines überwachten Telefonates mit ihrer Schwester vorhalten lassen. Dort wurde nur wenige Tage nach der Tat über den 45-Jährigen mit dessen "Spitznamen" gesprochen und dazu sei es um Details gegangen, die man kaum wissen dürfte, wenn man jemanden nur flüchtig kennt.

Hatte sie anfangs über ihren Ex-Mann nicht sprechen wollen, so änderte sich das Aussageverhalten der Zeugin augenscheinlich, als die Verteidiger ihres Sohnes zum Zuge kamen. Da ging es durchaus ans Eingemachte bis dahin, dass Belastungszeugen schlüpfrige Verfehlungen untergeschoben wurden.

Im Haus der Springmanns will sie nach der Tat nicht gewesen sein, allerdings fehle dort einer von zwei Ohrringen, eine Kette und möglicherweise auch anderer Schmuck. Für die Verteidiger des angeklagten Geschäftspartners von Benjamin S. ein Grund, erneut die Raubmord-These aufs Tapet zu bringen. Wobei eben nur einzelne Schmuckstücke aus einem umfangreichen Schmuckkonvolut mitgenommen worden sein sollen.

Gesprochen wurde auch noch über Josef, den Gärtner. Er soll den vom Vater verstoßenen Sohn der Springmanns gesehen haben, der verbotenerweise und hinter dessen Rücken seine Mutter im Elternhaus besucht haben soll. Enno Springmann soll überall Fäden ausgelegt haben, um dann sagen zu können: Der Faden ist gerissen, er war wieder da.

Ihr Sohn könne es hingegen keinesfalls gewesen sein. "Er ist unschuldig": Das waren die letzten Worte der Mutter von Benjamin S. Wer es denn aus ihrer Sicht gewesen sein könnte? Danach wurde die Zeugin nicht gefragt.

Die Rundschau-Radrunde