| 19.41 Uhr

40. Tag im Springmann-Prozess
Eine Mehrheit für öffentliche Plädoyers

40. Tag im Springmann-Prozess: Eine Mehrheit für öffentliche Plädoyers
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Die Spannung steigt im Springmann-Prozess. Das heißt aber nicht, dass überall Zufriedenheit vorherrscht. Denn wieder einmal wurde die Hälfte der Sitzungszeit dafür gebraucht, um Anträge der Verteidigung des Enkels der Mordopfer abzuschmettern. Von Mikko Schümmelfeder und Sabine Maguire

Professor Bernsmann, den man für einen Zwillingsbruder des berühmten Albert Einstein halten könnte und der heute der Wortführende der Verteidiger war, reichte verbittert das weltbekannte Foto (von Arthur Sasse) seines Alter Ego herum, auf dem dieser seine Zunge weit herausstreckt. Das würde er wohl am liebsten auch so machen, denn die Zahl seiner Beweisanträge, die verworfen wurden, geht mittlerweile in die Legionen. Andererseits war dieses Bild als Verzierung auf einer Geburtstagstorte verewigt, das relativierte die Aufregung.

Was wurde abgelehnt? Zum einen sein Antrag, einen Kampfsport-Spezialisten hinzuzuziehen. Der sollte den Knoten im Schal, mit dem Christa Springmann erdrosselt worden war, genau definieren. Dann könne hergeleitet werden, ob möglicherweise ein professioneller Mörder für die Tat verantwortlich sei und auch, welche Kraft bei der Erdrosselung angewendet worden wäre. Da laut Gutachten des Sachverständigen beide Verdächtigen nicht zum Täterprofil passen, könne hier eine weitere Entlastung stattfinden. Abgelehnt wurde der Antrag mit dem Argument, dass die Erdrosselung nicht hauptsächlich mit dem Schal durchgeführt worden sei. Die Ermittler waren sich nach der Spurenlage sicher, dass eine Art Würgeholz zum Tode geführt habe.

Gleichfalls abgelehnt wurde die Erweiterung des psychologischen Gutachtens auf die Frage, ob eine solche Tat von irgendwelchen Verdächtigen möglicherweise im Affekt hätte geschehen können, also nicht von langer Hand geplant, sondern plötzlich aus einem Streit heraus. Das war dem Gericht zu hypothetisch. Da es keinerlei Zeugen der eigentlichen Tat gibt, könne eine Untersuchung in diese Richtung keine Beweise herzaubern.

Auch die beantragte Aussetzung des Verfahrens, um die Verteidigungslinie neu abzustimmen, wurde als unnötig abgewiesen. Der Grund, dass in einem rechtlichen Hinweis die Anklage ausdrücklich um die Punkte Totschlag und Beihilfe erweitert worden wäre, sei nicht zutreffend, man solle sich die Anklage noch mal genau durchlesen. Da wären diese Punkte selbstverständlich eingeschlossen, außerdem sei der rechtliche Hinweis wegen der entstandenen Verwirrung wieder zurückgenommen worden. Im Übrigen wäre durch die vereinbarte Fristverlängerung bis zum übernächsten Montag ausreichend Zeit für eine Anpassung der Plädoyers.

Die zahlreichen Zuschauer interessierte vor allem ein Punkt: der angekündigte Ausschluss der Öffentlichkeit. Mit Ausnahme des Staatsanwalts, der seine Meinung noch abgeben will, votierten die übrigen Prozessbeteiligten gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit bei den anstehenden Plädoyers.

Die Verwirrung über die Abfolge von letzten Anträgen und den darauf folgenden Plädoyers legt sich derzeit. Noch ist nichts Offizielles bekannt, aber eine Befragung der Anwälte ergibt folgendes Bild: Die Verteidigung des Enkels will noch einmal Anträge stellen, die von der juristischen Begründung her dem Gericht es nicht so einfach machen sollen, wieder mit einer Abweisung zu antworten.

Da wirft eine mögliche Revision schon ihre Schatten auf einen Prozess, von dem noch niemand sagen kann, was das Urteil bringt. Und dieser Antrag muss dann noch beantwortet werden, daher sind viele Befragten der Meinung, dass vor dem übernächsten Dienstag keine Plädoyers stattfinden können – es sei denn, die Kammer eröffnet die letzte Runde bereits spät am Montagnachmittag.

Aber eine Nachtschicht wäre schon sehr ungewöhnlich.

Die Rundschau-Radrunde